„Wir wollen den barrierefreien Zugang“ Interview: Bürgermeister Schaffer zum Plüderhäuser Bahnhof

Wer mit dem Rollator, dem Kinderwagen oder dem Rollstuhl unterwegs ist, für den stellen der Plüderhäuser Bahnhof und die Treppen seiner Unterführung eine schier unüberwindliche Hürde dar. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Plüderhausen. Dass der Bahnhof nicht barrierefrei ist, stellt für viele Plüderhäuser ein Ärgernis dar. Denn die Gemeinde ist durch die Bahngleise getrennt – und die Unterführung ein wichtiges Nadelöhr, nicht nur für Bahnreisende. Bürgermeister Andreas Schaffer erklärt im Interview, was Plüderhausen jetzt dagegen tun will.

Der Bahnhof in Plüderhausen ist nicht barrierefrei. Weshalb hat die Bahn dort bislang nicht modernisiert?

Diese Frage müssten Sie der Bahn stellen. Uns gegenüber verweist sie darauf, dass viele Bahnhöfe noch nicht barrierefrei sind. Die Barrierefreiheit wird nach einer Prioritätenliste abgearbeitet. Diese ermittelt den Bedarf nach verschiedenen Bewertungsfaktoren. Hier ist Plüderhausen vor allem wegen der Zahl der Reisenden als noch nicht prioritär eingestuft, heißt es.

Im Zuge der Gartenschau sollte die Maßnahme eigentlich erfolgen. Woran liegt es, dass nichts passiert ist?

Die Bahn hat hier auf den Abschluss einer Vereinbarung bestanden, bei der die Städte und Gemeinden zwischen Schorndorf und Essingen die Planungskosten übernehmen. Hinzu wäre eine Beteiligung an den Investitionskosten gekommen. Die Stadt Schorndorf, vertreten durch Oberbürgermeister Matthias Klopfer und den damaligen Bürgermeister Andreas Stanicki, hat über ein Jahr intensiv mit den Spitzen der Bahn und dem fürs Land seinerzeit zuständigen Wirtschaftsministerium verhandelt. Diese Verhandlungen wurden unterstützt von Landrat Johannes Fuchs und Abgeordneten des Bundes und des Landes. Nachdem die Bahn auf die Beteiligung der Kommunen bestand, wurden 2015 die Verhandlungen eingestellt. Die Begründung: Dies sei eine originäre Aufgabe der Bahn.

Bei manchen Plüderhäusern entstand der Eindruck, die Verwaltung tue nichts, um den Zustand zu ändern. Wie haben Sie sich in den letzten Jahren für die Barrierefreiheit eingesetzt?

Unsere Bemühungen gehen bis in die siebziger Jahre zurück. Bereits vor der interkommunalen Initiative anlässlich der Gartenschau haben wir regelmäßige Vorstöße gemacht. Diese wurden auch von Abgeordneten unterstützt. Danach haben wir das Thema regelmäßig bei der Bahn und im politischen Raum vorgebracht. Unter anderem gab es eine Kleine Anfrage und einen Berichtsantrag des FDP-Landtagsabgeordneten Jochen Haußmann sowie ein Schreiben des SPD-Abgeordneten Gernot Gruber an den Bahnbevollmächtigten Eckart Fricke. Nach einem erneuten Schreiben an die Landtagsabgeordneten kam es im Jahr 2018 zu zwei Gesprächen mit dem Verkehrsministerium im Landtag. Ergebnis dieser Gespräche war: Plüderhausen hat keine Chance, ins Bahnhofmodernisierungsprogramm bis 2029 aufgenommen zu werden. Die Bahn wird bis dahin nicht auf eigene Initiative und eigene Kosten Barrierefreiheit herstellen. Die einzige Möglichkeit ist daher der Weg über das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz. Dabei müssten dann das Land und die Gemeinde Maßnahmen mitfinanzieren.

Die Gemeinde hat jetzt eine Planungsvereinbarung mit der Bahn unterschrieben. Warum erst jetzt nach 35 Jahren?

Es ist eine Notmaßnahme, die Ultima Ratio. Wenn wir wollen, dass sich überhaupt etwas bewegt, sehen wir keine andere Wahl, als eigenes Geld einzusetzen.

Für welche konkreten Maßnahmen will sich Plüderhausen einsetzen?

Wir wollen einen barrierefreien Zugang zum Mittelbahnsteig von beiden Seiten. Das heißt vom Bahnhof und von der Ahornstraße aus.

Der Gemeinderat hat der Vereinbarung im Mai zwar einstimmig, aber zähneknirschend zugestimmt. Können Sie den Unmut nachvollziehen?

Natürlich. Es ist einfach systemwidrig, wenn wir auf dem Grundstück der Bahn in eine Aufgabe investieren, für die eigentlich die Bahn zuständig ist. Es ist ihre originäre Aufgabe, die Bahnhöfe barrierefrei zu gestalten. Für unsere Gemeinde bedeutet das auch konkret, dass wir Geld einsetzen müssen, das wir für die eigene Infrastruktur dringend bräuchten. Das schmerzt aus einem weiteren Grund: Für die Haltestellen im S-Bahn-Bereich gibt es Ausbauprogramme, bei denen die Kommunen keinen Euro bezahlen müssen. Dabei kommen auch Mittel aus Töpfen zum Einsatz, die von Plüderhausen mitfinanziert werden.

Mit welchen Kosten hat die Gemeinde zu rechnen - und bis wann könnte der Umbau starten?

Mit Zahlen zu Kosten und Terminen bewegt man sich zum jetzigen Projektstand auf unsicherem Terrain. Im Rahmen der Verhandlungen im Jahre 2015 zur Remstal-Gartenschau wurden für die Bahnhöfe sogenannte Steckbriefe erstellt. Hier standen für den Bahnhof Plüderhausen ganz grob geschätzt 2,25 Millionen im Raum. Was den Baubeginn anbelangt: Hierzu hat uns die Bahn mitgeteilt, dass bei einem reibungslosen Verlauf der Planung mit einem Start frühestens in fünf Jahren zu rechnen sei.

Die Unterführung ist ein Nadelöhr und wird nicht nur von Bahnkunden genutzt. Welche kurzfristigen Verbesserungen könnten Sie sich vorstellen?

Es sind derzeit keine Verbesserungen geplant. Noch mal: Die Bahnunterführung ist Grundeigentum der Bahn, auf dem sie ihren Betrieb abwickelt.

Das Bahnhofsumfeld wurde zuletzt aufgewertet und die Unterführung im Zuge der Gartenschau aufgehübscht. Werden die Bullaugen mit Fischen und Fröschen jetzt abgehängt?

Nein. Die Künstler im Arbeitskreis Kunst haben dankenswerterweise zugestimmt, dass diese tolle Installation mit den Bullaugen und Bildern noch unbefristet hängen bleiben kann.


Keine Rampen

Auf der Remsbahn-Strecke ist der Plüderhäuser Bahnhof einer der letzten, der nicht barrierefrei ist. Lediglich Urbach, Rommelshausen und Stetten-Beinstein haben keinen komplett barrierefreien Zugang.

In keinem der Orte hat die Unterführung aber eine ähnlich wichtige Bedeutung als Verbindungsweg innerorts wie in Plüderhausen.

Erschwerend kommt hinzu, dass es an den Treppen in Plüderhausen keine Rampen für Kinderwagen oder Fahrräder gibt.

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