WM 2018 Löw: Wagner stellt Teamkollegen als Vollidioten dar

Bundestrainer Löw übt deutliche Kritik an Sandro Wagner. Foto: Sören Stache / dpa

Berlin. 
Der Rücktritt von Sandro Wagner nach der Nicht-Nominierung für die WM in Russland schlägt hohe Wellen. Vor allem seine deutlichen Worte in Richtung des Trainerteams ließen aufhorchen. Nun kontert Bundestrainer Joachim Löw die Kritik des Stürmers.

"Stellt Kollegen als Vollidioten dar"

Am Rande einer Veranstaltung der Bild-Zeitung in Berlin äußerte sich der Bundestrainer zu den Vorwürfen von Sandro Wagner. "Ich empfinde es als Kritik gegenüber seinen Kollegen, die auch spielen. Er stellt manche dar, die bei uns schon ewig spielen, die zu den Führungsspielern gehören, als wären sie ausgemachte Vollidioten", so Löw gegenüber Sky Sport. "Als ob sie nur deswegen bei uns sind, weil sie nicht ihre Meinung sagen."

Löw findet Wagners Reaktion "überzogen"

"Ich kann ein Stück weit nachvollziehen, dass er enttäuscht ist, das ist ja klar", betonte Löw. "Ich finde seine Reaktion ein bisschen überzogen. Jeder, der uns kennt, weiß, wie wir die Spieler immer anhalten, ihre Meinung zu sagen, offen und ehrlich zu sein, uns kritisch gegenüberzutreten. Diese Dinge werden bei uns groß geschrieben."

Nach der Nicht-Nominierung für Deutschlands WM-Kader verkündete Sandro Wagner am Mittwoch, dass er in Zukunft nicht mehr für die Nationalmannschaft auflaufen werde. "Für mich ist klar, dass ich mit meiner Art, immer offen, ehrlich und direkt Dinge anzusprechen, anscheinend nicht mit dem Trainerteam zusammenpasse", hatte er gesagt. Der 30 Jahre alte Angreifer war von Löw nicht in das vorläufige Aufgebot für das Turnier vom 14. Juni bis 15. Juli in Russland berufen worden.

Verwunderung bei FC Bayern

Auch beim Rekordmeister selbst sorgte Wagners Verhalten für Verwunderung. "Ich denke, dass er voreilig emotional reagiert hat. Ich hätte es lieber anders gesehen, aber es ist seine persönliche Entscheidung, und die muss man respektieren", sagte Trainer Jupp Heynckes. Für Wagner sei mit dem WM-Aus "ein großer Traum zerplatzt".

Hoeneß hatte derweil nicht mit Art und Weise des Rücktritts gerechnet. Das habe ihn "schon ein bisschen überrascht, so böse hätte er jetzt nicht unbedingt reagieren müssen", sagte Hoeneß bei Sky. "Er soll jetzt schön in den Urlaub fahren, soll sich gut vorbereiten und seine Zukunft beim FC Bayern sehen."

Zu seiner Nicht-Nominierung sagte Wagner der "Bild": "Ich würde lügen, wenn ich sage, dass ich nicht enttäuscht bin. Die WM wäre eine tolle Sache gewesen." Statt ihm wurden als Mittelstürmer Timo Werner (RB Leipzig), Mario Gomez (VfB Stuttgart) und Nils Petersen (SC Freiburg) nominiert. Wagner fügte an: "Ernst nehmen kann ich das natürlich nicht, aber wie ich schon oft gesagt habe, gibt es weitaus wichtigere Dinge im Leben außer Fußball." Wagner betonte zugleich: "Meinen Jungs wünsche ich nur das Beste in Russland und hoffe, dass sie als Weltmeister zurückkommen."

Löw wehrte sich gegen Wagners Kritik und betonte, dass jeder Nationalspieler immer offen seine Meinung sagen dürfte. "Diese Dinge sind bei uns schon groß geschrieben, dass man offen und ehrlich miteinander umgeht", sagte Löw und meinte auf der Bühne der "Bild"-Veranstaltung: "Schlimmer finde ich seine Worte gegenüber den Kollegen: Er sagt, dass andere ihren Mund nicht aufmachen. Was sollen Jérôme (Boateng), Mats (Hummels) denken? (...) Das ist ja völlig hanebüchen."

Weltmeister Hummels zeigte jedoch Verständnis für seinen Kollegen. "Wir haben ihn getröstet, weil wir ihn als Typen mögen. Wir zeigen, dass wir ihn unterstützen", sagte der Innenverteidiger. "Wie man auf sowas reagiert, das muss jeder mit sich selber ausmachen. Das war mit Sicherheit sein großer Traum."

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