WM-Experten-Talk Gespräch mit Wolfgang Overath und Cacau

Wolfgang Overath Foto: Büttner/ZVW

Sie könnten auf den ersten Blick unterschiedlicher kaum sein - Wolfgang Overath, Weltmeister von 1974, und Cacau, in Brasilien geborener deutscher Nationalspieler, genau halb so alt. Und doch liegen da zwei auf einer Wellenlänge. Ein Gespräch über Fußball früher und heute, Hilfe für Schwächere und den Einfluss von Ehefrauen am Rande des WM-Experten-Talks in Fellbach.

Es dauert nicht lange, bis sich Cacau als Fan des Fußballs von früher outet. „Da hat man was am Ball können müssen, heute muss man viel laufen können.“ Wolfgang Overath wiederum sagt: „Heute würde ich umsonst spielen. Die Atmosphäre, die Stimmung, das ist doch traumhaft.“

Heute ist der Rheinländer aus Siegburg allerdings bereits 74, trainiert trotzdem noch zweimal pro Woche in der Halle. „Morgens bin ich schlecht gelaunt, aber wenn ich abends trainieren kann - wunderbar.“ So versteht er auch nicht, warum Cacau mit seinen jugendlichen 37 nicht mehr spielt. Doch hier zeigt sich bereits die erste Gemeinsamkeit. „Mir ist Familie sehr wichtig“, sagt Cacau. „Deswegen habe ich mit meiner Frau zusammen entschieden: Wenn ich was mache, dann gehen wir zusammen.“ In Japan seien die Voraussetzungen erfüllt gewesen („Das war eine tolle Zeit für uns alle“), danach „gab es keine Angebote mehr, auf die ich mit der Familie hätte eingehen können“. Bei Overath war es Ende der 70er Jahre ähnlich. Er hatte ein Angebot von den Chicago Stings. Der Eigentümer „ist viermal hergeflogen und hat jedes Mal noch etwas draufgelegt. Ich hätte in vier Jahren so viel verdienen können wie in 13 Jahren in Köln.“ Aber: „Die Meine hat gesagt: Ich geh nicht mit.“ Und vier Jahre alleine, „wer weiß, ob das die Ehe ausgehalten hätte“. Also blieb er. „Die richtige Entscheidung.“

Vom eigenen Glück etwas zurückgeben

Es sei ihm auch so gut genug gegangen. Als jüngstes von acht Kindern weiß er das zu schätzen. Zu den beiden leiblichen Söhnen adoptierte er früh ein brasilianisches Mädchen. „Wir wollten etwas von unserem Glück zurückgeben – und haben noch mehr Glück dazubekommen.“ Seit 20 Jahren lädt er zudem Obdachlose an Weihnachten zum Essen ein. Über eine Million Euro habe er für die Aktion bereits gesammelt. Und wenn er dann sehe, wie glücklich die Menschen sind - „dann sind Geschenke an Weihnachten nicht mehr wichtig“.

Eine Bedingung aber müssen die Obdachlosen erfüllen: „Weil ich an den da oben glaube, müssen die auch in die Kirche.“ Da ist der Rheinländer wieder ganz nah bei seinem brasilianisch-deutschen Gegenüber, der aus seinem Glauben nie einen Hehl gemacht hat und selbst mit einer Stiftung mittellose Kinder in Brasilien unterstützt.

Cacau: "Korb, das ist unsere Heimat"

Während Overath seine Siegburger Heimat nie verlassen hat, liegen zwischen Cacaus Geburtsort und Korb allerdings einige Tausend Kilometer. Cacau jedoch sagt nun: „Korb, das ist unsere Heimat.“ Der Sohn spielt in der E-Jugend, die deshalb ab und an auch vom Papa trainiert wird.

Cacau und Wolfgang Overath, zwei, die viel verbindet. Eines aber hat der Rheinländer dem Wahl-Schwaben voraus: die Plätze eins, zwei und drei bei Weltmeisterschaften. Wobei es zum Titelgewinn 1974 fast nicht gekommen wäre. Er sei in schlechter Form gewesen damals, erzählt Overath. „Ich hab’ nur Scheiße gespielt.“

Und als ihn Bundestrainer Helmut Schön fünf Wochen vor dem Turnier angerufen habe, habe er gesagt: Ich weiß nicht, ob ich komme. Das habe seine Frau mitgekommen. Und danach „hat die Meine immer wieder gesagt: Bleib doch da, ist doch so schön zu Hause.“ Diesmal aber setzte sie sich nicht durch. Overath entschied sich für Helmut Schön.

Es war erneut die richtige Entscheidung.

  • Bewertung
    0
 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. (Anschrift und E-Mail sind keine Pflichtangabe, allerdings können Kommentare ohne Angabe der vollständigen Adressdaten in der gedruckten Ausgabe leider nicht berücksichtigt werden. E-Mail, Straße und Nummer werden nicht veröffentlicht.)
    Kommentare werden vor der Veröffentlichung auf der Seite geprüft. Es gelten unsere Kommentarregeln (siehe Link oben rechts) und unsere Datenschutzerklärung . Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden nicht veröffentlicht.

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!