Winnenden Vermisster Junge vermutlich in Nordeuropa - Spuren in Facebook

, aktualisiert am 26.03.2019 - 14:16 Uhr

Winnenden. Der elf Jahre alte Junge, der in Winnenden seit Freitagmittag gesucht wurde, ist vermutlich in Nordeuropa. Auf Facebook ist er in einem Video zu sehen.

Am Montagabend teilte die Polizei mit: Der seit Freitag vermisste Junge hält sich mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit wohlbehalten in Nordeuropa auf. Der vermisste Elfjährige aus Winnenden ist vermutlich mit fremder Hilfe ins Ausland gereist. Der Polizei lägen Hinweise vor, dass er Helfer hatte und abgeholt wurde, wie ein Sprecher am Dienstag sagte. Der Junge soll sich demnach bei seinen Großeltern in Schweden aufhalten. Noch gibt es allerdings keine offizielle Bestätigung der örtlichen Behörden.

"Der Kriminalpolizei Waiblingen liegen nach umfangreichen Ermittlungen sehr konkrete Hinweise vor, wonach sich der Junge aus eigenem Antrieb zu Familienangehörigen nach Nordeuropa begeben hat. Die weiteren Ermittlungen dauern an." Er stammt ursprünglich aus dem Irak, ist ein prima Schüler, spricht gut Deutsch, lebt seit längerem ohne Eltern in einer Einrichtung in Winnenden und ist bisher in keinster Weise als Ausreißer aufgefallen. Seit Freitagmittag war  der Junge vermisst worden.

Am Montag Nachmittag hatte Polizei noch eine groß angelegte Suchaktion in Winnenden gestartet. Mehrere Kräfte der Polizei und ein Hubschrauber waren im Einsatz. Untersucht wurde ein Gebiet in Winnenden, auch das Wunnebad wurde durchsucht. Die Aktion wurde gegen 18 Uhr  vorläufig eingestellt.

Spuren auf Facebook

Auf Facebook wurde am Montag Abend ein Video gepostet, in dem der Junge offenbar selber spricht. Er sitzt auf dem Rücksitz eines Autos mit einer Tageszeitung vom 25.März  in der Hand und erklärt, dass man sich keine Sorgen um ihn machen solle, er sei bei seinem Onkel, seiner Tante und seinen Großeltern. Er wolle nun in Schweden leben und nie wieder nach Deutschland zurück kehren. 

Ohne Eltern eingereist

Der Junge ist laut Polizei im Mai 2018 in die Bundesrepublik eingereist. Seit Mitte vergangenen Jahres lebt er in einer Wohngruppe der Paulinenpflege Winnenden, berichtet Pressesprecher Marco Kelch und ergänzt: „Uns sind die Eltern unbekannt. Nach unserer Kenntnis sind die Eltern nicht in Deutschland.“ Er lebe in einer Wohngruppe in Winnenden-Schelmenholz im ehemaligen Kinderdorf. Der Elfjährige hat eine Busfahrkarte und ist sonst immer von der Stöckachschule in Winnenden mit dem Bus zur Wohngruppe gefahren. Nach derzeitigem Kenntnisstand sei der Junge vergangenen Freitag nicht in den Bus gestiegen. Er ist bisher noch nie in der Weise aufgefallen, dass er sich herumgetrieben hätte oder einfach für eine Weile abgehauen wäre. „Der Junge ist ganz klar nicht als Streuner bekannt“, betont Pressesprecher Kelch.

Dem Vernehmen nach befindet sich der Junge im Aufenthaltsstatus einer Duldung. Er zählt zur Gruppe der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge. Die Akte sei dünn, so Marco Kelch; man wisse wenig über den Jungen. Aus Datenschutzgründen bleiben Informationen über den Lebenslauf des Irakers ohnehin unter Verschluss.

Zurzeit zehn unbegleitete Flüchtlinge unter zwölf im Kreis

Das Landratsamt informiert ganz allgemein darüber, wie es um Flüchtlingskinder ohne erwachsene Familienangehörige im Rems-Murr-Kreis bestellt ist: Die Mädchen und Jungen leben in Gastfamilien oder in Wohngruppen von Jugendhilfeeinrichtungen. Über ihre Belange entscheidet oftmals ein Vormund, den das Jugendamt für die Kinder bestellt. Der Elfjährige ist einer von derzeit zehn Kindern im Alter von zwölf Jahren oder jünger, die als unbegleitete Kinder im Rems-Murr-Kreis leben. Laut Martina Keck, Sprecherin am Landratsamt, leben aktuell 195 unbegleitete minderjährige Ausländer im Kreis. Im Oktober 2016 lebten mit 303 die meisten minderjährigen allein Geflüchteten hier; im Februar 2016 waren es 252.

Baden-Württemberg hat momentan die Quote zur Aufnahme erfüllt, weshalb minderjährige Menschen, die allein in Deutschland ankommen, in anderen Bundesländern unterkommen.

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