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Wohin geht unser Müll Die Entsorgung unserer Elektrogeräte

Waiblingen/Dinkelsbühl. Was Bürger in den Elektroschrott-Container auf dem Recyclinghof in Waiblingen-Süd werfen, verlässt bald danach die Grenzen des Rems-Murr-Kreises. Nicht etwa in Richtung afrikanischer Müllhalden, sondern ins fränkische Dinkelsbühl. Dort zerlegen die Mitarbeiter der Firma Pfahler Monitore, Fernseher und Kühlschränke.

Ziemlich rustikal geht’s zur Sache bei der Fernseher-Demontage in Dinkelsbühl. Es kracht, scheppert und poltert. An einer langen Werkbank hebeln die Arbeiter die schweren Geräte aus einer untergehenden TV-Ära auf. Gehäuse werden entfernt und nach Material sortiert, Platinen in verschiedene Wertklassen aufgeteilt, der Unterdruck der Röhren ausgeglichen. Von Wert sind vor allem Kupfer, Alu und andere Metalle. Die Firma Pfahler ist eine zertifizierte Erstbehandlungsanlage und arbeitet mit weiteren solcher Anlagen zusammen, wie etwa Koslow in Landshut, um die Rohstoffe in den Produktionskreislauf zurückzuführen. Doch nicht alles lässt sich wirtschaftlich lohnend verwerten: So steht im Rücken der Demonteure ein Heer von Röhren, sie werden zur Auffüllung eines stillgelegten Stollens im Salzbergwerk Bad Friedrichshall bei Heilbronn verwendet.

Platinen mit hauchdünner Beschichtung aus Gold

Anfang der achtziger Jahre stieg die Entsorgungsfirma Pfahler mit einer Demontage-Straße für Kühlschränke in das Elektrogeschäft ein. Vor allem ging es darum, die Maschinen von Fluorchlorkohlenwasserstoff zu befreien. In einer speziellen Anlage werden Schadstoffe abgesaugt, Öl und FCKW separiert. Schließlich kommt das langlebige Treibhausgas in die Sondermüllverbrennung bei der GSB Bayern. Pfahler arbeitet bei der Kühlschränke-Verwertung sowohl für Kommunen und Landkreise, welche die auf ihren Wertstoffhöfen angelieferten Elektrogeräte selbst vermarkten, wie auch für das Rücknahmesystem der Hersteller, das Elektroaltgeräteregister. Die Abfallwirtschaftsgesellschaft Rems-Murr ist Mitte dieses Jahres aus der Eigenvermarktung ausgestiegen – die Geräte aus Waiblingen werden also über das EAR verwertet.

Anders sieht es bei Computern und Flachbildschirmen aus. Auch Unterhaltungs- und Büroelektronik (natürlich nicht nur) aus dem Rems-Murr-Kreis wandert in die touristisch bedeutende Mittelalterstadt – beziehungsweise ins dortige Gewerbegebiet. In einer speziell ausgestatten Werkstatt demontiert Rico Frenkel schlanke Monitore. Selbst Schrott kann Edelmetall enthalten, wie er anhand der Linien einer Platine zeigt: „Hauchdünn, aber das ist Gold.“ Unter einer Luftabzugshaube baut er zuletzt die Quecksilber enthaltenden Leuchtkapillaren auseinander, angeschlossen ist an die Anlage ein tonnenschwerer Aktivkohlefilter mit Kapazität für 20 Jahre. Nach der Vorsortierung durch Rico Frenkel und Kollegen gehen die Bauteile zur Weiterverarbeitung an eine trockenmechanische Aufbereitungsanlage, wo nach Schreddern hochwertige Metalle wie Kupfer, Eisen und Aluminium möglichst sortenrein zurückgewonnen werden. Als weitere Fraktionen bleiben Plexiglasscheiben und Mischkunststoffe zur stofflichen Verwertung übrig, der anfallende Restmüll wird energetisch verwertet. Dieses Zerlegen sogenannter TFT-Geräte wird in Zukunft die Zerlegung der alten Röhrenfernseher ablösen.

Beim jährlichen Audit zum Entsorgungsfachbetrieb durch die Dekra werden die Anforderungen des Elektroaltgerätegesetzes mitgeprüft und durch Zertifikat ausgewiesen. Nach dem Motto „Ihr Schrott ist uns was wert“ kümmern sich Monika und Franz Pfahler nicht nur um Elektrogeräte, sie betreiben außerdem einen Wertstoffhof und einen Containerservice für Entrümpelungen aller Art. Ein Problem für mittelständische Firmen wie diese mit ihren 50 Mitarbeitern ist der Umstand, dass laut dem Bundesumweltministerium mehr als die Hälfte der ausgedienten Elektrogeräte - vom Handy bis zum Kühlschrank - gar nicht in die Verwertung gehen. „Viel Schrott steht einfach in Kellern und Garagen herum.“ – Oder er wird illegal entsorgt. Greifer, die den Leuten Elektroschrott schon vor den Recyclinghöfen abschwatzen, wollen den Besitzern weismachen, sie täten was Gutes. Eine Lüge. Denn es sind genau diese Geräte, die nachher illegal exportiert werden und auf Giftmüllhalden landen.

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