Wohnungsbau im Schelmenholz Winnenden Erstmals arbeiten drei Bauträger zusammen

Von links nach rechts: Alessandro Stenti (Vertriebsleiter Firma Pfleiderer), Klaus-Martin Pfleiderer (Geschäftsführer) und Michael Rieger (BGW) werden gemeinsam das Gebiet "Körnle Erweiterung" bebauen. Foto: ZVW/Gaby Schneider

Winnenden. Bauträger Klaus-Martin Pfleiderer hat bereits vor drei Jahren ein Auge auf die Körnle-Erweiterungsfläche geworfen. Er erfuhr bei der Präsentation der Bauentwicklungsflächen, dass die Stadt von 18 möglichen Gebieten nur fünf selbst aktiv angehen will. „Wir schlugen ihr und dem Gemeinderat ein privates Ankaufmodell vor“, so der Geschäftsführer von Projektbau Pfleiderer.

„Der Gemeinderat erlaubte uns, diesen Weg zu gehen“, sagt Pfleiderer. Von Anfang an hatte er die Baugenossenschaft Winnenden und Hausbau Class mit ins Boot genommen. „Jeder sollte das machen, was er am besten kann“, so BGW-Geschäftsführer Michael Rieger. „Wir vermieten, Class baut Reihenhäuser, Pfleiderer Eigentumswohnungen.“

Sie bezeichnen sich selbst als „Bauträger-Traditions-Troika“, alle sind in Winnenden seit Jahrzehnten am Markt, entwickeln aber erstmals ein solches Gebiet mit 129 Wohneinheiten gemeinsam. Ihr Ziel: Möglichst schnell soll das 2,1 Hektar große Gelände bebaubar sein.

In zwei bis drei Jahren, so hoffen die drei, sei’s so weit. Die Stadt hat, wir haben berichtet, im Juli den Bebauungsplan-Prozess eingeleitet. Zum Vergleich: Beim (wesentlich größeren) Baugebiet Adelsbach dauerte es von der Planaufstellung bis zum Erschließungsbeginn sechs Jahre, allein die Umlegungsverhandlungen mit den Eigentümern dauerten davon vier Jahre.

Grundstücksverhandlungen mit den Plänen im Gepäck geführt

Kauf und Umlegung sind bei der Körnle-Erweiterung dagegen schnell und reibungslos erfolgt. Sobald nämlich die „Troika“ grünes Licht zum Verhandeln hatte, informierte sie die 13 Eigentümer – und konnte alle Grundstücke kaufen, bevor die Stadt ihren Bebauungsplan aufstellte.

Die Parzellen werden derzeit weiter von Landwirten beackert, es wächst an der Straße ein schöner Blühstreifen, dahinter kommen Mais und Weizen. „Wir haben den Eigentümern damals ganz genau erklärt, was wir vorhaben“, sagt Vertriebsleiter Alessandro Stenti. Immer dabei im Gepäck: Architektenpläne, die auch nichtöffentlich und mehrfach den Gemeinderatsgremien vorgestellt und abgesegnet wurden. „Verbesserungswünsche flossen gleich ein, zum Beispiel wollten die Gemeinderäte weniger oberirdische Stellplätze“, sagt Rieger. BGW und Pfleiderer werden nun eine gemeinsame Tiefgarage bauen. „Dadurch halten wir den Verkehr aus dem Gebiet und auch aus dem jetzigen Schelmenholz heraus“, sagt Rieger.

21 Reihenhäuser setzen die Haustypen am Gebietsrand fort

„So ein langer Vorlauf wie im Adelsbach erfordert eine Vorfinanzierung. Und man kann nur hoffen, dass die Nachfrage stabil bleibt. Das ist einer der Mosaiksteine, der die Preise derzeit so teuer macht.“ Deshalb war er gerne mit von der Partie, die Pfleiderer ihm vorschlug.

„Uns allen geht es zu langsam, es fehlen Bauflächen – aber es war nicht selbstverständlich, dass Kollegen, die ein Stück weit Konkurrenten sind, zusammenarbeiten.“ Er als Spezialist für Ein- und Zweifamilienhäuser setzt die jüngste Erfahrung mit 24 Reihenhäusern im Waiblinger Gebiet Blütenäcker in der Körnle-Erweiterung um. „Wir werden die Reihenhäuser nicht neu erfinden, aber in Optik und Fassade mit modernem Schwung umsetzen, mit Flachdächern, bodentiefen Fenstern und Glasbrüstungen.“

Class möchte mit der aufgelockerten Anordnung der 21 Häuser „die Atrium- und Reihenhäuser am Schelmenholzrand ergänzen“, seine bekommen ein zurückgesetztes oberstes Geschoss, das noch eine Dachterrasse ermöglicht. Gebaut werde mit natürlichen, aber energetisch hoch dämmenden Materialien, zwei Stellplätze gibt’s pro Haus.


Im Erweiterungsteil des Schelmenholzes sollen 108 Wohnungen in den vier sogenannten Punkthäusern mit acht Stockwerken entstehen und 21 Reihenhäuser.

Sie bieten auf 2,1 Hektar Fläche Platz für geschätzte 323 Einwohner. Die Bauträger-Troika hofft, dass sie bereits 2021, spätestens 2022 mit dem Bau beginnen kann.

Alle Haustypen werden an die Fernwärme angeschlossen, was Platz spart. „Auf dem Gelände sind keine geschützten Arten gefunden worden und das Brandschutzkonzept für unsere Punkthäuser ist auch schon fertig“, sagt Klaus-Martin Pfleiderer über zwei Punkte, die bei einer Baugenehmigung oft viel Zeit kosten können.

Die Bauträger legen zusammen mit der Stadt einen großen Spielplatz am Gebietsrand an und verbinden diesen mit der Grünfläche, in der das Regenwasser von allen Dachflächen aufgenommen werden kann. „Dadurch müssen im Gebiet keine Zisternen angelegt werden“, so Class. „Und das Wasser kann bei Starkregen langsam versickern“, so Pfleiderer.

70 Prozent der Käufer kommen der Erfahrung von Projektbau Pfleiderer und Class Hausbau nach aus dem Großraum Winnenden, also auch aus Leutenbach, Schwaikheim und Berglen. Bei den Mietern stammen 90 Prozent der Suchenden aus der unmittelbaren Umgebung.

Die Firma Class übernimmt für Eigentümer auch die Vermietung eines Reihenhauses. „Diese Dienstleistung wird zunehmend nachgefragt“, sagt Prokuristin Catharina Class.

An der Körnle-Erweiterung finden die Bauträger besonders die Lage bestechend. Für Rainer Class ist die fußläufige Nähe zu den Schulen und Sportstätten ebenso ideal wie zu den Bushaltestellen.

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