Wohnungsbau Wie viel Wohnen verträgt die City?

Gerade junge Leute fühlen sich von den pulsierenden Innenstädten der Großstädte magisch angezogen. Foto: Mierendorf

Wohnraum in Großstädten wie Stuttgart ist knapp. Andererseits wollen immer mehr Menschen in den prosperierenden Städten arbeiten und vor allem auch wohnen. Besonders begehrt sind dabei zunehmend die Innenstädte. Doch eine reine Wohnbebauung ist in vielen dieser Stadtbereiche gar nicht möglich, sagt Detlef Kron. Der Stuttgarter Stadtplaner fordert wie viele seiner Kollegen deshalb schon seit Jahren, die Baunutzungsverordnung zu ändern. Die Baunutzungsverordnung (kurz BauNVO) bestimmt in Deutschland, wie ein Grundstück bebaut und wie es genutzt werden darf. Gerade in Großstädten wie Stuttgart sind viele Flächen als sogenanntes Kern­gebiet definiert. Das bedeutet, sie dürfen nur für Läden, Praxen und Büros verwendet werden und nur ausnahmsweise für das Wohnen, erklärt der Stadtplaner. In den meisten Städten entsprechen die Kerngebiete den Innenstädten. 'Ein reines Wohnhaus ist nach dieser Verordnung planungsrechtlich gar nicht möglich', sagt Kron.


Das Wohnen in der Innenstadt wird durch die Emissionsschutzverordnung erschwert

Um die Innenstädte allerdings für das Wohnen weiter zu öffnen, müsste nicht nur die Benutzungsverordnung novelliert werden. 'Das Wohnen in der Innenstadt wird auch durch die Emissionsschutzverordnung erschwert', so der Stadtplaner. Die Grenzwerte für Emissionen durch Verkehrslärm und Gewerbe seien so hoch, dass nur unter bestimmten Umständen in diesen Gebieten Wohnen überhaupt möglich sei. 'Wer urbanes Leben in den Städten aber wirklich will, muss an diesen Stellschrauben drehen', ist sich Detlef Kron sicher. Die citynahe Wohnbebauung über dem Milaneo und dem Gerber zeige ja, wohin der Trend gehe. Diese Forderung wird aber nicht von allen Experten und Planern so gesehen. Vor allem von der Politik komme der Einwand, dass es genügend Möglichkeiten im Planungsrecht gebe, Wohnen in den Städten zu ermöglichen.


Doch das reiche bei weitem nicht, um flexibel auf den aktuellen Wohnungsbedarf in den Städten zu reagieren, so Kron. Um den Wohnungsbedarf der Städte in den Griff zu bekommen, setzen die Stadtplaner vor allem auf Nachverdichtung, und die Immobilienwirtschaft versucht, ihren Altbestand zu revitalisieren. Denn gerade in den Großstädten gibt es noch viele Gebäude aus der Wirtschaftswunderzeit, aber auch Bürogebäude aus den 80er Jahren, die heute kaum noch zu vermarkten sind. Ein Indiz dafür ist die Leerstandsquote für Bürogebäude. Sie liegt zum Beispiel in Stuttgart bei 3,8 Prozent. Zwischen fünf und sieben Prozent wäre normal. Die Revitalisierung in die Jahre gekommener Immobilien wird deshalb heute oft auch als Chance verstanden, hochmoderne Büros und attraktive Wohnhäuser zu erstellen, die nicht nur wirtschaftlicher betrieben werden können, sondern auch offenere und flexiblere Strukturen bieten.

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