Wohnungsnot im Rems-Murr-Kreis Familie aus Rudersberg sucht seit vier Jahren

Seit vierzehn Jahren ein Paar, seit vielen Jahren auf der Suche nach einer Wohnung: Tanja und Mohammed Salmani Jafari. Foto: ZVW/Mathias Ellwanger

Rudersberg. Drei Zimmer auf rund 70 Quadratmeter für fünf Personen: Das ist nicht allzu viel. Doch Familie Jafari hat sich in dieser Enge eingerichtet. Die Hoffnung darauf, dass sich etwas ändert, geben sie noch nicht auf. Allzu groß ist sie aber nicht mehr. Denn die Preise für Wohnungen sind in den vergangenen Jahren dramatisch gestiegen.

Eigentlich gefällt es Tanja und Mohammed Salmani Jafari dort, wo sie seit zwölf Jahren wohnen. Die beiden verstehen sich gut mit den Nachbarn, haben einen freundlichen Vermieter, der in all den Jahren gerade einmal die ohnehin recht günstige Miete erhöht hat – und fühlen sich im Ort längst heimisch. „Für uns ist Rudersberg mittlerweile ein Zuhause, wir sind hier gut verwurzelt“, sagt Tanja Jafari.

„Die Wohnung platzt aus allen Nähten“

Doch das Problem ist offensichtlich für jeden, der die Familie besucht: „Die Wohnung platzt aus allen Nähten“, so Tanjas Mann Mohammed Salmani. Die drei Kinder, zwei Mädchen und ein Junge, teilen sich ein Zimmer. Das ist gerade für die älteste, die aufs Gymnasium geht, schwierig. Denn es fehlt nicht nur an Rückzugsräumen, sondern an der nötigen Ruhe, um konzentriert lernen zu können.

Als sie vor zwölf Jahren hier herzogen, war das noch anders. Doch da waren sie ja auch noch zu dritt. Und die Drei-Zimmer-Wohnung genau passend. Als sich das dritte Kind ankündigte, begaben sich die Jafaris deshalb auf Wohnungssuche.

Doch das Ergebnis war bislang mehr als ernüchternd. Zwischen 900 und 1200 Euro kalt würde eine Wohnung der passenden Größe kosten. Vier Zimmer sollten es nämlich schon sein, damit sich die Familie nicht ständig auf die Füße tritt. Geld, das sie schlichtweg nicht haben.

Beide sind chronisch krank

Denn beide sind seit einiger Zeit chronisch krank. Sie, die einst stellvertretende Filialleiterin eines Fast-Food-Restaurants war, leidet an den Spätfolgen eines Überfalls. Er, der schon als Verkäufer, Softwareentwickler, und im Anlagenbau arbeitete, hat Probleme mit der Bandscheibe, ist mehrfach operiert worden und zuletzt knapp an einem Schlaganfall vorbeigeschrammt. Daher lebt die Familie im Moment von Arbeitslosengeld II.

Das macht es nicht einfacher. Denn das Jobcenter setzt eine Höchstgrenze fest für die Mieten – und die liegt für die Jafaris unter dem, was meist auf dem Markt verlangt wird (siehe dazu: Mietobergrenze).

Ein weiteres Problem: der Name. Wer als Familie Müller vorstellig wird, hat es deutlich leichter als Interessenten mit nahöstlich klingenden Namen, weiß die 40-jährige Tanja Jafari.

Flucht aus dem Iran

Und nicht zuletzt haben die Flüchtlinge, die aus der Anschlussunterbringung müssen, für zusätzlichen Druck auf dem Wohnungsmarkt gesorgt. Wobei es, so berichten die beiden, schon davor alles andere als einfach war, eine Wohnung zu finden.

„Es ist einfach Glückssache“, sagt Mohammed Salmani Jafari, der das Problem nur allzu gut kennt. Vor 20 Jahren ist der heute 53-Jährige aus dem Iran geflohen. Aus politischen Gründen, wie er sagt. Denn seine Familie war in Gefahr. Nach Stationen in der Schweiz und Dortmund landete er in Stuttgart. Dort haben sich die beiden auf der Arbeit dann auch kennengelernt, seit 14 Jahren sind sie ein Paar.

Er versteht daher die Situation der heutigen Flüchtlinge. Die Enge in den Wohnheimen, die fehlende Ruhe, wenn die Mitbewohner feiern, man selbst aber früh aufstehen muss. Die Probleme bei der Suche nach einer eigenen Wohnung. Und die Schwierigkeiten auf dem deutschen Arbeitsmarkt. In seiner Heimat war Jafari Informatiker. In Deutschland hat er in diesem Beruf nicht wieder richtig Fuß fassen können.

Ihrem künftigen Vermieter würden sie gerne unter die Arme greifen

Beklagen will sich der 53-Jährige aber nicht, im Gegenteil. Er ist froh, hier in Sicherheit leben zu können. Wenn da nur die beengte Wohnung nicht wäre. Vier Zimmer würde sich die Familie wünschen. Möglichst in Rudersberg und Umgebung, damit die Kinder ihr gewohntes Umfeld behalten und die älteste Tochter nicht die Schule wechseln muss.

Dafür wären sie auch bereit, sich jenseits der Miete für ihre künftigen Vermieter einzusetzen. Sie können sich etwa gut vorstellen, einem Senior unter die Arme zu greifen. Für ihn einzukaufen oder zum Arzt zu gehen. „Alles kein Thema“, sagt Tanja Jafari. „Das machen wir sehr gerne, wir sind dazu bereit und willig.“


Mietobergrenze

Vor knapp zwei Jahren hat der Kreis zuletzt die Obergrenzen erhöht. Einer fünfköpfigen Familie im Raum Welzheim (zu dem Rudersberg hier organisatorisch gehört) zahlt das Jobcenter eine bis 105 Quadratmeter große Wohnung und eine Miete von maximal 794 Euro warm.

In begründeten Einzelfällen kann von diesem Richtwert abgewichen werden.

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