Auf Wohnungssuche rund um Waiblingen Ein Erfahrungsbericht von unserer Redakteurin

Symbolbild. Foto: Pixabay.com

Waiblingen. Souterrainwohnungen mit freiem Kellerzugang für die anderen Mieter, Schimmel an den Wänden oder Makler, die einfach nicht zum Termin erscheinen. Wer derzeit rund um Waiblingen auf Wohnungssuche ist, kann so einiges erleben. Die Mieten sind hoch, auf eine Wohnung kommen häufig mehrere hundert Bewerber. Wenn dann noch Haustiere ins Spiel kommen, wird das Finden fast zur Unmöglichkeit. Ein Erfahrungsbericht.

„Sie alleine würden wir ja sofort nehmen, aber mit den Katzen ...“, wie oft ich diesen Satz in den vergangenen Monaten gehört habe. Auf dem ohnehin schon angespannten Wohnungsmarkt werden Haustiere zum K.-o.-Kriterium. Egal wie oft ich beteuere, dass meine Katzen stubenrein sind und drinnen auch ganz sicher nichts zerstören, weil sie Freigänger sind. Es nützt nichts: Tiere sind bei Vermietern offenbar unerwünscht. Dabei leben in deutschen Haushalten mehr als 34 Millionen Haustiere, Tendenz steigend. Rund die Hälfte davon sind Katzen. Dennoch scheint die Tierliebe dort aufzuhören, wo das Immobilieneigentum anfängt.

Manche Wohnungen bergen unangenehme Überraschungen

Schon ohne den Makel „Haustierbesitzer“ ist die Wohnungssuche schwierig genug. Erst kürzlich sprach Dirk Braune, der Geschäftsführer der Kreisbaugruppe, auf der Jahresversammlung der Haus- und Grundbesitzer von rund 5000 bezahlbaren Wohnungen, die derzeit im Rems-Murr-Kreis fehlen. Auch hier ist die Tendenz steigend: Rund um die Städte, in denen es Arbeitsplätze gibt, werden sich Mieten und Grundstückspreise Braune zufolge auch in den kommenden Jahren weiter erhöhen. Die Wirtschaftsregionen wachsen, der Wohnraum wird knapper – und teurer.

Selbst wenn man, wie ich, die eigenen Ansprüche weit herunterschraubt, kann man auf der Wohnungssuche so einiges erleben – Episoden, die, bei einem Glas Wein im Freundeskreis zum Besten gegeben, für Erheiterung sorgen, die aber, wenn man sie selbst erlebt, erst mal alles andere als lustig sind. Manche Makler, so scheint es, halten nichts davon, Termine frühzeitig abzusagen, Wohnungsbesitzer im Übrigen auch nicht.

So ist es zum Beispiel nicht nur einmal vorgekommen, dass ich unterwegs zu einer Besichtigung einen Anruf erhielt: „Es tut mir sehr leid, ich muss den Termin leider kurzfristig absagen.“ Prima, es ist ja auch nur meine Zeit, die dabei draufgeht. Wobei, eigentlich sollte ich wohl dankbar sein, überhaupt vorher informiert zu werden. Denn zweimal ist es auch schon passiert, dass ich zur vereinbarten Zeit am vereinbarten Ort war – und niemand sonst, zumindest kein Makler. In einem Fall öffnete mir die neue Mieterin die Tür, im anderen Fall traf ich die Maklerin zufällig im Hof. Sie teilte mir mit, die Wohnung sei bereits vermietet. Terminabsage? Fehlanzeige

Vielleicht war es Karma, dass dieselbe Wohnung dann eine Woche später erneut ausgeschrieben war. Diesmal durfte ich sie besichtigen – und erlebte die nächste böse Überraschung. Es war eine Wohnung im Souterrain mit niedrigen Decken und einer Dusche, unter der ich gerade so stehen konnte. All das hätte ich sogar akzeptiert. Der Umstand aber, dass regelmäßig andere Mieter aus dem Haus durch den Wohnungsflur spazieren würden, um in ihre Kellerabteile zu gelangen, war dann doch das Quäntchen zu viel des Guten.

Horrende Mieten, drängelnde Vermieter, Schimmel an der Wand

Schimmel an den Wänden („In diesem Raum ließe sich sehr gut ein begehbarer Kleiderschrank einrichten.“ – „Ja, klar.“), Festmietverträge auf zwei Jahre für WG-geeignete ehemalige Arztpraxen, Ein-Zimmer-Appartements mit horrenden Mieten oder drängelnde Vermieter („Wir wollen bis spätestens zum 15. vermieten“ – „Okay, also das ist übermorgen. Wird schwierig, so schnell Mitbewohner zu finden, glaube ich.“): Es ist schon schwer vorstellbar, was man als Mieter auf Wohnungssuche so erlebt. Aber offenbar lässt sich zurzeit so gut wie alles vermieten, fast egal, zu welchem Preis. Jeden Tag steht ja ein Dummer – Pardon, ein Mensch auf Wohnungssuche – auf.

Höflichkeit ist leider oft Fehlanzeige

Und so ist es keine Seltenheit, sich mit15 bis 20 anderen Interessenten auf einer Sammelbesichtigung durch eine Zweizimmerwohnung zu schieben, am besten immer schon die Bewerbermappe mit Lichtbild, Gehaltsnachweisen der vergangenen drei Monate und aktueller Schufa-Auskunft bereit zu halten. Wie wäre es zur Abwechslung noch mit einem polizeilichen Führungszeugnis? Von der Erwartung, auf jede Anfrage über ein Immobilienportal eine Antwort zu bekommen, habe ich mich schon lange verabschiedet. Wenn ein Zweizeiler kommt mit der Information „Aufgrund der Vielzahl an Bewerbern konnten wir Ihre Anfrage leider nicht berücksichtigen“, dann ist das häufig schon viel. Denn meistens kommt: einfach nix. Höflichkeit? Offenbar ebenfalls Fehlanzeige.

Was ist nun die Lösung? Entspannung auf dem Wohnungsmarkt ist laut dem Kreisbau-Geschäftsführer Braune nicht in Sicht. Eine Konsequenz könnte demnach sein: „Wir werden uns in Zukunft wohl mit weniger Wohnraum pro Kopf zufriedengeben müssen.“ Dennoch bleibe es ein schwer zu erreichendes Ziel, die gesamte wirtschaftliche Zuwanderung in den Ballungsgebieten mit Wohnraum zu versorgen, so Braune weiter.

Meine ganz persönliche Lösung ist: weitersuchen und weiterhoffen. Und dabei Zwischenlösungen in Kauf nehmen, so wie die paar Wochen, die ich Anfang des Jahres bei Bekannten hier im Kreis unterkam, den Versuch, in einer ebenso spirituellen wie schrägen Wohngemeinschaft zu leben – und aktuell, wieder mal Unterschlupf zu finden, diesmal in Stuttgart.


Geschichten gesucht

Sind Sie auch gerade auf Wohnungssuche oder waren es? Und haben Sie dabei Geschichten erlebt, die es Ihrer Meinung nach wert sind, weitererzählt zu werden?

Dann schreiben Sie mir eine E-Mail an liviana.jansen@zvw.de oder per Post an: Zeitungsverlag Waiblingen, Albrecht-Villinger-Str. 10, 71332 Waiblingen. Ich freue mich auf Ihre Berichte!

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