Zu teuer Plüderhausen lehnt Remstal-Radweg-Ausbau ab

Symbolbild. Foto: pixabay.com

Plüderhausen. Ein „Vier-Sterne-Radweg“ soll der Remstal-Radweg werden – am besten bis zum Beginn der Remstal-Gartenschau 2019. So wünscht es zumindest das Landratsamt Rems-Murr-Kreis. Um die Zertifizierung dafür zu erlangen, müsste ein Teil des Wegs in Plüderhausen teuer ausgebaut werden. Das lehnte der Gemeinderat ab, beschloss aber die Sanierung von 140 Metern Radweg für 20 000 Euro.

Damit der Remstal-Radweg zu einer Qualitätsroute des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) zertifiziert werden kann, müssen noch einige Mängel behoben werden. Ein Expertengremium, bestehend unter anderem aus Vertretern des ADFC und verschiedenen Abteilungen des Landratsamts, hat die Radroute mehrfach befahren und eine Liste mit Gefahrenpunkten erstellt, die der Zertifizierung noch im Wege stehen – auch in Plüderhausen. Ob diese ausgebessert werden sollen, sorgte dort im Gemeinderat für Diskussionen. Mit dem Ergebnis, dass nur ein Teil des Wegs gerichtet wird, in kleinerem Maße, als von der Verwaltung vorgesehen.

„Wir befinden uns in einer Solidargemeinschaft“, merkte Bürgermeister Andreas Schaffer an. Der Remstal-Radweg sei ein gemeinsames Projekt verschiedener Kommunen. Die Verwaltung hatte dem Gemeinderat einen Plan zur Ausbesserung des Radwegs vorgelegt, der unter anderem vorsah, ein Teilstück zwischen dem Kreisverkehr Heusee und dem Spielplatz Lerchenstraße für 35 000 Euro zu verbreitern und einen anderen Abschnitt im Uferweg zwischen Obstbauvereinsheim und dem bereits erneuerten Teilstück bis zur Kreisgrenze für 45 000 Euro mit Asphalt aufzuwerten.

Zu teuer für den Gemeinderat: „Irgendwo müssen wir sparen“

Ein weiterer Punkt auf der Liste des ADFC war die Verbreiterung des Wegs zwischen Spielplatz Lerchenstraße und Lindhaldenweg, von der die Verwaltung aber aufgrund der unverhältnismäßig hohen Kosten von 100 000 Euro schon im Voraus abriet.

Um die Mängelliste abzuarbeiten, könnte die Gemeinde laut Verwaltung auf Fördergelder des Landes zurückgreifen. Weil die Umsetzung aber schon bis zu Beginn der Gartenschau erfolgen soll, ist das Zeitfenster zu kurz, um die Mittel rechtzeitig zu beantragen. „Die Baumaßnahmen liegen komplett in der Hand der Kommunen“, so Daniela Callenius vom Landratsamt.

„Das Landratsamt hat großes Interesse daran, dass wir die Zertifizierung bekommen“, sagte Schaffer. Der Gemeinderat teilte dieses Interesse nicht.

Am meisten verschuldete Gemeinde im Kreis

„Plüderhausen ist die am meisten verschuldete Gemeinde im Rems-Murr-Kreis“, rief CDU-Gemeinderat Reiner Schiek in Erinnerung. „Irgendwo müssen wir sparen.“ „Die Nationalmannschaft hat auch vier Sterne“, sagte CDU-Fraktionsvorsitzender Ulrich Scheurer. Trotzdem seien nicht unbedingt vier Sterne drin. Die Baumaßnahmen nur wegen der Zertifizierung umzusetzen, sei übertrieben.

SPD-Ratsmitglied Thomas Reißig wies auf die Staus hin, die Schorndorf zurzeit plagen, weil zwei Radwege gleichzeitig gerichtet werden, um rechtzeitig zur Gartenschau fertig zu sein. „Wir lassen’s so, wie’s ist, und so ist’s gut“, sagte er.

Bürgermeister appelliert: Kein reines Gartenschau-Projekt

Andreas Schaffer appellierte an den Gemeinderat, die Zertifizierung nicht nur als Gartenschau-Projekt wahrzunehmen. „Die Remstal-Route endet nicht mit der Gartenschau.“. Es handle sich um ein Tourismusprojekt des Landkreises. „Eine Tourismusmaßnahme des Landkreises geht auch peu à peu“, fand dagegen SPD-Gemeinderätin Elke Mück und sah keinen Bedarf, die Baumaßnahmen zwingend noch vor der Gartenschau zu veranlassen.

Der Gemeinderat entschied sich letztlich dazu, nur den Abschnitt vom Obstbauvereinsheim bis zur Kreisgrenze aufzuwerten – nicht wie vorgeschlagen für 45 000 Euro mit Asphalt, sondern wassergebunden, für 20 000 Euro. Dort bestehe der Bedarf, weil der Weg Schlaglöcher hat, aber auch, weil öfters mal Autos entlangfahren. Außerdem wird der Radweg in Zukunft mit einer neuen Beschilderung über den Festplatz Gänswasen geführt, statt wie bis dato entlang der Straße, weil der Weg dort zu schmal ist.


Was bringt die ADFC-Zertifizierung?

Die Zertifizierung durch den ADFC erfolgt nach verschiedenen Kriterien wie touristischer Attraktivität, Sicherheit, Beschilderung und Gefälle für den Remstal-Radweg als Ganzes.

„Die Zertifizierung gibt den Radfahrern Brief und Siegel darauf, dass der Radweg gut befahrbar ist“, sagt Daniela Callenius von der Tourismusförderung des Landratsamts Rems-Murr-Kreis.

Für die Betreiber des Radweges hat die Zertifizierung den Vorteil, dass der Radweg insgesamt bekannter wird und mehr Leute anzieht.

„Das Ziel war schon immer, dass der Radweg zur Gartenschau zertifiziert wird“, sagt Daniela Callenius. „Er ist eines der großen interkommunalen Projekte und ein verbindendes Element durch das gesamte Gartenschaugebiet.“

Ob und mit wie vielen Sternen der Remstal-Radweg zertifiziert werden wird, hängt jetzt davon ab, wie die betroffenen Kommunen auf die Mängelliste des ADFC eingehen. „Es gibt einige Kommunen, wo nachgearbeitet wird“, gibt Callenius Auskunft.

Der neue Remstal-Radweg beginnt in Weinstadt-Endersbach und führt über Remseck bis nach Essingen und Aalen.

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