Zum Tod von Heidemarie Rohweder Stuttgart wurde ihr Schicksalsort

Nina Hoss mit ihrer Mutter Heidemarie Rohweder Foto: Hörner

Karlsruhe- - Das Theaterpferd

Heidemarie Rohweder hat immer alles gegeben für das Theater: als Schauspielerin, als Regisseurin, als Intendantin, als Organisatorin hinter den Kulissen. Ein richtiges Theaterpferd also, wie dies gerne umschrieben wird. In Stuttgart wirkte sie so zwischen 1989 und 1992 im Theater im Westen am Feuersee, dann von 1993 bis 1998 an der Esslinger Landesbühne. Jetzt ist sie mit 70 Jahren in Berlin ihrem Krebsleiden erlegen. Geboren wurde sie im Juli 1943 an der Nordseeküste, doch schon bald wurde Stuttgart ihr Schicksalsort. Peter Palitzsch holte sie 1968 ans Stuttgarter Staatsschauspiel. Zuvor hatte sie nach ihrem Schauspielstudium in Hamburg dort bei ihm vorgesprochen. In Stuttgart wurde sie von den großen Regisseuren dieser Zeit wahrgenommen: Peter Zadek, Hans Neuenfels, Niels-Peter Rudolph, Alfred Kirchner, Claus Peymann. „Eine harte Zeit“, wie sie rückblickend feststellte, „vor allem, was die Macht der Männer und die Besetzungspolitik angeht.“

Das Theater im Westen

Dann also lieber die eigene Bühne. „Heidemarie Rohweder hat alle Tugenden aus dem Staatstheater mitgebracht“, erinnert sich ihre Nachfolgerin Susanne Heydenreich, die das Haus heute als Theater der Altstadt führt. Das Resultat war ein sehr engagierter Spielplan mit Inszenierungen, die das Haus schnell zur Nummer eins der Stuttgarter Kleintheater machten. Da gab es auch erste Bühnenauftritte der Tochter Nina Hoss. Heidemarie Rohweder wurde engagierte Sprecherin der Stuttgarter Kleintheater, denn Sparpläne vonseiten der Stadt drohten diese Theater entscheidend zu schwächen.

Die Landesbühne Esslingen

Das größere Haus, die bessere Ausstattung – das hätte es sein sollen. Doch hier trafen sie abermals wieder voll Sparpläne, dieses Mal vonseiten des Landes. Künstlerisch mangelte es ihr an der nötigen Reibung, denn seit diesen Jahren müssen die Landesbühnen zuerst darauf achten, dass sie ihre Produktionen an Gastspielorte verkaufen können. Dennoch bleiben großartige Theaterabende mit Heidemarie Rohweder in Erinnerung, etwa in Kleists „Penthesilea“ oder in Werner Schwabs „Präsidentinnen“. Gegenwartstheater wird seitdem nicht mehr so bissig in Esslingen gespielt. Ebenfalls dabei Nina Hoss, die in dem von Bernd Eichinger gedrehten Film „Das Mädchen Rosemarie“ (1996) in der Hauptrolle berühmt wurde.

Ein letztes Mal in Stuttgart

So engagiert wie Heidemarie Rohweder am Theater arbeitete, so unerschrocken war ihr Mann Willi Hoss in seiner politischen Arbeit. Nach Esslingen konzentrierte sich Heidemarie Rohweder sehr auf die Begleitung der Karriere ihrer Tochter. „Junge Schauspielerinnen bekommen schnell viele Angebote und verbrennen daran genauso schnell“, bemerkte sie einmal nach ihrer Esslinger Intendanz über ihre neue Aufgabe: „Das möchte ich verhindern.“ Für sie selbst hat sich damit ein Lebenskreis, beginnend mit ihren früheren Stuttgarter Jahren, geschlossen. Ein letztes Wiedersehen auf der Bühne in Stuttgart gab es im Jahre 2008: In Volker Löschs „Manderlay“ zeigte sie in einem Fünf-Minuten-Auftritt nochmals ihre ganze theatralische Kraft.

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