ZVW-Gegnercheck - Bayer Leverkusen So kann der VfB der „Werkself“ gefährlich werden

Nicolas Gonzalez und Co. müssen gegen die "Werkself" mehr Torgefahr entwickeln. Foto: Pressefoto Baumann

Stuttgart.
Nachdem es der Mannschaft von Trainer Markus Weinzierl nicht gelungen ist, das Kellerduell gegen den 1.FC Nürnberg siegreich zu gestalten, hoffen die Schwaben nun auf ein Erfolgserlebnis gegen ein Team aus den Top Ten der Bundesliga. Am Samstag (15.30 Uhr / ZVW-Liveticker) ist Bayer Leverkusen beim VfB zu Gast. Die „Werkself“ erlebt keine gelungene Saison und musste in dieser Spielzeit ebenfalls schon den Trainer wechseln – mit mäßigem Erfolg.

Wie die Saison der Leverkusener bis dato läuft, wer die wichtigsten Eckpfeiler der Mannschaft sind und wo die Stärken und Schwächen der "Werkself" liegen, erfahren Sie in unserem ZVW-Gegnercheck.

Der bisherige Saisonverlauf

Nachdem am Ende der letzten Spielzeit mit Platz fünf zumindest noch die direkte Qualifikation für die Europa League geglückt ist, hatten sich die Verantwortlichen bei Bayer Leverkusen in diesem Jahr eine weitere Steigerung ihrer exzellent besetzten Mannschaft erhofft – doch diese blieb aus. Zu selten konnte die „Werkself“ ihr enormes Potential auch wirklich auf den Rasen bringen und muss aktuell mit Platz neun sogar um die Qualifikation für das internationale Geschäft bangen.

Diese ist jedoch zwingend notwendig, um den europaweit gefragten Jungstars Brandt, Havertz oder Bailey von der sportlichen Perspektive ihres aktuellen Arbeitgebers zu überzeugen. Nach dem total verkorksten Saisonstart sowie einer mäßigen Hinrunde musste bereits ein Trainerwechsel vollzogen werden – bis zum 28.Spieltag standen die Leverkusener erst einmal unter den ersten Fünf der Tabelle. Am theoretischen Leistungsvermögen gemessen, definitiv zu wenig für die Ansprüche der Star-Truppe aus dem Rheinland.

Die aktuelle Form

Auch wenn sich die Mannschaft unter Neu-Trainer Peter Bosz, der zur Winterpause übernommen hatte, zuletzt spielerisch stark verbessert präsentierte, lässt sich beim Blick auf die nackten Zahlen keine wirkliche Veränderung zu seinem Vorgänger erkennen. Auch wenn die „Werkself“ zu Beginn der Rückrunde mit einer Serie von vier Siegen in Folge – darunter der 3:1-Erfolg gegen die Bayern – aufhorchen ließ, kommt das Team in der Tabelle nicht vom Fleck und findet sich zwischen Platz sechs und neun wieder.

Bei Bayer fehlte zuletzt die Konstanz: Seit Anfang Dezember gibt es für die Rheinländer Siege und Niederlagen fast im Wechsel – einzig Unentschieden scheint man bei den Leverkusenern nicht zu kennen. Nach zwei Pflichtsiegen gegen Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte (2:0 gegen Freiburg sowie 3:2 in Hannover) gab es zuletzt drei Niederlagen am Stück gegen die direkte Konkurrenz um die internationalen Plätze – unter anderem am vergangenen Wochenende eine bittere 2:4-Heimpleite gegen RB Leipzig. Und das nach einer zwischenzeitlichen Zwei-Tore-Führung.

Pressing-Liebhaber Peter Bosz

Nachdem Peter Bosz in seiner Heimat die Anfänge des Trainer-Daseins durchmachte, erlebte er mit Ajax Amsterdam große Erfolge – unter anderem den Einzug ins Europa-League-Finale 2017. Danach folgte der Schritt in die Bundesliga. Mit seiner auf hohem Pressing und schnellem Umschaltspiel basierenden Spielweise hatte der Holländer auch beim BVB eine Zeit lang Erfolg – bis sich die Gegner darauf einstellten und plötzlich die positiven Ergebnisse ausblieben. Es kam zur Entlassung.

Zum Ablauf der Hinrunde, als Ex-Trainer Heiko Herrlich auf einem für Bayer-Verhältnisse enttäuschenden neunten Platz gefeuert wurde, folgte der Niederländer als absolute Wunschlösung des Vereins. Mit seinem offensiv ausgerichteten System sollte Bosz die „Werkself“ in bessere Tabellenregionen zurückführen – was dem Holländer bis dato nicht gelungen ist.

Dem etwas sturen Trainer wird oft eine gewisse Naivität vorgeworfen. Für die Mannschaften des Holländers gilt häufig: vorne hui, hinten pfui. Diese Einstellung spiegelt sich in den zum Teil irrwitzigen Verläufen von Spielen mit Leverkusener Beteiligung wider. Dem 55-Jährigen scheint ein 4:3 lieber zu sein als ein schlichtes 1:0. Da sein Spiel kaum individuelle Fehler verzeiht, kommt es häufig zu spektakulären Partien. Mit dieser Art des Fußballspielens war Bosz aber schon in Dortmund gescheitert. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation in Leverkusen – wo dem Trainer ähnliches Spielermaterial zur Verfügung steht – entwickeln wird.

Als Spieler war Bosz nur mäßig erfolgreich. Seine Profikarriere dauerte 18 Jahre an und hielt zahlreiche Stationen parat – unter anderem in Rostock oder bei Vereinen in Japan. Wirkliche Erfolge hatte der Holländer aber nur bei Feyenoord Rotterdam vorzuweisen, mit denen er dreimal Pokalsieger sowie einmal Meister (von 1992-1995) wurde. Auch für die niederländische Nationalmannschaft war der ehemalige defensive Mittelfeldspieler von 1991 bis 1995 achtmal aktiv. Unter anderem bei der Europameisterschaft 1992, wo er mit der „Elftal“ das Halbfinale erreichte.

Wertvolles Tafelsilber

Bei den sportlich Verantwortlichen von Bayer Leverkusen wird es im Sommer auf zwei Dinge besonders ankommen: Überzeugungskraft sowie eine gute Verhandlungstaktik. Das Offensiv-Trio Kai Havertz, Julian Brandt und Leon Bailey sowie Innenverteidiger Jonathan Tah stehen bei nahezu jedem europäischen Top-Klub auf dem Zettel und könnten die Kassen von Bayer bei einem möglichen Abgang ordentlich klingeln lassen. Bayer Leverkusen winken Rekordeinnahmen für seine hochtalentierten Spieler, die in jungen Jahren bereits zu den Leistungsträgern der „Werkself“ gehören.

Kaum eine Woche vergeht, ohne dass ein astronomisch hohes Angebot für einen Leverkusener Top-Star gehandelt wird. Von Juventus Turin über Atletico Madrid und Inter Mailand bis hin zum FC Bayern sind alle Großen mit vertreten. Bayer könnte auf dem Transfermarkt zu einem Selbstbedienungsladen werden – würde dabei aber zumindest ordentlich abkassieren. Von Summen zwischen 70 bis 100 Millionen Euro ist die Rede. Das wären Rekordausgaben für Spieler aus der deutschen Eliteklasse.

Den Wert der Leverkusener Mannschaft, die über enormes Potenzial verfügt und gespickt ist mit jungen Talenten, belegt eine Zahl recht eindrucksvoll: Mit einem Gesamt-Marktwert von knapp 390 Millionen Euro (Quelle: transfermarkt.de) steht Bayer in diesem Ranking auf Platz vier der Bundesliga – hinter Bayern, Dortmund und RB Leipzig.

Die Stärken und Schwächen

Eingangs bereits erwähnt, fehlt den Leverkusenern in dieser Saison die Konstanz: In manchen Spielen zeigen Havertz & Co., was sie zu leisten imstande sind (unter anderem beim überragenden 5:1-Erfolg in Mainz). Bei anderen Auftritten wie dem deutlichen 1:4 in Hoffenheim ist defensiv keine Ordnung vorhanden, sodass die „Werkself“ am Ende eines ordentlichen Spiels dennoch in dieser Höhe verdient verliert. Die unglaublichen Fähigkeiten der Bayer-Akteure sind häufig nur zeitweise zu erkennen und blitzen in einigen wenigen Situationen auf. Dann erlaubt sich das Team wieder schwächere Phasen.

Möglicherweise sind die begehrten Youngster mit ihren Gedanken nicht immer voll bei der Sache – wer mag es ihnen verdenken, wenn die besten Clubs Europas einem ständig den Kopf verdrehen. Dazu die Unsicherheit, ob es bei Bayer in dieser Saison noch für einen Platz unter den besten sechs reichen wird – bis hierhin sieht es nicht danach aus, da Leverkusen gerade in den Spielen gegen die direkte Konkurrenz zuletzt erheblich Federn lassen musste.

Auf die nicht immer ganz sattelfeste VfB-Abwehr wird an diesem 29. Spieltag zumindest einiges zukommen. Die brandgefährliche Offensive der Gäste gibt in dieser Saison die drittmeisten Torschüsse aller Bundesligisten ab (417). Die Stuttgarter um Torhüter Ron-Robert Zieler dürften sich nicht über zu wenig Beschäftigung beklagen. Dazu spielt bei der „Werkself“ mit dem angesprochenen Top-Talent Julian Brandt der zweitbeste Vorlagengeber der Liga – zehn Treffer fielen nach einem Assist des Ex-Wolfsburgers. Einzig Dortmunds Flügelflitzer Jadon Sancho hat mehr Tore vorbereitet (13).

Die Einschätzung von VfB-Trainer Markus Weinzierl

Die aktuell brenzlige Situation „macht etwas mit den Spielern“, sagt Weinzierl. „Die Jungs müssen die restlichen Spiele zu einhunder Prozent angehen, um die Saison noch zu retten“, fordert der Trainer. Dem 44-Jährigen ist durchaus bewusst, dass „einige Spieler nicht an ihrer maximalen Leistungsgrenze“ sind. Dennoch hält der VfB-Coach nichts von purem Aktionismus: „Wir müssen zielgerichtet arbeiten, uns gut vorbereiten und das dann am Samstag umsetzen“, gibt Weinzierl die Richtung vor.

Der Trainer hat „großen Respekt“ vor Bayer Leverkusen: „Die Spieler haben richtig Qualität und können eine Partie alleine entscheiden“, warnt der Straubinger. Markus Weinzierl glaubt dennoch daran, dass die offensive Spielweise des Teams von Peter Bosz seiner Mannschaft zugutekommen könnte. „Mit der Favoritenrolle gegen Nürnberg sind wir nicht gut klargekommen. Gegen Leverkusen können wir wieder mehr auf Umschaltmomente setzen“, so der Trainer. „Unser größtes Problem ist die fehlende Torgefahr“, weiß Weinzierl und ergänzt: „Die Basis wird sein, hinten gut zu stehen und nach vorne wieder mehr zustande zu bekommen.“


Die Bilanz aus VfB-Sicht

Gesamt: 77 Spiele, 23 Siege, 19 Unentschieden, 35 Niederlagen, 100:132 Tore

Heim: 38 Spiele, 16 Siege, 6 Unentschieden, 16 Niederlagen, 62:60 Tore

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