ZVW-Gegnercheck - Borussia Dortmund Der BVB schwächelt gegen die Teams aus dem Keller

Die 1:2-Niederlage der Dortmunder beim FC Augsburg enttäuschte BVB-Berater Matthias Sammer. Foto: Stefan Puchner Foto: dpa
Stuttgart.

Am Samstag (15.30 Uhr/ZVW-Liveticker) ist der VfB Stuttgart mit Trainer Markus Weinzierl beim Tabellenführer Borussia Dortmund zu Gast. Der Trend bei beiden Teams könnte unterschiedlicher kaum sein. Während sich der immer noch akut abstiegsgefährdete VfB zuletzt stark verbessert präsentierte, zeigt die Leistungskurve bei den Dortmundern nach unten. Die Stuttgarter möchten ihren Aufwind und die aktuelle Schwächephase des BVB nutzen und für eine Überraschung sorgen.

Wie die Saison der Dortmunder bis dato läuft, wer die wichtigsten Eckpfeiler in der Mannschaft sind und wo die Stärken und Schwächen des BVB liegen, erfahren Sie im ZVW-Gegnercheck.

Der bisherige Saisonverlauf

Nachdem Borussia Dortmund in der vergangenen Saison nur mit größter Mühe die Champions-League erreicht hat, wurde im Sommer ein großer Umbruch vorangetrieben. Mit Lucien Favre bekam die Vereinsführung ihren absoluten Wunschtrainer und auch das Gesicht der Mannschaft wurde drastisch verändert. Umso erstaunlicher ist es, wie schnell sich die Neuzugänge zurechtgefunden und das System des Trainers angenommen haben. Nach einem holprigen Saisonstart grüßt die Borussia seit dem sechsten Spieltag von der Tabellenspitze. Zwischendurch gab es gar eine Siegesserie von sechs Spielen in Folge, an deren Ende man die Bayern auf neun Punkte distanziert hatte. Doch dieser Vorsprung ist mittlerweile zusammengeschmolzen und am Wochenende könnten die Bayern den BVB mit Schützenhilfe des VfB sogar vom Platz an der Sonne verdrängen

Die aktuelle Form

Von den letzten fünf Ligaspielen konnte nur eines gewonnen werden: Zu Hause gegen Bayer Leverkusen gab es einen durchaus glücklichen 3:2-Sieg. Was den Verantwortlichen Sorgenfalten bereiten dürfte, ist die schwache Bilanz des Titelanwärters gegen Mannschaften aus dem Tabellenkeller. Gegen Hannover, Nürnberg, Düsseldorf und zuletzt Augsburg ließ der BVB insgesamt zehn Punkte liegen, die am Ende teuer werden könnten. Die „Meister-Flatter“ bei der Borussia sorgt dafür, dass die Bayern nun nach Punkten bereits gleichgezogen haben. Dem BVB bleibt lediglich ein Vorsprung von zwei Toren auf die Münchner. Besonders brisant ist die Konstellation auch deshalb, da es am 06. April noch zum direkten Duell in der Münchner Allianz-Arena kommt. 

Trainer-Fuchs Lucien Favre

Der „Taktik-Tüfftler“ gilt als äußerst detailversessen. Mit dieser Tugend hatte der 61-Jährige auf all seinen Stationen Erfolg. Favre wird nachgesagt, er mache gerade junge Spieler besser und sei im taktischen Bereich so flexibel wie kaum ein anderer Trainer in Europa.

Seine Laufbahn als Coach begann in der Schweiz, wo er sich als Trainer des FC Zürich einen Namen machte. 2006 und 2007 gewann Favre mit dem FCZ die Meisterschaft, ehe es für ihn nach Deutschland ging. Mit seinen Vereinen Hertha, Gladbach und Dortmund war er meist erfolgreich – vom Klassenerhalt bis zum Erreichen des internationalen Wettbewerbes. Letztgenanntes gelang dem stets freundlichen Schweizer auch in Nizza, als er bei seinem zweijährigen Engagement in Frankreich den Club in die Europa League führte.

Trotz aller Erfolge gilt Lucien Favre in der Branche auch als etwas eigen: Ihm wird nachgesagt, er sei egoistisch und stur. Zum Ende seiner erfolgreichen Zeit am Niederrhein trat Favre nach sechs Niederlagen zu Beginn der Saison überraschend zurück. Ihm wurde unterstellt, um seinen eigenen Ruf nicht zu schädigen. An seinen Fähigkeiten als Übungsleiter zweifelt jedoch niemand: So wurde Favre unter anderem drei Mal als Trainer der Saison in der Bundesliga geehrt.

In seiner Karriere als aktiver Spieler galt Favre als intelligenter Spielmacher und war unter anderem beim FC Toulouse sowie in seiner Heimat aktiv. Auch für die Nationalelf der Eidgenossen kam er zu 24 Einsätzen. Im Jahr 1983 wurde der im Kanton Waadt geborene Fußballer gar zum besten Spieler der Schweiz gekürt.  

Die Offensive als Prunkstück

Kapitän Marco Reus ist der Leader und Identifikationsfigur des Vereins. Nach vielen Jahren, in denen der Nationalspieler immer wieder von Verletzungen heimgesucht wurde, geht er in dieser Saison auf dem Platz mit Leistung voran: 13 Tore und acht Vorlagen stehen aktuell zu Buche.

Auch die vielen Neuzugänge im Sommer zeigten erstaunlich schnell ihr immenses Potenzial: Linksverteidiger Achraf Hakimi (ausgeliehen von Real Madrid) und Stürmer Paco Alcacer (kam vom FC Barcelona) sowie Flügelflitzer Jadon Sancho (kam für knapp acht Millionen Euro von Manchester City) haben voll eingeschlagen und konnten direkt überzeugen. Vor allem der junge Engländer Sancho könnte in den kommenden Jahren zum Aushängeschild der Bundesliga werden – 19 Jahre alt und mit einem Marktwert von 80 Millionen Euro bereits der wertvollste Spieler im deutschen Profi-Fußball (Quelle: transfermarkt.de).

Doch es sind nicht nur die Angreifer, die glänzen. Auch defensiv hat Borussia Dortmund an neuer Stabilität hinzugewonnen. Die Transfers der beiden Mittelfeld-Motoren Axel Witsel (kam aus China) sowie Thomas Delaney vom Liga-Konkurrenten Werder Bremen haben der Mannschaft Sicherheit gegeben. Die Nationalspieler stopfen im Mittelfeld viele Löcher und gewinnen wichtige Zweikämpfe. Auch Verteidiger Abdou Diallo, der vor der Saison für 28 Millionen Euro von Mainz 05 geholt und damit zum teuersten Transfer wurde, zeigt auf seiner Position in der Defensivzentrale überzeugende Leistungen.

Die Stärken und Schwächen

Vor allem die Fans sind ein Faustpfand für den BVB im Titelkampf. Das heimische Stadion, der Signal-Iduna-Park, hat mit etwas über 80.000 Plätzen das höchste Fassungsvermögen aller Bundesliga-Arenen und ist nahezu immer ausverkauft. Gerade der Support von der Südtribüne sucht deutschlandweit seinesgleichen - die Anhänger stehen wie der 12. Mann hinter ihrem Team. So hat der BVB in dieser Saison von zwölf Heimspielen keines verloren und sich lediglich in zwei Partien mit einem Unentschieden begnügen müssen.

Trotz der kleinen Schwächephase zuletzt legen die Dortmunder in dieser Spielzeit eine einmalige Konstanz an den Tag: nach 24 Spielen stehen lediglich zwei knappe Auswärtsniederlagen zu Buche - in Düsseldorf und Augsburg verlor die Elf von Lucien Favre jeweils mit 1:2. Der hochkarätig besetzte Sturm ist darüber hinaus mit 58 erzielten Treffern der ligaweit stärkste. Auch ein Verdienst der guten Einkäufe in der Offensive, die allesamt ihre Leistung auf den Platz bringen.

Bei einer solch positiv verlaufenden Saison eine wirkliche Schwäche auszumachen, ist ein schwieriges Unterfangen: Einzig die aktuelle Durststrecke dürfte dem BVB zu denken geben und den Bayern berechtigte Hoffnung machen. Phasenweise wirkt es so, als seien die Spieler nicht ganz bei der Sache – so kritisierte Eurosport-Experte und BVB-Berater Matthias Sammer nach der unnötigen Niederlage zuletzt: „Die Dortmunder wussten nicht, was sie erwartet“. Gerade gegen spielerisch unterlegene Gegner, die sehr tief stehen und auf Konter lauern, tun sich die Dortmunder häufig schwer, nach vorne Lösungen zu finden. An diesem Problem wird der Trainer die nächsten Wochen arbeiten müssen.

Die Einschätzung von VfB-Trainer Markus Weinzierl

Auf die Frage, ob die anstehende Partie beim Tabellenführer aus Dortmund in gewisser Weise nicht auch ein Bonusspiel sei, antwortete der Stuttgarter Trainer mit einem klaren „Nein“. „Es geht doch auch um die Leistung und darum, den positiven Trend fortzusetzen“, sagte Weinzierl. Dass es ein durchaus schwieriges Unterfangen werden dürfte, in Dortmund etwas Zählbares mitzunehmen, ist Markus Weinzierl bewusst: „Wir spielen gegen einen Tabellenführer, der unheimlich viel Potenzial hat“. Vor allem das Dortmunder Publikum sieht der Straubinger als klaren Vorteil für den BVB: „Wenn sie die Zuschauer im Rücken haben, ist es extrem schwer, dort zu bestehen“.

Dennoch verspricht der 44-Jährige den rund 7500 VfB-Fans, die den Weg ins Ruhrgebiet antreten werden: „Die Mannschaft hat kapiert, um was es geht. Wir werden uns zerreißen“. Auch Dortmund habe nach der Sieglos-Serie zuletzt etwas zu verlieren. „Der BVB darf sich in seiner Position als klarer Favorit nichts mehr erlauben“, weiß Weinzierl, dem die Rolle als „krasser Außenseiter“ gefällt. „Wir brauchen defensive Konsequenz und müssen gut umschalten“, gibt Weinzierl die Marschroute vor. Wenn seine Mannschaft so weitermache wie zuletzt, sei mit dem „nötigen Spielglück“ auch in Dortmund etwas möglich.


Die Bilanz aus VfB-Sicht

Gesamt: 99 Spiele, 39 Siege, 24 Unentschieden, 36 Niederlagen, 163:166 Tore

Auswärts: 49 Spiele, 12 Siege, 15 Unentschieden, 22 Niederlagen, 66:98 Tore

 

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