ZVW-Gegnercheck - FC Schalke 04 Die "Knappen" kommen mit einem blauen Auge davon

Stuttgart.

Die Partie des VfB Stuttgart beim FC Schalke an diesem Samstag (15.30 Uhr/ZVW-Liveticker) hat den Charakter eines Freundschaftsspiels. Für beide Teams geht es am letzten Spieltag um nicht mehr viel. Die Stuttgarter haben am vergangenen Wochenende mit dem 3:0-Sieg über den VfL Wolfsburg das Etappenziel Relegation erreicht, während sich die Schalker vor kurzem den Klassenverbleib in Liga eins sicherten. Dennoch: Die Gastgeber möchten mit einem Sieg der insgesamt enttäuschenden Saison ein versöhnliches Ende bereiten und für die Schwaben gilt es, für die anstehenden Duelle mit dem Drittplatzierten der 2. Liga im Rhythmus zu bleiben.

Wie die Saison der Schalker bis dato läuft, wer die wichtigsten Eckpfeiler in der Mannschaft sind und wo die Stärken und Schwächen der "Knappen" liegen, erfahren Sie in unserem Gegnercheck.

Der bisherige Saisonverlauf

Bis dato eine Saison zum Vergessen für den Vizemeister der vergangenen Saison. Während das Team von Ex-Trainer Domenico Tedesco lange Zeit mit defensiv ausgerichtetem Fußball knappe Erfolge feiern konnte, ging dieser Spielstil zuletzt nicht mehr auf wie gewollt. Die Mannschaft wurde im Sommer vom mittlerweile zurückgetretene Manager Christian Heidel prominent und für viel Geld verstärkt, was sich auf dem Rasen aber nicht wiederspiegelte.

Die Spielzeit 2018/19 begann für die Knappen mit fünf Niederlagen am Stück, sodass sich der traditionsreiche Klub aus dem Ruhrpott frühzeitig im unteren Tabellendrittel wieder- und aus diesem auch nicht mehr herausfand. Eine chaotische Saison, die sowohl der junge Hoffnungs-Trainer Tedesco als auch Manager Heidel nicht überstehen sollten. Das Revier-Derby beim BVB, welches die Schalker überraschend mit 4:2 gewannen, war das einzig ansehnliche Spiel der Mannschaft von Huub Stevens in dieser so enttäuschenden Saison und wirkte als Balsam für die geschundene Fan-Seele.

Die aktuelle Form

In den letzten Spielen zeigten sich die Knappen zumindest defensiv deutlich verbessert – mit Sicherheit auch ein Verdienst des knurrigen Holländers auf der Schalker Trainerbank. Huub Stevens sorgte dafür, dass sein Team mit Ausnahme der 2:5-Heimniederlage gegen äußerst effektive Hoffenheimer keine Schießbude mehr darstellt, wie das teilweise unter Vorgänger Tedesco der Fall war. Die Probleme im Spiel nach vorne konnte auch ein erfahrener Mann wie Stevens in dieser kurzen Zeit (noch) nicht beheben. Unter seiner Leitung erzielten die Knappen in sieben von neun Partien nicht mehr als einen Treffer.

Dennoch: Seit dem mauen 0:0 im Heimspiel gegen den FC Augsburg und der damit verbundenen Sicherheit, auch im nächsten Jahr ein Erstligist zu sein, traten die Schalker zuletzt mutiger auf und konnten so beim Champions-League-Kandidaten Bayer Leverkusen ein 1:1 erringen. Ohne den letzten Druck spielt es sich aber natürlich auch deutlich leichter.

Stevens Rettungs-Mission erfolgreich

Der „Knurrer von Kerkrade“, wie Stevens aufgrund seiner strengen Art genannt wird, gilt als klassischer „Feuerwehrmann“ auf dem Posten des Cheftrainers. Nachdem der Holländer zuletzt den VfB Stuttgart und die TSG Hoffenheim vor dem Gang in Liga zwei bewahrte, hatte er auf Schalke nur eine Mission: Die Knappen in der Bundesliga zu halten – egal wie. Zusammen mit seinem Co-Trainer (Euro-Fighter Mike Büskens) hat Stevens den Auftrag Rettung in die Tat umgesetzt – nicht immer schön, aber dafür erfolgreich. Da der 65-Jährige gesundheitlich angeschlagen (Probleme am Herzen) und nicht der ideale Mann dafür ist, eine Mannschaft weiterzuentwickeln, wird sich der Holländer nach der Saison wieder ins zweite Glied zurückziehen.

Sein Nachfolger steht bereits fest: David Wagner. Der deutsch-US-Amerikaner trainierte zuletzt drei Jahre lang das englische Team von Huddersfield Town. Dies tat der ehemalige Junioren-Trainer der TSG Hoffenheim und des BVB trotz finanziell bescheidener Mittel so erfolgreich, dass Wagner den Verein 2017 gar in die Premier League führte. Im Januar dieses Jahres wurde der 47-Jährige im Norden Englands entlassen, da Huddersfield im Tabellenkeller angekommen war – am Ende stiegen die „Terriers“ auch ohne Wagner in die Zweitklassigkeit ab. David Wagner gilt als Trainer, der jungen Spielern großes Vertrauen schenkt und diese weiterentwickeln kann. Diese Fähigkeiten wünscht man sich beim FC Schalke, wo nun ein Neustart angestrebt wird. 

Eine charakterlose Truppe?

Rund zweieinhalb Jahre war der ehemalige Mainzer Manager Christian Heidel bei den Knappen aktiv. In dieser Zeit hat der 55-Jährige knapp 150 Millionen Euro für neue Spieler ausgegeben – darunter einige Flops. Selbst vor und während dieser Spielzeit wurde der Kader weiter teuer verstärkt: Allein für die vier Mittelfeldspieler Sebastian Rudy (vom FC Bayern), Omar Mascarell (von Real Madrid), Suat Serdar (aus Mainz) und Rabi Matondo (von Manchester City) wurden knapp 45 Millionen Euro ausgegeben. Dazu kommen Innenverteidiger Salif Sané (7 Mio./Hannover) und Linksverteidiger Hamza Mendyl (6 Mio./Lille).

Der Vorwurf lautet immer wieder, neben der Qualität habe man die Mentalität der Neuzugänge im Vorfeld zu wenig geprüft. An dieser fehlt es dem „Sauhaufen“ (Zitat 11FREUNDE) – so erklären sich auch die immer wiederkehrenden Skandale und Unruhen rund um die Schalker Profis. So schwänzten beispielsweise Mendyl und Mittelfeldmann Nabil Bentaleb in der jüngeren Vergangenheit Termine oder hielten sich nicht an interne Absprachen. Mit der Konsequenz, dass der mürrische Stevens durchgriff und die beiden zur U23 verdonnerte.

Für den neuen und auf dieser Position noch unerfahrenen Sportvorstand Jochen Schneider (kam von RB Leipzig) steht eine Menge Arbeit bevor. Bei zukünftigen Transfers möchten die Verantwortlichen wieder weniger auf große Namen und mehr auf die charakterlichen Qualitäten der Spieler setzen. Aktuell fahndet Schneider noch nach einem neuen Sportdirektor – dabei fällt immer wieder ein Name: Michael Reschke, der bis Mitte Februar noch Sportvorstand beim VfB Stuttgart war. Zu diesen Gedankengängen bei den Knappen passt, dass die Schwaben den Vertrag mit Reschke vor wenigen Tagen einvernehmlich aufgelöst haben. Es bleibt also spannend, wie sich die Schalker für die Zukunft neu aufstellen und mit welchen Kandidaten die aktuell noch vakanten Positionen besetzt werden.

Die Stärken und Schwächen

Bei einer solch schwachen Saison gewisse Stärken hervorzuheben fällt schwer. Die nackten Zahlen sprechen für sich – und zwar ganz klar gegen die Schalker, die in dieser Saison auch ihre bisherige Heimstärke eingebüßt haben: Von 16 Spielen in der Veltins-Arena konnten nur vier gewonnen werden. Und auch beim Blick auf einige andere Statistiken wird deutlich, wie schlecht die bisherige Saison der Knappen eigentlich ist. Allein die Tatsache, dass es der Mannschaft nur ein einziges Mal gelungen ist, einen Rückstand noch in einen Sieg umzuwandeln (und das ausgerechnet im Derby beim großen Rivalen aus Dortmund) spricht Bände über die Truppe, in der es an Führungsspielern zu mangeln scheint.

Einzig Kapitän Daniel Caligiuri und der junge Torhüter Alexander Nübel müssen von einer blamablen Saison freigesprochen werden und haben noch Kredit bei den treuen Schalker Fans, die in dieser Saison viel leiden mussten. Kein Stürmer, sondern Rechtsverteidiger Caligiuri war in dieser Saison mit sieben Treffern der gefährlichste Torschütze bei den Knappen, die in einem Drittel aller Spieler (12) überhaupt nicht ins Tor des Gegners trafen. Wenn die Schalker Offensiv-Bemühungen nur den Hauch von Gefahr versprühten, dann ausschließlich nach ruhenden Bällen – wenigstens bei Ecken und Strafstößen war das Team von Huub Stevens meist treffsicher und schlug eiskalt zu.

Genau diese Stärke nach Standards zeichnete die Schalker unter ihrem Ex-Trainer Domenico Tedesco aus und führte sie zur Vizemeisterschaft im vergangenen Jahr. Die Knappen scheinen zum Jahreswechsel ihre defensive Stabilität verloren zu haben und mussten einige empfindliche Niederlagen (0:4 zu Hause gegen Düsseldorf) einstecken.

Insgesamt konnten sogar nur sechs Spiele ohne Gegentreffer beendet werden. Diese Zahlen lesen sich wie aus einem Horrorfilm und machen Schalke umso gefährlicher für das Spiel am Samstag gegen den VfB Stuttgart. Den Knappen ist bewusst, dass sie die Saison mit einem überzeugenden Auftritt sowie drei Punkten gegen ebenfalls enttäuschende Stuttgarter zu einem zumindest versöhnlichen Abschluss bringen können und werden zumindest in diesen 90 Minuten noch einmal alles geben – wonach es in dieser Saison zu selten den Anschein machte. Dafür wird mit Sicherheit auch Huub Stevens bei seinem Abschied als Trainer sorgen.

Die Einschätzung von VfB-Trainer Nico Willig

Ein extrem fokussierter Stuttgarter Cheftrainer will über das Spiel auf Schalke in keinster Weise von einer „Urlaubsreise“ sprechen. „Wir wollen eine Leistung abrufen, die uns Selbstvertrauen gibt für das Finale Relegation“, sagte Willig. Es gehe nun auch darum, die positive Tendenz der letzten Wochen aufrechtzuerhalten und in eine gute Stimmung zu kommen.

Der junge Coach der Schwaben gibt aber auch zu, dass die Partie gegen die „Knappen“ dem Finale Relegation nur vorgeschaltet ist. „Unser voller Fokus liegt nun auf den Relegationsspielen. Diese zu erreichen war nur ein Zwischenschritt."
Auf dem Weg zum erfolgreichen Abschließen des „Projekts Klassenverbleib“ sei eines ganz wichtig: „Die Spieler dürfen ihren Rhythmus nicht verlieren. Sie brauchen aber auch die nötige Frische, um in der Relegation top in Form zu sein“, mahnte der 38-Jährige.

Das Spiel gegen die Mannschaft von Ex-VfB-Trainer Huub Stevens sei auch deshalb „keinesfalls unbedeutend“, da es darum gehe, bestimmte Inhalte weiterzuentwickeln, die auch in der Relegation wichtig werden könnten: „Auf Strecke werden Ballbesitz und Kontersicherung wichtige Themen für uns sein."


Die Bilanz aus VfB-Sicht

Gesamt: 95 Spiele, 42 Siege, 15 Unentschieden, 38 Niederlagen, 150:124 Tore

Heim: 48 Spiele, 30 Siege, 10 Unentschieden, 8 Niederlagen, 91:34 Tore

Auswärts: 47 Spiele, 12 Siege, 5 Unentschieden, 30 Niederlagen, 59:90 Tore

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