ZVW-Gegnercheck - Hannover 96 Eine total verkorkste Saison

Stuttgart.
Der VfB Stuttgart empfängt am Sonntag (15.30 Uhr /ZVW-Liveticker) Hannover 96 zum Abstiegskracher in der Mercedes-Benz-Arena. Für beide Teams gilt: „Verlieren verboten“. Sowohl beim aktuell Tabellen-16. als auch beim Vorletzten aus Hannover steht eine Menge auf dem Spiel. VfB-Trainer Markus Weinzierl muss auch in dieser Partie wieder um seinen Job bangen.

Wie die Saison der "96er" bis dato läuft, wer die wichtigsten Stützen in der Mannschaft sind und wo die Stärken und Schwächen von Hannover liegen, erfahren Sie in unserem ZVW-Gegnercheck.

Der bisherige Saisonverlauf

Die Parallelen zwischen dem VfB und Hannover 96 sind verblüffend. In den letzten Jahren bewegten sich beide Vereine nahezu im Gleichschritt. Vor drei Jahren mussten beide Clubs den bitteren Weg in die zweite Liga antreten, stiegen jedoch in der folgenden Saison direkt wieder auf. Nachdem sich sowohl 96 als auch die Stuttgarter in der letzten Spielzeit recht souverän dem Abstieg entziehen konnten, befinden sich beide nun im puren Existenzkampf. Im „schwierigen zweiten Jahr“ nach dem Aufstieg gilt es für den Rest der Saison einzig und allein, die Klasse zu halten.

Auch in Sachen Trainerwechsel haben beide Vereine etwas gemeinsam: der Posten musste sowohl am Neckar als auch am Maschsee bereits neu besetzt werden. Auf beiden Seiten ist der Effekt eines neuen Cheftrainers mehr oder weniger verpufft – die Wende konnten beide Vereine (noch) nicht einleiten. Das direkte Duell am Sonntagnachmittag wäre die ideale Gelegenheit, sich im Tabellenkeller etwas Luft zu verschaffen.

Die aktuelle Form

Der Pfeil beim von Präsident Martin Kind geführten Verein zeigte zuletzt deutlich nach unten, die Tendenz ist erschreckend. In den ersten sechs Rückrundenspielen hagelte es fünf Niederlagen. Einzig gegen den direkten Konkurrenten aus Nürnberg konnte man vor eigenem Publikum mit 2:0 gewinnen – dabei musste der Tabellenletzte aus Franken ganze 80 Minuten in Unterzahl auskommen.

Zu Beginn der Rückrunde durfte Andre Breitenreiter noch auf der Trainerbank Platz nehmen: Dabei hagelte es zwei Niederlagen gegen Bremen (0:1) und Dortmund (1:5) – Teams aus der oberen Tabellenhälfte. Im Anschluss kam es zum Trainerwechsel zu Thomas Doll. Doch auch diese Veränderung scheint Hannover nicht sonderlich weitergebracht zu haben. Unter dem neuen Coach verloren die „96er“ dreimal in Folge mit 0:3. Auch wenn die Gegner Leipzig, Hoffenheim und Frankfurt hießen - und damit ganz andere Ansprüche hegen – ist gerade die Harmlosigkeit in der Offensive nicht zu übersehen.

Hoffnungen in den Trainer

Der ehemalige Coach, Andre Breitenreiter, hatte Stallgeruch und den Verein zurück in die erste Liga geführt. Seine Arbeit trug Früchte: in der vergangenen Spielzeit mischte Hannover in der Hinrunde die Bundesliga so richtig auf – unter anderem mit einem Sieg gegen den BVB. Als es in der Rückrunde schlecht lief, reichte der Vorsprung dennoch für eine solide Saison, die über dem Strich beendet wurde. Eine Sieglos-Serie von acht Spielen ohne Dreier überstand aber auch der bei den Fans beliebte Aufstiegstrainer nicht.

Sein Nachfolger wurde Thomas Doll, der zuletzt in Budapest gute Arbeit geleistet hat und dort sogar Pokalsieger wurde. Für den Zeitpunkt des Trainerwechsels hagelte es heftige Kritik, ob der anstehenden schweren Spiele gegen Teams aus dem oberen Tabellendrittel. Bis dato gelang es Doll nicht, dem Team mehr Selbstvertrauen einzuhauchen. Das Spiel in Stuttgart könnte damit auch für den Trainer zu einem richtungsweisenden werden. Dem erfahrenen Doll könnte gerade wegen einer Statistik angst und bange werden: Sei 23 Auswärtsspielen sind die Niedersachsen ohne Auswärtssieg.

Niclas Füllkrugs Tore fehlen an allen Ecken und Enden

Bereits die Abgänge vor der Saison waren für Hannover 96 extrem schmerzhaft und konnten bis zum heutigen Tage nicht gleichwertig ersetzt werden. Gerade die Wechsel von Innenverteidiger Salif Sané (für sieben Millionen zum FC Schalke) sowie den beiden Offensiven Felix Klaus (VfL Wolfsburg) und Martin Harnik (Werder Bremen) konnten nicht kompensiert werden. Die drei spielten in der vergangenen Saison eine wichtige Rolle bei 96 und avancierten zu Leistungsträgern.

Zu diesen zählte auch Angreifer Niclas Füllkrug. Der 24-Jährige Stürmer galt lange Zeit als Hoffnungsträger bei Hannover 96 und stand sogar kurz vor einer Berufung in die Nationalmannschaft – bis er sich Ende vergangenen Jahres einen Knorpelschaden im Knie zuzog. Der gebürtige Hannoveraner wird in dieser Saison wohl nicht mehr für 96 auflaufen können. Wie wichtig Füllkrug war, zeigt seine Bilanz aus der letzten Saison: Mit 17 Torbeteiligungen in 34 Spielen sicherte er fast im Alleingang den Klassenerhalt. Seine Tore fehlen nun an allen Ecken und Enden, da keiner der übrigen Angreifer im Kader in der Lage ist, die entstandene Lücke auch nur annähernd zu schließen.

Da bei Präsident, Trainer und Sportdirektor im Winter Uneinigkeit darüber herrschte, wie viele Neuzugänge dem Team gut tun würden und wie viel diese kosten sollen, ist es Manager Horst Heldt am Ende nicht gelungen, den Kader qualitativ zu verstärken. Lediglich Verteidiger Kevin Akpoguma (aus Hoffenheim) und Nicolai Müller (aus Frankfurt) konnten ausgeliehen werden – allerdings ohne Kaufoption und ohne bisher wirklich gezündet zu haben.

Die Stärken und Schwächen

Bei einer derart verkorksten Saison, wie es Hannover bis dato erlebt, eine wirkliche Stärke auszumachen, ist vergleichbar mit der Suche nach einer Nadel im Heuhaufen. Auch Hannover profitiert – wie der Rest im Tabellenkeller – davon, dass die Konkurrenz dort unten regelmäßig Punkte liegen lässt. So ist Hannover trotz der grausamen Bilanz von 14 Punkten nach 23 Spielen noch nicht abgeschlagen und liegt gerade einmal zwei Punkte hinter dem VfB, der seinerseits den Relegationsrang belegt.

Der Mannschaft von Markus Weinzierl ist der Gast sogar in zwei Parametern überlegen – wenn auch minimal. Sowohl bei der Anzahl geschossener Tore (20) als auch bei der Anzahl an Gegentreffern (50) stehen die Niedersachsen jeweils ein Tor besser da als die Schwaben. Die Statistiken aus dieser Saison lesen sich für Hannover 96 aber wie das Drehbuch eines Horrorfilms. Mit lediglich drei Siegen haben die „96er“ vor Nürnberg (2) die wenigsten aller Bundesligisten auf dem Konto. Immerhin: Das Hinspiel in der heimischen HDI-Arena konnte Hannover mit 3:1 für sich entscheiden und sorgte damit für die Entlassung von Tayfun Korkut beim VfB.

Weitere Zahlen, die den Fans von Hannover 96 für den Rest der Saison nur wenig Hoffnung machen dürften, gibt es zur Genüge. Das Team von Thomas Doll hat nach Rückstand in dieser Spielzeit noch kein einziges Spiel gewinnen können und ist saisonübergreifend in neun Spielen torlos geblieben. Auch die Defensive präsentierte sich zuletzt alles andere als sattelfest. In den letzten Spielen lag es immer wieder an Torhüter Michael Esser, der mit einer Vielzahl zum Teil sensationeller Paraden deutlich höhere Niederlagen zu verhindern wusste.
Trotz der mauen Bilanz von bisher zwei Spielen ohne Gegentreffer war es häufig der Schlussmann, welcher als einziger Akteur auf dem Rasen Bundesliga-Tauglichkeit vorweisen konnte.

Die Einschätzung von VfB-Trainer Markus Weinzierl

"Auch bei den Hannoveranern sieht es mit dem Selbstvertrauen nicht so gut aus", erkannte auch VfB-Trainer Markus Weinzierl Parallelen zwischen beiden Mannschaften. Dennoch dürfe man nicht vergessen, dass Hannover 96 gerade nach vorne viel Qualität besitze: "In der Offensive tummeln sich schnelle und gestandene Bundesligaspieler", warnte er. Da beide Teams "nicht mit einem Punkt zufrieden" sein können, erwartet der Trainer des VfB am Sonntag einen mitspielenden Gegner.

"Wir spielen zu Hause und müssen dominanter auftreten als zuletzt in Bremen. Es reicht am Wochenende nicht, nur zu verteidigen", gibt Weinzierl die Marschroute vor. Bei allem Respekt, Hannover habe "nicht die Qualität wie Leipzig". "Mit der selben Leistung wie im letzten Heimspiel haben wir die Chance, zu gewinnnen", ist sich der Trainer sicher. Dass die kommende Partie "unheimlich wichtig" sei, könne jeder mit Blick auf die Tabelle lesen, so Weinzierl. "Das Spiel wird richtungsweisend sein und die Stimmung im Verein entscheidend beeinflussen."


Die Bilanz aus VfB-Sicht

Gesamt: 57 Spiele, 25 Siege, 12 Unentschieden, 20 Niederlagen, 95:83 Tore

Heim:  28 Spiele, 20 Siege, 2 Unentschieden, 6 Niederlagen, 62:31 Tore

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