ZVW Gegnercheck - TSG Hoffenheim Eine Saison mit Höhen und Tiefen

Kerem Demirbay (r) und Nico Schulz von der TSG 1899 Hoffenheim konnten diese Saison nur selten jubeln. Foto: Uwe Anspach/Archiv Foto: dpa
Stuttgart.

Trotz großem Kampf unterlag der VfB Stuttgart am letzten Spieltag einer überlegenen Borussia aus Dortmund unter dem Strich verdient mit 1:3. An diesem Samstag (15.30 Uhr/ZVW-Liveticker) ist mit der TSG Hoffenheim direkt das nächste Team mit Ambitionen auf das internationale Geschäft zu Gast in der Mercedes-Benz-Arena. Doch auch die Saison der Kraichgauer verläuft bis dato alles andere als zufriedenstellend.

Der bisherige Saisonverlauf

In der vergangenen Saison gelang der Mannschaft unter Trainer Julian Nagelsmann noch Historisches. Mit Platz drei erreichten die Hoffenheimer zum ersten Mal in ihrer noch jungen Vereinsgeschichte auf direktem Wege die Champions League – im Vorjahr war die TSG noch in der Qualifikation am späteren Finalteilnehmer FC Liverpool gescheitert. In der Königsklasse des europäischen Vereinsfußballs war sogleich nach der Gruppenphase wieder Schluss und auch die bisherige Bundesliga-Spielzeit gleicht einer Berg- und Talfahrt.

Seit dem achten Spieltag pendelt sich die TSG zwischen Platz sechs und neun ein – zu wenig, wenn man das neu gewonnene Anspruchsdenken im Kraichgau als Messlatte nimmt. Auf Tabellenplatz sechs beträgt der Rückstand aktuell fünf Punkte – soll es noch für die Europa League reichen, so muss die TSG in Stuttgart dringend punkten.

Die aktuelle Form

In den letzten fünf Spielen zeigte die Tendenz aber wieder ein Stück weit nach oben. Gegen die Kellerkinder aus Hannover (3:0) und Nürnberg (2:1) gab es Pflichtsiege und auch auswärts bei den Hochkarätern Dortmund (3:3) und Leipzig (1:1) konnten die Kraichgauer einen Punkt entführen. Einzig die Last-Minute-Niederlage beim direkten Konkurrenten Eintracht Frankfurt (2:3) trübt das Bild der letzten Wochen ein wenig. Dennoch: Die TSG scheint wieder auf dem Vormarsch zu sein.

Trainer-Rookie Julian Nagelsmann

Der 31-Jährige kam vor zwei Jahren wie Phönix aus der Asche. Im Februar 2016 folgte der noch völlig unbekannte Nachwuchstrainer aus der eigenen Jugend auf Cheftrainer Huub Stevens, der aufgrund von Herzproblemen aufhören musste. Der Landsberger übernahm eine verunsicherte Mannschaft auf dem vorletzten Tabellenplatz und führte die TSG letztendlich souverän zum Klassenerhalt. In den folgenden Spielzeiten machte sich der junge Coach mit der spielerischen Weiterentwicklung der Hoffenheimer einen Namen.

Heute gilt Nagelsmann als begehrtester Jung-Trainer der Bundesliga und wechselt zur kommenden Saison zu RB Leipzig. Die ambitionierten Sachsen machten bei dem Deal von einer Ausstiegsklausel Gebrauch, um den gefragten Taktiker zu sich zu lotsen.  

Als aktiver Spieler war der gebürtige Bayer unter anderem für den FC Augsburg und den TSV 1860 München aktiv, wo es aufgrund von Verletzungen aber nur für die zweite Mannschaft reichte. Bereits im Jahr 2007 musste Nagelsmann seine aktive Karriere im Alter von nur 20 Jahren beenden – ohne ein einziges Pflichtspiel bestritten zu haben. Nach einem Meniskus- und Knorpelschaden sowie den darauffolgenden Operationen war ihm die Gefahr einer Arthrose zu hoch.

Gut harmonierendes Sturmduo

Die Hoffenheimer stellen mit 49 geschossenen Toren die viertbeste Offensive der Bundesliga. Auch deshalb sind es gerade die offensiven Akteure im System der TSG, die besonders hervorstechen und formidable Leistungen bringen. Dem Brasilianer Joelinton scheint seine zweijährige Leihe nach Österreich zu Rapid Wien so gutgetan zu haben, dass der 22-Jährige nun auch in der Bundesliga regelmäßig trifft und zu einem der Leistungsträger im Kraichgau avanciert. Je sieben Tore und Vorlagen stehen bis dato zu Buche.
Zuletzt machte das Gerücht eines 60-Millionen-Angebots für den jungen Stürmer die Runde – abgegeben vom abstiegsbedrohten Premier-League-Club Newcastle United. Ein Zeichen, welchen Wert der Spieler in Zukunft für die Hoffenheimer noch haben könnte – sportlich wie finanziell.

Der Kroate Andrej Kramaric, der mit 27 Jahren im besten Fußballer-Alter ist, war vergangene Saison bereits einer der Leistungsträger im Team von Julian Nagelsmann und mitverantwortlich für die direkte Qualifikation zur Champions League. Seine Bilanz nach 34 Spieltagen: 13 Tore sowie acht Assists. Als Belohnung folgte die Nominierung in den WM-Kader seines Heimatlandes. Mit Stars wie Luka Modric oder dem Ex-Bundesligaspieler Ivan Perisic kam er am Ende als Vizeweltmeister aus Russland zurück.
Und auch in dieser Spielzeit knüpft Kramaric nahtlos an seine starke Vorsaison an - mit zwölf Treffern sowie zwei Vorlagen ist er vereinsintern an erster Stelle sowie unter den Top-Ten der Bundesliga zu finden.

Die Stärken und Schwächen

Die TSG Hoffenheim ist eine der offensivstärksten Mannschaften Deutschlands. Mit 433 Torschüssen rangieren die Kraichgauer in dieser Statistik ligaweit auf Rang zwei – einzig die Bayern suchen häufiger den Abschluss (437). Darin rührt gleichzeitig ein großes Problem der „Nagelsmänner“: Die Spieler brauchen im Schnitt neun Versuche für einen Treffer – zu viel.
Wobei in diesem Zusammenhang auch auf eine kuriose Bilanz hingewiesen werden muss. Das Top-Team aus Baden hat das Pech in dieser Spielzeit an den Kickstiefeln kleben und bereits 18 Mal Aluminium getroffen – mit Abstand Ligahöchstwert. Auch wenn man auf diesen im Kraichgau mit Sicherheit gerne verzichten würde.

Ein großes Problem der Hoffenheimer auf dem erneuten Weg zu den internationalen Plätzen ist die fehlende Konstanz. Der TSG gelingt es zu selten, mehrere Spiele in Folge für sich zu entscheiden. Alle drei potenziellen Ergebnisse wechseln sich in schöner Regelmäßigkeit ab, sodass die Kraichgauer zuletzt keine großen Schritte nach vorne machen konnten. Die aktuelle Spielzeit muss sich für die Fans der TSG ein Stück weit wie eine Achterbahnfahrt anfühlen – fragt sich nur, wo diese endet.

Eine mögliche Ursache für den Schlingerkurs könnte das große Verletzungspech sein. Zwischenzeitlich musste Trainer Julian Nagelsmann auf bis zu acht Stammkräfte verzichten – gerade in der Defensive drückte zuletzt häufiger der Schuh. Zumindest in dieser Richtung gibt es Parallelen zwischen dem VfB und den Hoffenheimern: Auch die Stuttgarter wurden in der Hinrunde von einer Vielzahl an Verletzungen gebeutelt. Aufgrund der Tatsache, dass die Kraichgauer solch personelle Engpässe augenscheinlich besser kompensieren konnten, ist die TSG Hoffenheim dem VfB Stuttgart mittlerweile enteilt – zumindest, was die Performance auf dem Platz angeht.

Die Einschätzung von VfB-Trainer Markus Weinzierl

Der VfB-Coach hat "riesigen Respekt" vor der TSG Hoffenheim. "Sie haben eine richtig starke Mannschaft und sind offensiv unglaublich gefährlich", sagte der 44-Jährige. Weinzierl sieht jedoch auch Schwächen bei der Elf von Julian Nagelsmann: "Defensiv sind sie anfällig. Dort müssen wir Fehler provozieren".

Bei den Stuttgartern fühlt man sich gut vorbereitet auf die Partie am Samstag. "Wir kennen die Hoffenheimer sehr gut und haben sie diese Saisin schon oft gesehen", sagte Weinzierl, der "ein spannendes Spiel" erwartet. Bei seiner eigenen Mannschaft hat der Straubinger zuletzt Fortschritte erkennen können: "Wir stehen hinten kompakter und lassen fast nichts mehr zu". Auf dieser Stabilität lasse sich aufbauen, um in den nächsten Spielen "mutiger agieren" zu können.

Einziges Manko bleibt der aktuell recht ungefährliche Angriff. "Offensiv müssen wir uns verbessern und mehr Chancen herausspielen", fordert Weinzierl von seinem Team. Mit einer ähnlichen "Energieleistung" wie zuletzt im Heimspiel gegen Hannover 96 (5:1) können man "die Fans mitnehmen" und hoffentlich an die guten Leistungen der letzten Wochen anknüpfen.

Die Bilanz aus VfB-Sicht

Gesamt: 19 Spiele, 8 Siege, 5 Unentschieden, 6 Niederlagen, 32:29 Tore

Heim: 9 Spiele, 5 Siege, 2 Unentschieden, 2 Niederlagen, 22:13 Tore

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