ZVW-Gegnercheck - VfL Osnabrück Wo der Aufsteiger seine Schwächen hat

Osnabrücks Trainer Daniel Thioune spricht bei einer Pressekonferenz. Foto: Friso Gentsch/dpa/Archivbild Foto: dpa

Osnabrück/Stuttgart.
Nach dem verdienten 3:1-Heimsieg gegen Dynamo Dresden am vergangenen Wochenende geht es für den drittplatzierten VfB Stuttgart am Samstag (13 Uhr/ZVW-Liveticker) zum Aufsteiger nach Osnabrück. Die Gastgeber warten unter Trainer Daniel Thioune in der Liga seit sieben Spielen auf einen Sieg und stehen aktuell auf dem 15. Tabellenplatz.

So verlief der Saisonstart

Mit fünf Punkten Vorsprung auf den Karlsruher SC wurde der VfL in der letzten Saison souverän Meister in Liga drei. Eine Etage höher verlief der Saisonstart für die Niedersachsen durchaus vielversprechend: Nach drei Siegen aus den ersten fünf Spielen stand die Mannschaft Ende August noch auf einem sensationellen vierten Platz. Danach folgte allerdings eine lange Durststrecke, wie es für einen Aufsteiger nicht unüblich ist. Nach einem 3:0-Heimsieg gegen Mit-Aufsteiger Karlsruhe holte der VfL in den folgenden sieben Spielen lediglich vier Punkte – die Bilanz eines Absteigers.

Ein Problem der Mannschaft von Daniel Thioune sind die vielen Unentschieden: In jedem der letzten drei Spiele musste man sich die Punkte mit dem Gegner teilen – so wie zuletzt beim spektakulären 3:3 in Regensburg. In einer extrem engen und ausgeglichenen zweiten Liga steht der Aufsteiger mit Platz 15 noch über dem Strich, allerdings beträgt der Vorsprung auf die direkten Abstiegsplätze lediglich drei Zähler. Ein Heimsieg im „Spiel des Jahres“ gegen den Liga-Krösus aus der Schwabenmetropole würde den Osnabrückern damit wahre Big Points im Kampf um den Klassenerhalt bescheren.

Coach Daniel Thioune ist mit dem VfL eng verwurzelt

Als langjähriger Spieler des Vereins ist Thioune seinem aktuellen Arbeitgeber emotional sehr verbunden. Seit 2014 arbeitet der 45-Jährige auf den unterschiedlichsten Positionen beim heutigen Zweitligisten: Zuerst als Nachwuchscoach, seit November 2017 als Trainer der Profis. Thioune, einziger schwarzer Übungsleiter im deutschen Profifußball, geht die triste Tabellensituation des VfL sehr nahe, dennoch verbreitet er stets Zuversicht.

So hat es der Sohn eines Senegalesen und einer Deutschen gelernt: Aufgrund seiner Hautfarbe sieht sich der frühere Zweitligaspieler (126 Spiele/24 Tore) bis heute immer wieder mit rassistischen Anfeindungen konfrontiert. Daher musste Thioune früh lernen, sich durchzuboxen, wie er jüngst in einem Interview mit dem Fußball-Magazin 11Freunde erzählte. Diese Mentalität, gegen alle Widerstände anzukämpfen und sich am Ende durchzusetzen, versucht er auch an seine Spieler weiterzugeben.

VfL nach Rückstand noch ohne Sieg

Mit der Prognose, Osnabrück wird in dieser Saison zu den Abstiegskandidaten gehören, haben sich die Wettanbieter nicht besonders weit aus dem Fenster gelehnt: Schließlich ist Osnabrück ein Aufsteiger, hat auf dem Papier einen der schwächsten Kader der Liga (Wert: 12,10 Millionen Euro, Quelle: transfermarkt.de) und einen in der zweiten Liga noch gänzlich unerfahrenen Coach. Das führt dazu, dass auch im Umfeld des Clubs niemand dazu neigt, in Panik zu verfallen. Nach einem kurzen Hoch zu Saisonbeginn findet sich die Mannschaft um Kapitän Marc Heider aktuell dort in der Tabelle wieder, wo sie sich selbst auch sieht: im unteren Drittel.

Dennoch ließ das Team von Daniel Thioune, dessen Spieler zum Großteil nur absoluten Kennern der zweiten Liga bekannt sein dürften, in einigen Spielen das vorhandene Potenzial aufblitzen: Besonders der souveräne 4:0-Heimsieg gegen Darmstadt 98, selbst ein sehr routiniertes Zweitliga-Team, ließ ligaweit aufhorchen. Insgesamt sind die Osnabrücker aber äußerst minimalistisch unterwegs: 13 eigene Treffer sind ein ziemlich schwacher Wert, lediglich zwölf Gegentore nach ebenso vielen Spielen zeugen wiederum von einer soliden Defensive.

Ein großes Manko des VfL scheint die fehlende Moral im Team zu sein: Nach einem Rückstand konnte die Thioune-Elf in dieser Saison noch nicht dreifach punkten. Die Devise für den VfB und Trainer Tim Walter dürfte also lauten: möglichst früh in Führung gehen.

Tim Walter über Osnabrück: „Sie bereichern die Liga“

Der Stuttgarter Trainer erwartet gegen die Niedersachsen ein ähnliches Spiel wie zuletzt gegen Dresden: „Wir sind jede Woche der Favorit, da bleibt die Herangehensweise gleich: Wir müssen dominant auftreten und geduldig zu Werke gehen.“ Das „Stadion an der Bremer Brücke“ ist bekannt für seine besondere Atmosphäre. Das weiß auch Tim Walter, der selbst noch nicht dort war, aus Erzählungen. „In einem solch kleinen Stadion werden die Emotionen besonders spürbar“, so der 44–Jährige.

In der aktuellen Tabellensituation kommt die anstehende Partie für die Osnabrücker einem „Friss-oder-stirb-Spiel“ gleich, in dem auch die Schwaben den nächsten Schritt machen können – sowohl spielerisch als auch im Ergebnis: „Wir wollen zusammen alles noch einen Tick besser machen“, sagte Perfektionist Walter im Vorfeld des Spiels, damit im ersten Aufeinandertreffen beider Teams am Ende ein Dreier für seine Mannschaft herausspringt.


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