Zwei Großbrände in acht Tagen Enorme Belastung für Einsatzkräfte rund um Schorndorf

Vom hinteren Teil des ehemaligen Löwenkellers ist nach dem Brand nur ein großer Schutthaufen übrig geblieben. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Schorndorf. Über dem Löwenkeller liegt noch ein strenger Lagerfeuergeruch, ansonsten ist es an der Brandstelle ruhig geworden. Bis 22.45 Uhr war die Feuerwehr am Dienstag im Einsatz. Bis dahin war auch die Göppinger Straße zwischen Kreisel und Schillerstraße für den Verkehr gesperrt. Doch auf die Feuerwehr, die gerade erst den Großbrand bei „Akku Power“ im Steinwasen aufgeschafft hat, wartet im Feuerwehrgerätehaus noch eine ganze Menge Arbeit.

Um 6.01 Uhr war Patrick Bellon am Dienstag – zwölf Minuten, nachdem der Alarm eingegangen war – mit fast 30 Feuerwehrkameraden und sechs Fahrzeugen als einer der Ersten am Einsatzort an der Göppinger Straße. Um halb eins in der Nacht ist er vom Feuerwehrgerätehaus nach Hause gegangen. Nach sechs Stunden Schlaf saß er am Mittwoch um 9 Uhr bereits wieder an seinem Schreibtisch in der Pressestelle des Schorndorfer Rathauses. Und auch wenn der Einsatz körperlich anstrengend war und sich die Aufräumarbeiten noch ein paar Tage hinziehen werden, „das gehört dazu“, sagt Bellon und relativiert die enorme Belastung, die von den Feuerwehrleuten – wohlgemerkt im Ehrenamt – geleistet wird: Zwei Großeinsätze innerhalb von acht Tagen „sind auch nicht alltäglich“.

Fast 17 Stunden im Lösch-Einsatz

Seit 2002 ist Bellon bei der Schorndorfer Feuerwehr, in der Jugendfeuerwehr hat er angefangen, mittlerweile ist er Pressesprecher der Schorndorfer Wehr. Und auch wenn er schon bei einigen größeren Einsätzen, wie den Wohnungsbränden im Rehhaldenweg dabei war, die beiden Großbrände der vergangenen Tage sind für ihn beispiellos: Fast 17 Stunden hat die Feuerwehr gebraucht, um den Brand im Löwenkeller zu löschen, mangels Brandschutztüren und -wänden sind die Flammen in den verschachtelten Räumen immer wieder entfacht. Für Bellon ist der Einsatz trotzdem „gut gelaufen“: Die im Lichtschacht eingeschlossenen Personen konnten schnell gerettet werden, Verletzte gab es unter den Einsatzkräften nicht. Bellon lobt die gute Zusammenarbeit mit der Polizei, dem DRK und dem THW, das in der Nacht noch zum Ausleuchten dazukam. Froh sind er und seine Feuerwehrkameraden auch über ihre Arbeitgeber: Wenn sie den Arbeitsplatz für einen Einsatz schnell verlassen müssen, „das ist auch eine Belastung“.

300 Atemluftflaschen und 100 Schläuche im Einsatz

Tatsächlich waren über den ganzen Tag fast 130 Feuerwehrleute aus den Abteilungen Stadt, Schornbach, Miedelsbach und Haubersbronn mit 19 Fahrzeugen im Einsatz. Mit einer zweiten Drehleiter und einem Löschfahrzeug war die Feuerwehr Weinstadt dabei. Die Fellbacher kamen mit ihrem Atemschutz-Gerätewagen nach Schorndorf und aus Backnang war ein ABC-Erkunder in der Stadt unterwegs. In den Abendstunden waren außerdem Atemschutzträger aus Buhlbronn im Einsatz.

Abgesehen von der Einsatzleitung wurden die Kräfte über den ganzen Tag immer wieder ausgetauscht: So hat sich ihre Zahl auf fast 150 summiert, die der Fahrzeuge auf 26. Und auch der Materialverbrauch dieses Großeinsatzes ist beeindruckend: 300 Atemluftflaschen wurden gebraucht und insgesamt 100 Schläuche.

Arbeit ging im Feuerwehrgerätehaus weiter

In der Nacht noch, nachdem das Feuer gegen 22.45 Uhr endlich gelöscht war, kein Rauch mehr zu sehen war und auch die Wärmebildkamera nichts Auffälliges mehr zeigte, als klar war, dass auch niemand zur Brandwache dableiben musste, ging die Arbeit im Feuerwehrgerätehaus noch bis halb eins weiter: Um für alle Fälle gerüstet zu sein, müssen auch nach einem solchen Großeinsatz die Fahrzeuge wieder einsatzbereit gemacht werden. Die Flaschen an den Atemschutzgeräten und die Schläuche wurden ausgetauscht. In den kommenden Tagen, kündigt Bellon an, werden dann die eingesetzten Schläuche in der Schlauchwerkstatt geprüft, geflickt, gewaschen und im Schlauchturm zum Trocknen aufgehängt.

Die Polizei hat die Ermittlungen zur Brandursache aufgenommen

Am Löwenkeller, wo aus bislang ungeklärter Ursache ein Feuer vom Untergeschoss bis ins Dach wütete, hat der Brand deutliche Spuren hinterlassen. Um besser an die Glutnester im Keller, in den Zwischendecken und Verschalungen zu kommen, mussten im Lauf des Dienstags drei Viertel des hinteren Gebäudeteils abgerissen werden.

Und auch wenn die Arbeit der Feuerwehr vor Ort abgeschlossen ist, der Qualm hat dunkle Rußränder an Fenstern und Türen hinterlassen, über der Brandstelle liegt ein strenger Lagerfeuergeruch. Die Polizei, die mit zehn Streifenbesatzungen ebenfalls viele Stunden vor Ort war, hat ihre Ermittlungen zur Brandursache aufgenommen, wird Zeugen vernehmen und mit der Kriminaltechnik in der Ruine auf Spurensuche gehen. Hinweise auf Brandlegung von außen, so der aktuelle Stand, gibt es nicht.


Brandgeruch

Wer sich am Dienstag auch nur für kurze Zeit nahe der Brandstelle an der Göppinger Straße aufhielt, hatte ihn an sich: den beißenden Geruch in den Kleidern, den Haaren, ja am ganzen Körper. Wie muss es da erst den Feuerwehrleuten gehen, die mitten im dicken Qualm standen und dort auch noch stundenlang im Einsatz waren. Da hilft nur „mehrfach duschen“, erklärt Patrick Bellon, Pressesprecher der Schorndorfer Wehr, die Strategie.

Und auch die Schutzkleidung muss gewaschen werden: Für kleinere Einsätze gibt es im Feuerwehrgerätehaus eine spezielle Waschmaschine, nach Großeinsätzen, wie vergangene Woche im Steinwasen oder am Dienstag im Löwenkeller, werden die Anzüge aber in eine Wäscherei gebracht. Im Feuerwehrgerätehaus, erklärt Bellon, passen immer nur zwei Garnituren gleichzeitig in die Maschine.

Unerlässlich waren beim Großbrand im Löwenkeller für die Einsatzkräfte auch Atemluftflaschen. Feuerwehrleuten, die im Innenangriff im dichtesten Qualm eingesetzt waren, reicht die Luft aus den Flaschen im Schnitt 15 bis 20 Minuten, weiß Bellon, „je nachdem, wie schwer die Arbeit ist“. Beim Einsatz auf der Drehleiter braucht’s alle halbe Stunde eine neue Sauerstoffflasche.

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