Zwei Monate vor Eröffnung Urbacher Gemeinderat lehnt Gartenschauprojekt ab

Hier wird während der Gartenschau kein Kunstwerk stehen. Wie der Platz genutzt wird, ist nach wie vor offen. Foto: ZVW/Mathias Ellwanger

Urbach. Vor drei Wochen hatte die Idee noch eine Mehrheit gefunden. Jetzt hat der Gemeinderat eine Rolle rückwärts gemacht: Die geplante Holzscheitspirale auf dem Hirsch-Areal wird doch nicht kommen. Zu aufwendig und wegen der Sicherheitsmaßnahmen auch nicht besonders schön wäre das Kunstwerk aus Sicht der Räte geworden.

Die Idee hatte zweifellos Charme: Warum nicht die Bürger fragen, wie das Gelände, auf dem bis Dezember noch unter anderem der ehemalige „Hirsch“ stand, während der Remstal-Gartenschau genutzt werden soll? Und sie kam an: 23 Entwürfe sind bis Mitte Januar bei der Verwaltung eingegangen, zwei standen letztlich in der engeren Auswahl. Durchgesetzt hat sich dann die Idee einer „gigantischen Holzscheitspirale“ als Blickfang. Eine Mehrheit der Gemeinderäte hatte der Planung in der Sitzung Ende Februar auch zugestimmt. Bauamts-Mitarbeiter Ruben Sommer wurde damit beauftragt, detaillierte Entwürfe vorzulegen.

Vier Entwürfe zur Auswahl, keiner wird umgesetzt

Diese hat Sommer nun am Dienstagabend dem Gremium präsentiert. Vier standen dabei zur Auswahl, die Verwaltung hatte eine an das Gartenschaulogo angelehnte Unendlichkeits-Spirale bevorzugt. In diesem Entwurf war die Erstellung der Schleife mit ein Meter langen Holzscheiten vorgesehen – sowie zwei Umzäunungen mit 1,20 Meter hohen Staketenzäunen. „Das Kunstwerk kann und soll nicht betreten werden“, sagte Sommer. Vorgesehen sei aber ein Aufenthaltsbereich mit Bänken. Die dafür benötigten 69 Kubikmeter Scheitholz würde die Gemeinde erwerben und nach der Gartenschau wieder verkaufen oder für einen guten Zweck versteigern.

Doch dazu wird es nun nicht kommen. Denn die Stimmung hatte sich im Gemeinderat in der Zwischenzeit gedreht. Lediglich Grünen-Rat Burkhard Nagel sprach sich noch für die Umsetzung des Projekts aus, wenn auch in einer kleineren Variante.

Boule-Spielen auf dem Hirsch-Areal?

Bei allen anderen Fraktionen stieß das Kunstwerk auf Ablehnung. Detlef Holzwarth (CDU) bekannte, dass sich seine Fraktion nach drei Wochen und vielen Bürgergesprächen diese Skulptur mit der Einzäunung so nicht mehr vorstellen könne. (CDU-Rat Joachim Bertsche, der das Projekt vor drei Wochen noch begeistert kommentierte, war bei der Sitzung krankheitsbedingt entschuldigt.) „Wir möchten den Platz erlebbar machen und nutzbar“, sagte Holzwarth. Er plädierte deshalb für den Vorschlag von Bernd Brosig, dort einen Platz zum Boule-Spielen mit Bänken zu erstellen. Bürgermeisterin Martina Fehrlen verwies in diesem Zusammenhang auf den geplanten Pavillon in der Urbacher Mitte II, wo es eine solche Möglichkeit künftig bereits geben werde.

Jud: „Lieber ein Ende mit Schrecken als Schrecken ohne Ende“

„Wir haben uns ganz weit entfernt von der ursprünglichen Bürgeridee“, kritisierte Ursula Jud (Freie Wähler). Vor allem mit der geplanten Einzäunung, die sie als zu massiv empfand, könne sie sich nicht anfreunden. Die Holzscheitspirale werde ihre Fraktion deshalb nicht mehr unterstützen. Denn das Projekt habe sich als zunehmend schwierig erwiesen – und „lieber ein Ende mit Schrecken als Schrecken ohne Ende“. Leid tue ihr angesichts dessen all die Arbeit, die Ruben Sommer - letztlich umsonst - in die verschiedenen Entwürfe für die Holzscheitspirale gesteckt habe.

Auch Siegrun Burkhardt (SPD) kritisierte die massive Wirkung des Zauns. „Mehr als die Hälfte des Kunstwerks verschwindet dahinter.“ Was jetzt als Entwurf vorliege, sei aus ihrer Sicht ein Notnagel, um überhaupt noch etwas bis zur Gartenschau zu haben. „Wir möchten das Projekt so nicht.“

Gemeinderat Nagel (Grüne), der erkannte, dass er mit seiner Zustimmung für das Projekt wohl keine Mehrheit findet, meinte schließlich: „Wenn es nichts wird, dann heißt es eben: Urbacher, holt euch Urbach zurück.“ Mit ein paar Bänken könnte der Platz schnell und einfach belebt werden.

Noch keine Lösung für Nutzung des Platzes

Bürgermeisterin Martina Fehrlen änderte angesichts der mehrheitlichen Ablehnung des Projekts schließlich den Beschlussvorschlag: Statt der Holzscheitspirale will die Verwaltung jetzt einfache Varianten für die Nutzung des Platzes vorlegen. Bei zwei Enthaltungen wurde dies vom Gemeinderat dann auch so verabschiedet.

Bis zur nächsten Sitzung in zwei Wochen hat die Verwaltung jetzt Zeit, um sich zu überlegen, wie der Platz im Gartenschau-Jahr sinnvoll genutzt werden kann.

Nicht unerwähnt bleiben sollte, dass Wolfgang Drewes (Freie Wähler) Sommers Einsatz abschließend ausdrücklich lobte: „Trotzdem danke für die gute Arbeit, Ruben!“ Woraufhin die Gemeinderäte zustimmend auf ihre Tische klopften.


Das Hirsch-Areal

Die Geschichte des Hirsch-Areals (Hauptstraße 20 und 22) lässt sich bis an den Anfang des 18. Jahrhunderts zurückverfolgen. Das ehemalige Gasthaus „Hirsch“ wurde laut einer bauhistorischen Untersuchung um das Jahr 1775 errichtet. Die Gemeinde hat das Gebäude 2012 erworben.

Zeitweise wurde die ehemalige Gaststätte als Flüchtlingsunterkunft genutzt. Im Dezember 2018 sind beide Gebäude abgerissen worden.

Was an ihrer Stelle künftig entstehen soll, hat die Gemeinde noch nicht entschieden.

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