Zwei Standardtore in Nürnberg Der „Altintop-Effekt“ bringt dem VfB den Sieg

Die VfB-Profis durften nach dem Spiel mit ihren Fans feiern. Über 10.000 Anhänger brüllten ihre Mannschaft in Nürnberg zum Sieg. Foto: Büttner / ZVW

Nürnberg.
Nach knapp 50 Minuten wurde es VfB-Trainer Markus Weinzierl trotz kühler 10 Grad im Nürnberger Max-Morlock-Stadion zu heiß. Der 43-Jährige zog seine dicke Daunenjacke aus und tigerte unruhig in seiner Coachingzone auf und ab. Mal peitschte er seine Mannschaft wild gestikulierend nach vorne, dann wieder lieferte er sich lautstarke Wortgefechte mit dem vierten Offiziellen oder dem Linienrichter. Mit seiner Energie trieb der Stuttgarter Cheftrainer seine elf Mannen auf dem Rasen an - und schlussendlich zu ihrem ersten Sieg seit Ende September und dem ersten Dreier unter seiner Regie.

Wie der VfB zu seinem 2:0-Sieg in Nürnberg kam, zeigen wir in unserer ZVW-Analyse:

Startelf und Formation

Marc Oliver Kempf feierte im Frankenland sein Startelfdebüt für den VfB Stuttgart. Der 23-jährige Innenverteidiger ersetzte Holger Badstuber, der wegen Wadenproblemen in Stuttgart geblieben war. Zudem kehrte Andreas Beck in die erste Elf zurück.

Der Routinier verteidigte hinten rechts, der junge Pablo Maffeo rückte dafür ins Mittelfeld. Für Beck musste Erik Thommy zunächst auf der Ersatzbank Platz nehmen, wo zum ersten Mal in dieser Saison der 17-jährige Antonios Aidonis aus der VfB-Jugend saß.

Gegen seinen Ex-Verein kehrte auch Daniel Didavi in den Stuttgarter Kader zurück. Der Mittelfeldspieler hatte wegen hartnäckigen Achillessehnenproblemen die letzten drei Spiele verpasst und unter der Woche nur individuell trainieren können.

Spielidee und Taktik

Nach zuletzt elf Gegentoren in drei Spielen galt beim VfB in Nürnberg das Motto „Saftey first“. Das Stuttgarter 4-1-4-1-System mit Mario Gomez als einziger Spitze und dem ballsicheren Dennis Aogo auf der Sechs war vorrangig auf Sicherheit und Spielkontrolle ausgelegt, was gegen den Club auch gut funktionierte.

Die neuformierte VfB-Viererkette mit Startelf-Debütant Kempf auf der Linksverteidigerposition, Routinier Andreas Beck auf rechts und dem Innenverteidigerduo Baumgartl/Pavard strahlte gegen eine weitestgehend harmlose FCN-Offensive viel Ruhe aus.

Die Schwaben ließen Ball und Gegner laufen und in der Offensive sorgten die schnellen Außen Maffeo (rechts) und Gonzalez (links) immer wieder für Unruhe. 

Spielentscheider

In den bisherigen zehn Bundesligaspielen war dem VfB kein Treffer nach einer Standardsituation gelungen. In Nürnberg schlugen die Schwaben dafür gleich doppelt zu. Sowohl dem Treffer von Timo Baumgartl (68.) als auch dem Traumtor von Erik Thommy (82.) war eine Ecke von Dennis Aogo vorausgegangen.

Erst am Dienstag hatte Markus Weinzierl mit dem Ex-Profi Halil Altintop einen weiteren Individualtrainer in sein Trainerteam geholt, der sich vorläufig bis Weihnachten explizit um die Stuttgarter Standards kümmern soll. 

Dass die Arbeit des ehemaligen türkischen Nationalspielers so schnell fruchtet, hätten sich die VfB-Fans allerdings nicht träumen lassen. „Das war heute der Altintop-Effekt“, schmunzelte Keeper Ron-Robert Zieler nach dem Spiel in der Mixed-Zone und auch Kapitän Christian Gentner pflichtete seinem Torhüter bei: „Das lass ich einfach mal so stehen.“

Doch den ersten Stuttgarter Sieg unter Trainer Markus Weinzierl auf die beiden Standardtore zu reduzieren, greift zu kurz. Im ausverkauften Max-Morlock-Stadion zeigten die Schwaben gegen einen schwachen Gegner über 90 Minuten eine konzentrierte und engagierte Leistung.

Durch ein sicheres Passspiel (73 Prozent angekommene Zuspiele), eine ordentliche Zweikampfquote (56 Prozent) und die richtige Einstellung (117,31 Kilometer Laufleistung) holte sich die Weinzierl-Elf nach und nach ihr längst verloren geglaubtes Selbstvertrauen zurück und letztlich völlig verdient drei wichtige Zähler im Abstiegskampf.

Stimmen zum Spiel

VfB-Trainer Markus Weinzierl: „Wir sind sehr erleichtert, weil wir einen wichtigen Sieg geholt haben. Es war auch ein verdienter Sieg. Man hat gemerkt, dass wir nicht vor Selbstvertrauen strotzen. Aber wir haben uns in das Spiel reingekämpft und gewusst, dass wir unsere Chancen bekommen werden. Aus der defensiven Stabilität sind wir ins Spiel gekommen. Der Befreiungsschlag freut mich sehr für die Mannschaft. Wir dürfen uns heute freuen, aber wir haben noch lange nichts erreicht. Es wird noch ein langer Weg.“

FCN-Coach Michael Köllner: „Gratulation an den VfB zu einem verdienten Sieg. Der VfB hat gut gespielt und die Räume gut verdichtet. Wir waren schlecht positioniert und haben nicht den entscheidenden Punch entwickeln können. Nach der Pause sind wir besser ins Spiel gekommen. Wir haben aber insgesamt zu viele Standards zugelassen. Bei den Gegentoren haben wir den Rückraum schlecht verteidigt. Es war eine verdiente Niederlage, über die wir alle sehr enttäuscht sind.“

VfB-Keeper Ron-Robert Zieler: „Es ist eine große Erleichterung. Genau so ein Ergebnis haben wir gebraucht. Wenn man sieht, dass auch die anderen Mannschaften gepunktet haben, war unser Dreier heute enorm wichtig. Kompliment an die Mannschaft. Wir haben alles gegeben, gut verteidigt und dann fällt vorne eben auch einmal einer rein. Dieser Moment hat uns unheimlich gut getan und ich hoffe, dass wir den in die nächsten Wochen mitnehmen können. Es war ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. So ein Spiel wie heute muss nicht immer Spaß machen. Das muss man einfach nur gewinnen.“

VfB-Kapitän Christian Gentner: „Es war wichtig, dass wir mit dem Sieg den Abstand nicht zu groß werden lassen. Nach den Ergebnissen in den letzten Wochen war der Druck vor dem Spiel sehr groß. Leistungs- und ergebnistechnisch haben wir in den letzten drei Wochen nicht zu unrecht auf die Fresse bekommen. Wir haben zuletzt elf Gegentore kassiert. Da mussten wir ansetzen und das war heute ein Hauptaugenmerk. Wichtig war auch, dass wir die Anfangsphase überstanden haben. Ich hatte sogar den Eindruck, dass wir das Spiel auf unsere Seite ziehen können. Die frühen Gegentore gegen Dortmund und Frankfurt waren Gift. Heute hatten wir viel positive Energie und Willen auf dem Platz.“

VfB-Innenverteidiger Timo Baumgartl: „Mein Treffer war nur ein Schritt in die richtige Richtung.  Ich konnte es selber nicht fassen, dass der Ball reingegangen ist. Heute haben wir unseren Plan durchgezogen und die Konter der Nürnberger gut unterbunden. Es gibt zwar noch viel zu verbessern, aber zunächst einmal sind wir stolz, dass wir die drei Punkte geholt haben. Die waren heute überlebenswichtig.“

VfB-Mittelfeldspieler Erik Thommy: „In der Rückrunde gegen Hannover habe ich ein ganz ähnliches Tor erzielt. Weil auch die Konkurrenz gepunktet hat, war es wichtig, dass wir gewonnen haben. Wir müssen jetzt Woche für Woche unsere Punkte holen und uns dann Schritt für Schritt da unten raus arbeiten. In den letzten Wochen hatten wir drei sehr spielstarke Gegner. Heute haben wir kaum Chancen zugelassen und unsere Gelegenheiten eiskalt genutzt.“

Ausblick 12. Spieltag

Freitag, 23. November

  • Bayer Leverkusen - VfB Stuttgart; 20.30 Uhr

Samstag, 24. November

  • Bayern München - Fortuna Düsseldorf; 15.30 Uhr
  • Hertha BSC - 1899 Hoffenheim; 15.30 Uhr
  • FC Augsburg - Eintracht Frankfurt; 15.30 Uhr
  • FSV Mainz 05 - Borussia Dortmund; 15.30 Uhr
  • VfL Wolfsburg - RB Leipzig; 15.30 Uhr
  • FC Schalke 04 - 1. FC Nürnberg; 18.30 Uhr

Sonntag, 25. November

  • SC Freiburg - Werder Bremen; 15.30 Uhr
  • Bor. Mönchengladbach - Hannover 96; 18.00 Uhr
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