«Historischer Moment»

Israelische Kampfflugzeuge in Deutschland

Israelische Kampfflugzeuge in Nörvenich
Ein israelischer F-16 Bomber landet auf dem Fliegerhorst Nörvenich im Kreis Düren, beobachtet von mehreren Männern mit Kameras, die an einem Maisfeld stehen. Foto: Roberto Pfeil/dpa © Roberto Pfeil

Berlin/Nörvenich (dpa) - Für Luftkampfübungen und ein gemeinsames Gedenken sind erstmals Kampfflugzeuge der israelischen Luftstreitkräfte in Deutschland gelandet.

Die Maschinen trafen am Montag auf dem Fliegerhorst Nörvenich in Nordrhein-Westfalen ein, wie die Luftwaffe mitteilte. «Die sechs F-16 Flieger nehmen in den nächsten zwei Wochen an den Übungen BlueWings2020 und MAGDAYs teil», schrieb die Teilstreitkraft der Bundeswehr auf Twitter.

Die Maschinen und ihre Besatzungen sind auch zu einem symbolträchtigen Erinnern verlegt worden. Zum Gedenken an das Olympiaattentat von 1972 soll eine deutsch-israelische Formation am Dienstag zunächst den bayerischen Fliegerhorst Fürstenfeldbruck überfliegen. Dort war im Jahr 1972 nach dem Attentat arabischer Terroristen auf die israelische Olympiamannschaft ein schlecht geplanter Befreiungsversuch der deutschen Polizei mit dem Tod von neun der Geiseln katastrophal gescheitert - Anlass für die Gründung der Spezialeinheit GSG 9.

«Der Rückflug führt am Stadtrand von Dachau vorbei. Im Anschluss legt die deutsch-israelische Delegation in der dortigen KZ-Gedenkstätte einen Kranz nieder und gedenkt der Opfer des Holocausts sowie der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft», hatte die Luftwaffe in der vergangenen Woche erklärt.

Die Einladung war vom Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Ingo Gerhartz, bei seinen letzten Besuchen in Israel ausgesprochen worden. Deutsche Militärpiloten waren schon in den Jahren 2017 und 2019 zu Übungen in Israel. «Nach dem Menschheitsverbrechen der Shoa ist es ein bewegendes Zeichen unserer heutigen Freundschaft, dass wir erstmals in unserer Geschichte Seite an Seite mit der Israelischen Luftwaffe fliegen», hatte Gerhartz im Vorfeld des israelischen Besuchs erklärt. «Das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte ist uns heute Auftrag, Antisemitismus mit aller Konsequenz zu bekämpfen.»

Militärisch werden die Gäste in der ersten Woche vor allem mit den deutschen Verhältnissen vertraut gemacht. In Israel kontrolliert das Militär selbst den Luftraum, in Deutschland ist eine zivile Flugsicherung zuständig, auch wenn Teile des «Himmels über Deutschland» in den nächsten Tagen den Übungen vorbehalten sind. Zudem: Deutschland ist dicht besiedelt und wird eng getaktet überflogen. In der zweiten Wochen kommen die Ungarn mit dazu, um multinational Luft-Luft-Übungen - mal sind die Piloten Angreifer, mal Verteidiger - zu fliegen.

Der außenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jürgen Hardt erklärte am Montag: «Für die CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag ist die erste deutsch-israelische Militärübung auf dem Staatsgebiet der Bundesrepublik Deutschland ein Zeichen der tiefen Freundschaft und Verbundenheit zwischen unseren Ländern.» Israel sei Deutschlands einziger demokratischer Sicherheitspartner im Nahen Osten.

Als einen «historischen Moment» bezeichnete das Verteidigungsministerium die Anreise der Israelis am Montag. Militärexperten wiesen auf die in den vergangenen Jahren enger gewordene militärische Zusammenarbeit mit Israel hin. So beschafft Deutschland dort die neue Drohne Heron TP und lässt auch die Bedienungsmannschaften in Israel schulen.

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