VfB Stuttgart

Jung und wild: Wie das Stuttgarter Bundesliga-Comeback zur Lehrstunde wurde

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Roland Sallai (r) macht das Tor zum 0:2
Roland Sallai (r) macht das Tor zum 0:2. Foto: Tom Weller/dpa © Tom Weller
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VfB Stuttgart - SC Freiburg
Stuttgarts Philipp Klement war nach der Niederlage gegen Freiburg gleich doppelt bedient. Foto: Tom Weller/dpa © Tom Weller

Die lobenden Worte von Christian Streich bekamen die enttäuschten Profis des VfB Stuttgart gar nicht mehr mit. „Der VfB wird einigen Gegnern noch richtig Probleme bereiten. Davon bin ich überzeugt“, prophezeite der Trainer des SC Freiburg während der Pressekonferenz nach dem intensiven, und am Ende unglücklichen 2:3 (0:2) des VfB gegen den badischen Rivalen am Samstag. Statt Punkten blieb auch Stuttgarts Trainer Pellegrino Matarazzo nur das „Kompliment“ des Kollegen - das allerdings war hochverdient.

„Wir haben Lehrgeld gezahlt hat“

Der VfB sah nach dem 0:3-Rückstand im Baden-Württemberg-Duell am ersten Spieltag der Fußball-Bundesliga schon wie der sichere Verlierer aus. Doch der schwäbische Aufsteiger bekam die zweite Luft und verpasste in einer dramatischen Schlussphase nur knapp noch ein Remis.

„Wir haben Lehrgeld gezahlt hat“, sagte Kapitän Gonzalo Castro. Die 7123 Zuschauer (erlaubt waren 8000) sahen allerdings auch, dass lange das einstige Club-Motto „Jung und wild“ nicht mehr so gut zu einer Stuttgarter Mannschaft gepasst hat wie an diesem spätsommerlichen Nachmittag. In der Schlussphase habe sein Team gezeigt, „was wir können“, wie Coach Matarazzo betonte.

Zwischenzeitliche drohte ein Desaster

Nicht nur der 42-Jährige erlebte eine dramatische Premiere als Cheftrainer in der Bundesliga, auch vier der Spieler aus seiner im Schnitt gerade mal 24,5 Jahre alten Startelf debütierten im Oberhaus. Und drohten zwischenzeitlich von abgezockten und effizienten Freiburgern abgeschossen zu werden.

Nils Petersen (8. Minute) per Kopf, Roland Sallai (26.) per Abstauber und Vincenzo Grifo (47.) nach einer herrlichen Kombination trafen für die Gäste. Die Standards, die den ersten beiden Gegentoren vorausgingen, habe sein Team „naiv verteidigt“, monierte Matarazzo. Auch das dritte «war zu billig». Insgesamt sah er aber „ein gutes Spiel“ des VfB.

Der durchaus Chancen hatte. Auch schon vor dem 0:3. Sie - ähnlich wie in der Aufstiegssaison - aber zu leichtfertig verschleuderte. „Die Spiele werden im Sechzehner gewonnen“, sagte Matarazzo. Und genau da agierten seine jungen Schützlinge sowohl vorne als auch hinten lange zu wild. So reichte es trotz großer Moral nur noch zu den Anschlusstreffern von Sasa Kalajdzic (71.) und Silas Wamangituka (81.).

Dass der VfB bei einem Handspiel von SC-Verteidiger Philipp Lienhart (75.) keinen Elfmeter bekam, wollte Sportdirektor Sven Mislintat nicht zu hoch hängen. Er wünsche sich für die weitere Saison aber „eine einheitliche Linie“ bei derlei Situationen. „Wenn es zum Glücksspiel avanciert, habe ich ein Problem damit.“

Sportdirektor Mislintat sieht den VfB gut gerüstet

Kein Problem hatte Mislintat mit den Pfiffen, die nach dem 0:3 von den Rängen hallten. Während Verteidiger Marc Oliver Kempf sich in dieser Phase gewünscht hätte, dass die Fans „uns lieber mehr nach vorne pushen“, verwies der Sportchef auf den Applaus nach Abpfiff: „Da habe ich nur Anerkennung gesehen für das, was wir versucht haben.“

Auch, wenn es letztlich unbelohnt blieb. Eine Lehrstunde für die kommenden Aufgaben des Bundesliga-Rückkehrers, den Mislintat personell gut gerüstet sieht und - wenn überhaupt - wohl nur nach möglichen Abgängen nochmal verstärken will, war es alle mal.

Wie reagiert die organisierte Fanszene auf die Teilöffnung der Arena?

  • Zum ersten Bundesliga-Auftritt des VfB nach dem Wiederaufstieg waren statt der erlaubten 8.000 nur 7.123 Zuschauer in die Mercedes-Benz-Arena gekommen.
  • Zur Halbzeitpause - beim Spielstand von 0:2 - gab es bereits erste Pfiffe, was Abwehrspieler Marc Oliver Kempf ärgerte: „Es ist schade, dass man im ersten Spiel Pfiffe hört, obwohl alle wissen, dass es dieses Jahr nur gegen den Abstieg geht.“
  • War die organisierte Fanszene des VfB überhaupt in der Arena? Die Fanclubs und Gruppen der Cannstatter Kurve veröffentlichten dazu bereits vor dem Spiel ein Statement: „Einen Schritt zurück Richtung Normalität sehen wir nicht. Die „Normalität“ des Profifußballs steht sowieso in der Kritik wie niemals zuvor. DFB und DFL täten gut daran, hier endlich proaktiv an Lösungen zu arbeiten und nicht nur wie gewohnt auf Zeit zu spielen. Einige von uns tauschen sicherlich gerne bereitwillig den Fernsehsessel gegen eine Sitzschale, mehr geben die zahlreichen Beschränkungen allerdings auch nicht her. Eine Art Notbetrieb für das positive Gefühl aller Beteiligten lehnen wir ab. Organisierten Support, Fahnen und Zaunfahnen wird es in der aktuellen Situation nicht geben.