VfB Stuttgart

Junge Wilde erwischen einen mäßigen Saisonstart

Spitzenspiel in der U-19-Bundesliga zwischen dem VfB und Mainz_3
Ein nachdenklicher Nico Willig. Der Saisonstart seiner U19 verläuft holprig. © ZVW/Danny Galm

Stuttgart.
Die Jugendmannschaften des VfB Stuttgart galten lange Zeit als das Maß der Dinge im deutschen Profifußball - sowohl in der A-(10 Titel) als auch in der B-Jugend (7) sind die Schwaben nach wie vor Rekordmeister. Die große Entwicklung und Durchlässigkeit zu den Profis fehlte zuletzt jedoch und so war Timo Baumgartl (mittlerweile PSV Eindhoven) der letzte Spieler, der 2015 den Sprung in die Profimannschaft des Zweitligisten geschafft hat.

Unter dem neuen NLZ-Leiter Thomas Krücken, der aus Mainz kam, sollen die Jugendteams des VfB wieder in erfolgreichere Regionen vordringen. Dabei gehe es vor allem um "die Entwicklung der einzelnen Spieler", wie die Verantwortlichen immer wieder betonen. Dazu hat die zweite Mannschaft des VfB in dieser Spielzeit ein großes Ziel vor Augen: Zurück aus der Oberliga in die Regionalliga. "Das wäre sehr wichtig für uns als Verein", sagte Hitzlsperger im Juli.

In diesem Überblick erfahren Sie, wie die U21, U19 und U17 in die neue Saison gestartet sind:

U21: Nach dem bitteren, aber folgerichtigen Abstieg der zweiten Mannschaft aus der Regionalliga, hat sich das Gesicht der Stuttgarter U21 vor der Saison stark verändert. Sechs externen Neuzugängen sowie sechs aus der eigenen A-Jugend aufgerückten Spielern stehen elf Abgänge gegenüber. Und auch auf der Trainerposition kam es zu einem Wechsel. Nach der etwas unrühmlichen Trennung von VfB-Urgestein Andreas Hinkel übernahm Paco Vaz, der zuvor die Stuttgarter Kickers sowie unter Nico Willig die Profis des VfB betreute.
Die Reserve der Schwaben ist mit einer extrem jungen und sportlich interessanten Mannschaft in die neue Oberliga-Saison gestartet: Das Team um Routinier Marc Stein (34) und Kapitän Lukas Kiefer (26) ist im Durchschnitt gerade einmal 22 Jahre alt. Von den vielen Neuzugängen ist nur Stürmer Marcel Sökler wirklich erfahren. Der 28-Jährige kam als Torschützenkönig der vergangenen Oberliga-Saison ablösefrei von der SGV Freiberg - mit der Empfehlung von 32 Toren in 33 Spielen.

Die fehlende Erfahrung merkt man der jungen Mannschaft zu Beginn der neuen Saison noch an. Die Stuttgarter, technisch super ausgebildet, fahren als großer Favorit zu ihren Spielen und treffen häufig auf eine hitzige Atmosphäre. So auch am vergangenen Mittwoch im Nachholspiel beim SSV Reutlingen, wo die Elf von Paco Vaz trotz knapp 80 Prozent Ballbesitz nicht über ein 1:1-Unentschieden hinauskam. "Meine Mannschaft muss lernen, auch auswärts die Tore zu machen."
So lapidar sich das Fazit des Stuttgarter Coachs anhört, so viel Warheit steckt dahinter, denn: Während sich seine Spieler vor heimischer Kulisse im Robert-Schlienz-Stadion äußerst treffsicher zeigen, fehlen bei Spielen in der Fremde häufig die letzte Durchschlagskraft und Kaltschnäuzigkeit. Die junge Truppe befindet sich noch in der Entwicklung und muss in bestimmten Situationen cleverer agieren - was allerdings Teil des angeschobenen Lernprozesses ist.

Auch wenn das Trainerteam noch einiges an Arbeit vor sich hat, um das erklärte Saisonziel (direkter Wiederaufstieg) zu erreichen, kann der Saisonstart dennoch als ordentlich bezeichnet werden. Mit 14 Punkten nach acht Spielen steht man auf Platz vier in der Oberliga Baden-Württemberg und damit auf Tuchfühlung zum Tabellenführer aus Göppingen und dem großen Rivalen, den Stuttgarter Kickers. Dazu stellen die Amateure des VfB die beste Offensive der Liga: Zu den 25 Treffern steuerte allein Mittelfeldspieler David Tomic (21) sechs Treffer bei. Mit Jan Kliment, ehemaliger Torschützenkönig der U21-EM sowie Neuzugang Sökler stehen zwei weitere Stürmer immerhin bei vier Saisontoren.

Einzig die schwere Verletzung von Innenverteidiger Luca Mack (19, Bruch des Außenknöchels im Sprunggelenk) sowie die schwache Auswärtsbilanz trüben die Stimmung am Cannstatter Wasen in Bezug auf die eigene U21. An diesem Samstag (15.30 Uhr) wollen die Schwaben im Heimspiel gegen die Neckarsulmer Sportunion ihre Torgefahr wieder unter Beweis stellen, um in der Tabelle näher an das Spitzenduo heranzurücken - im Moment beträgt der Abstand lediglich zwei Punkte.

U19: Die A-Jugend des VfB Stuttgart erlebte im vergangenen Jahr eine extrem erfolgreiche Saison. Unter Chefcoach Nico Willig und Co-Trainer Daniel Teufel wurde das Double nur knapp verpasst. Während das Pokalfinale gegen RB Leipzig mit 2:1 gewonnen werden konnte, gab es im Finale um die bundesweite Meisterschaft eine bittere 3:5-Niederlage gegen Borussia Dortmund - und das nach einer Drei-Tore-Führung für den VfB.
Da zahlreiche Youngster als Belohnung für das Erreichte zur eigenen U21 aufrücken durften (u.a. Sebastian Hornung, Eric Hottmann und Nick Bätzner) und es Top-Torjäger Leon Dajaku zum FC Bayern zog, hatte die junge Mannschaft in der Sommerpause einen deutlichen Qualitätsverlust zu verzeichnen.

Zusammen mit den zahlreichen, neuen Gesichtern steckt das Team um Kapitän und Mittelfeldstratege Per Lockl momentan noch in der Findungsphase. Neben den externen Neuzugängen Benedikt Hollerbach (vom FC Bayern) und Benjika Caciel (vom SSV Ulm) sind einige Spieler aus der B-Jugend der Schwaben ins Team von Nico Willig gerückt. Darunter auch Jordan Meyer, der vor wenigen Wochen mit der Fritz-Walter-Medaille in Silber ausgezeichnet wurde und im vergangenen Jahr Denker und Lenker im Mittelfeld der U17 war. Auch Leonhard Münst oder David Hummel zählten in der letzten Spielzeit zu den Leistungsträgern in der B-Jugend des VfB - zu Saisonbeginn tun sich die Spieler eine Altersklasse höher aber noch schwer.

Dementsprechend holprig verlief der Saisonstart des Teams, bei dem Coach Willig in seinen Kabinenansprachen während der Halbzeit bereits das ein oder andere Mal etwas lauter werden musste. Auch wenn die Stuttgarter mit 14 Punkten nach sieben Spielen auf einem guten dritten Platz stehen, waren die Leistungen bislang wenig überzeugend. Und so gab es am gestrigen Freitagabend eine deutliche sowie verdiente 1:4-Heimniederlage gegen die U19 des FC Bayern.
Die Offensive präsentierte sich angesichts der bisher erzielten 15 Saisontore überraschend harmlos und auch in der Defensive passte wenig. Einzig Torhüter Florian Schock sowie dem Pfosten des Stuttgarter Tores war es zu verdanken, dass die Schwaben nicht noch deutlicher unterlagen.

Auch wenn nicht jeder Jahrgang diese Qualität mitbringen kann, wie sie sich in der vergangenen Saison in der A-Jugend des VfB geradezu getummelt hat, muss einem trotz des gestrigen Auftrittes nicht angst und bange um die U19 des VfB Stuttgart werden. Denn in der Tabelle der Bundesliga-Südstaffel ist alles noch sehr eng beisammen: Der Zweitplatzierte aus Mainz ist aktuell punktgleich mit den Schwaben und auch die Bayern konnten sich durch ihren Erfolg nicht von der Willig-Elf absetzen. Auf ein ähnlich erfolgreiches Jahr wie zuletzt müssen die VfB-Fans aber wohl wieder ein bisschen warten - ganz einfach deshalb, weil ein solcher Erfolg nicht alltäglich ist.

U17: Trainer Murat Isik teilt das Schicksal vieler Jugendtrainer im deutschen Profifußball. Der 44-Jährige arbeitet seit einem Jahr mit der B-Jugend des VfB und bildet dort immer wieder hochtalentierte Spieler aus. Zu Beginn der neuen Saison verliert er diese an den höheren Jahrgang und muss mit dem Spielermaterial weiterarbeiten, das von unten nachkommt. Bereits in der vergangenen Spielzeit war das Team des gebürtigen Kirchheimers nicht besonders erfolgreich gewesen.
Mit Platz sechs war die Mannschaft von einer erhofften Meisterschaft weit entfernt und konnte lediglich in einzelnen Spielen auf sich aufmerksam machen - darunter beim überraschenden Heimerfolg gegen den späteren Staffelmeister aus München.

Und auch den Beginn in die Saison 19/20 hatte man sich am Neckar anders vorgestellt. Die Jungs von Murat Isik kommen nicht so recht in die Erfolgsspur - im Offensivspiel stottert der Motor, die eigene Abwehr präsentiert sich noch nicht sattelfestr. Zuletzt gab es ein mageres 1:1-Unentschieden beim Aufsteiger aus Fürth, sodass nach 13 Punkten aus sieben Spielen ein 5. Platz zu Buche steht. Die Mannschaft scheint sich auf fremden Plätzen sogar wohler zu fühlen als auf der heimischen Anlage in Cannstatt: Während die Isik-Elf auswärts noch ungeschlagen ist, konnte zu Hause erst ein Spiel gewonnen werden.

An diesem Wochenende bietet sich für die U17 die nächste Gelegenheit, die eigene Heimbilanz aufzubessern und endlich Fahrt aufzunehmen für den weiteren Saisonverlauf. Am Sonntagmittag (14 Uhr) ist mit der Frankfurter Eintracht der Tabellennachbar zu Gast am VfB-Clubzentrum.