Zum Tod von Prinz Philip

«König des Fauxpas» und treue Stütze der Queen

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Queen-Ehemann Prinz Philip ist tot
Der britische Prinz Philip in der St. George's Chapel im Schloss Windsor. Foto: Alastair Grant/AP Pool/AP/dpa © Alastair Grant
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Queen-Ehemann Prinz Philip ist tot
Prinz Philip, Herzog von Edinburgh. Der Ehemann der britischen Königin Elizabeth II. ist im Alter von 99 Jahren gestorben. Foto: dpa © dpa

London/Windsor(dpa) - Prinz Philip beendete Videotelefonate, indem er einfach den Laptop zuklappte.

Die kleine Anekdote, die sein Enkel Prinz Harry kürzlich erzählte, fasst den Charakter des am Freitag im Alter von 99 Jahren gestorbenen britischen Prinzgemahls wohl gut zusammen. Stets zuverlässig begleitete er Queen Elizabeth II. (94) bei ihren zeremoniellen Aufgaben - an reinen Höflichkeitsfloskeln aber war er nicht interessiert und verstieß auch immer mal wieder gegen Konventionen. Das brachte ihm große Sympathien ein. Philip galt als ehrlich und geradeheraus. Eine hervorragende Ergänzung zu der oft steif wirkenden Queen.

Doch mit seinen manchmal taktlosen Witzen und seiner Eigensinnigkeit wirkte Philip zunehmend aus der Zeit gefallen. «Bewerft ihr euch immer noch gegenseitig mit Speeren?», fragte er einen Ureinwohner bei einer Australien-Reise. Und von einem schottischen Fahrlehrer wollte er wissen: «Wie schaffen Sie es, die Eingeborenen lange genug vom Alkohol fernzuhalten, damit sie die Prüfung schaffen?»

Im Jahr 2019 war er in einen Autounfall verwickelt. Sein Landrover war nahe des königlichen Landsitzes Sandringham mit einem anderen Auto zusammengestoßen und überschlug sich. Der damals schon 97-jährige Philip kletterte unverletzt aus dem Auto. Zwei Frauen in dem anderen Fahrzeug wurden leicht verletzt, ein neun Monate altes Baby kam ebenfalls mit dem Schrecken davon. Vieles sprach dafür, dass Philip den Unfall verursacht hatte. Doch seinen Führerschein gab er erst ab, als er Tage später ohne Sicherheitsgurt am Steuer fotografiert wurde und sich die öffentliche Meinung gegen ihn zu wenden drohte.

Dennoch war der Herzog (Duke) von Edinburgh, so der offizielle Titel, weit mehr als der «König des Fauxpas», als den ihn die Medien mitunter sehen wollten. Erst mit 96 Jahren wollte es der Prinzgemahl ruhiger angehen lassen und ging mehr oder weniger in Rente. Noch im hohen Alter absolvierte er oft mehr offizielle Termine als seine Enkel Harry und William. Er war lange Schirmherr von Hunderten Organisationen, insgesamt hatte er mehr als 22.000 Einzelauftritte und hielt etwa 5500 Reden.

Zuletzt wurde es stiller um Philip. Im Frühling 2021 verbrachte er auch wegen Herzproblemen Wochen in einer Klinik. Das Land drückte ihm die Daumen, Kinder brachten selbstgemalte Bilder zum Eingangstor. Nach einer Operation und einem Monat im Krankenhaus kehrte Philip auf Schloss Windsor zurück. Dort verbrachte er mit der Queen zusammen auch die Monate der Corona-Pandemie, möglichst abgeschottet und nur mit einer kleinen Zahl von Hofleuten.

Mehr als ein Dreivierteljahrhundert war er Elizabeth verbunden. Bereits 2009 war Philip zum amtsältesten Ehepartner eines britischen Monarchen der Geschichte avanciert. «Seit 1947 führt er nur das Leben, das er führt, weil er die Frau geheiratet hat, die er geheiratet hat», schrieb sein Biograf Gyles Brandreth.

Philip hatte es trotz seiner adeligen Herkunft keineswegs einfach gehabt. Der Spross des Hauses Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg, der am 10. Juni 1921 auf der griechischen Insel Korfu zur Welt kam, wurde von vielen Briten nicht als einer der ihren wahrgenommen. Das, obwohl er im Zweiten Weltkrieg im Dienst der Royal Navy gegen Deutschland gekämpft hatte.

Doch in seinem Stammbaum wimmelt es von Deutschen, seine vier älteren Schwestern heirateten Deutsche, er besuchte ein Jahr lang die Eliteschule Salem am Bodensee und sprach gut Deutsch. Während der Schulzeit verbrachte er seine Urlaube gern in Darmstadt oder in Wolfsgarten bei Frankfurt. Aber Kindheit und Jugend waren unglücklich. Sein Vater musste mit der Familie aus Griechenland ins Exil nach Paris. Bald kümmerte sich sein Vater kaum noch um die Familie. Die Mutter kam in die Psychiatrie und ging später ins Kloster.

Jahrelang sah Philip die Eltern so gut wie nicht. Eine Schwester starb 1937 bei einem Flugzeugunglück. Dass ihm konstante Bezugspersonen fehlten, prägte ihn Biografen zufolge nachhaltig - er habe sich in ein fast schon übersteigertes Pflichtgefühl geflüchtet.

Als 18-Jähriger begann der Prinz, mit der damals 13-jährigen Elizabeth Briefe auszutauschen. Es sei Liebe auf den ersten Blick gewesen, sagte die Queen später, die ebenfalls für ihr Pflichtbewusstsein bekannt ist. Seit der Hochzeit mit der künftigen Königin und noch mehr seit ihrer Krönung am 2. Juni 1953 war Philip in erster Linie «Mann von». Kein leichter Job für jemanden, der als selbstbewusst und abenteuerlustig beschrieben wurde.

Der frühere Prinz von Griechenland - er musste den Titel ablegen - durfte seinen Familiennamen nicht vererben. «Philip schäumte vor Wut», schreibt dazu Brandreth. «Ich bin nur eine verdammte Amöbe», habe der Gemahl der Königin geschimpft.

Im Jahr der Krönung gab Prinz Philip seine aktive Karriere bei der Marine auf und lernte dafür das Fliegen, das zur Leidenschaft wurde. Zudem beschäftigte er sich mit Polo, Segeln und Pferdekutschenrennen.

Außerdem malte er und sammelte Cartoons. Bei Umbauten auf royalen Anwesen plante und arbeitete er selbst gern mit: Einen Teich am Schloss Balmoral in Schottland baggerte er eigenhändig aus. Die Förderung der Wissenschaft gehörte zu seinen besonderen Interessen, 35 Jahre lang war er Kanzler der Elite-Uni Cambridge.

Philip lebte jahrzehntelang an der Seite einer äußerst disziplinierten Frau, die ihn «meine Stärke und meinen Halt in all den Jahren» nannte. Bücher wie «Das geheime Leben der Windsors» und die Boulevardpresse wollten von allerhand Affären des Charmeurs wissen - bestätigt wurde das aber nie.

Sorgen bereitete zuletzt Enkel Harry: Der hatte sich mit seiner Frau Herzogin Meghan aus dem engeren Kreis der Königsfamilie zurückgezogen und seinen Lebensmittelpunkt nach Kalifornien verlegt. Groß war die Aufregung, als Harry und Meghan in einem Interview mit US-Starmoderatorin Oprah Winfrey von rassistischen Bemerkungen im Palast sprachen. Schnell war Philip unter Verdacht. Doch Harry nahm ihn und die Queen in Schutz. Keiner der beiden sei es gewesen, ließ er ausrichten.

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