VfB Stuttgart

KfW-Kredit, Kurzarbeit, Verluste: Wie der VfB mit den Folgen der Corona-Krise kämpft

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Jedes Heimspiel ohne Zuschauer in der Mercedes-Benz-Arena bedeutet für den VfB einen Umsatzverlust von rund zwei Millionen Euro. © Danny Galm

„Ihr fehlt“, sagt Thomas Hitzlsperger mit ernstem Blick in die Kamera. Egal ob im Stadion oder bei einer Mitgliederversammlung. Der Vorstandsvorsitzende des VfB Stuttgart hat sich am Mittwoch (25.11.) gemeinsam mit Präsident Claus Vogt in einer Videobotschaft an die Mitglieder des Vereins gewandt. Dabei sprachen die beiden VfB-Bosse über die schwerwiegenden Folgen der Corona-Krise und wie sie den Club durch diese stürmischen Zeiten führen wollen.

Wie ist die finanzielle Lage der AG?

Die Pandemie hat auch den Traditionsverein aus Bad Cannstatt fest im Griff. Aber Vorstandschef Hitzlsperger betont: „Corona hält uns auf Trab, aber Corona hält uns nicht auf.“

Alleine die entfallenen Einnahmen bei den Heimspielen in der Mercedes-Benz-Arena reißen ein großes Loch in die Bilanz der VfB-AG. „Jedes Heimspiel ohne Fans auf den Rängen bedeutet einen Umsatzverlust von rund zwei Millionen Euro“, sagt Hitzlsperger. Für die laufende Saison 2020/21 rechnet der VfB mit einem Minus in „mittlerer, zweistelliger Millionenhöhe“.

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VfB-Vorstandschef Thomas Hitzlsperger. © ZVW/Benjamin Büttner

Um die finanziellen Folgen der Krise abzumildern, wurde der Spieler-Etat im Vergleich zum Kader der letzten Bundesliga-Saison 2018/19 um etwa zehn Prozent gesenkt, zudem wurde das Transferbudget stark eingegrenzt.

Weiter wird die Kurzarbeit für zahlreiche Mitarbeiter mindestens bis Saisonende ausgeweitet. Ob die Maßnahmen helfen werden, ist noch ungewiss. Hitzlsperger sagt klipp und klar: „Wenn sich die wirtschaftliche Situation über einen längeren Zeitraum nicht bessert, werden wir um drastische Maßnahmen nicht herumkommen.“

Wie ist die finanzielle Lage des e.V.?

Auch den eingetragenen Verein (e.V.), dem Claus Vogt als Präsident vorsteht, werden die Auswirkungen der Corona-Krise hart treffen. Umso schwerer fällt es ins Gewicht, dass der e.V. für das Jahr 2019 einen Fehlbetrag in Höhe von 892.000 Euro angehäuft hat. Zum Vergleich: Im Vorjahr erwirtschaftete der Verein noch einen Überschuss in Höhe von 707.000 Euro.

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Ist seit Dezember 2019 Präsident des VfB Stuttgart: Der Unternehmer und VfB-Fan Claus Vogt. © ZVW/Benjamin Büttner

Vor allem die zwei Mitgliederversammlungen und die daraus entstandenen Rechtskosten verhageln die Bilanz: 4,4 Millionen Euro hat der e.V. im vergangenen Jahr ausgegeben, 1,4 Millionen Euro mehr als im Vorjahr.

Gerade deshalb wolle man versuchen, die finanziellen Ansprüche gegen den damaligen Technik-Dienstleister auch trotz dessen Insolvenz rechtlich durchzusetzen. Die Mitgliederversammlung vor knapp eineinhalb Jahren war wegen technischer Probleme abgebrochen worden. Die Mitglieder hatten sich nicht in das WLAN des Stadions einloggen und daher nicht an den vorgesehenen Abstimmungen teilnehmen können.

Auch für dieses Jahr kündigt Vogt den Mitgliedern wirtschaftliche Rückschläge an: „Die Herausforderungen für den e.V. werden nicht kleiner. Die Auswirkungen der Pandemie werden spürbar sein und bleiben.“

Wie steht es um den KfW-Kredit?

Bereits im Frühjahr hat der Vereinen einen Antrag bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gestellt. Bewilligt wurden der Kredit in Höhe von zehn bis 15 Millionen Euro allerdings noch nicht.

Die öffentliche Diskussion rund um das Thema Staatshilfen für Profifußballvereine akzeptiert Hitzlsperger, und dennoch steht er zur Entscheidung: „Wir waren vor der Corona-Krise ein kerngesundes Unternehmen - und sind massiv von den Auswirkungen betroffen.“

Was tut sich rund um die Daten-Affäre?

„Wir sind ein gutes Stück vorangekommen“, sagt Claus Vogt mit Blick auf die Aufarbeitung der Affäre um die mutmaßliche Weitergabe von Mitgliederdaten. Leitende Mitarbeiter sollen in der jüngeren Vergangenheit laut eines Kicker-Berichts massenhaft Mitgliederdaten an Dritte weitergeleitet haben.

Die Berliner Firma Esecon betreibt in diesem Zusammenhang seit Anfang Oktober Nachforschungen. Die Fragen des Landesdatenschutzbeauftragten, der nach Bekanntwerden des Skandals ein Auskunftsverfahren gegen den VfB eingeleitet hatte, habe man fristgerecht beantwortet, so Vogt.

Wie steht es um den zweiten Investor?

Die Suche nach einem zweiten Investor, der neben Ankerinvestor Daimler Anteile der VfB-AG erwirbt, läuft seit mittlerweile rund drei Jahren. Und ein Ende ist noch nicht in Sicht.

„Derzeit gibt es in diesem Bereich aufgrund der coronabedingten wirtschaftlichen Situation keine wesentlich neuen Entwicklungen“, sagt Claus Vogt, „das heißt wir sind nach wie vor in Gesprächen auch bezüglich einer eventuellen Mittelstandsbeteiligung.“

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