Meinung

Kommentar zu Motorradlärm: Selbstkritik eines Motorradfahrers

Auspuff eines Motorrads
Symbolbild. © Pixabay

Wir sitzen an der Eisdiele am Freudenstädter Marktplatz. Ein Pulk Motorräder nach dem anderen fährt vorüber. Entnervt packen wir Helm, Jacke, Handschuhe und Tasche ein und flüchten in eine ruhigere Ecke der Schwarzwaldmetropole.

Auch die kurvigen Sträßchen im Schwäbischen Wald sind immer wieder ein Genuss. Den Ebnisee gilt es an sonnigen Wochenenden jedoch ebenso zu meiden wie die Löwensteiner Platte hinter Spiegelberg. Selbst für Motorradfahrer sind die Massen Gleichgesinnter keine Freude mehr. Vor allem, wenn ihre Motorräder nicht schnurren und säuseln, blubbern und brubbeln, sondern die Motoren ohrenbetäubend krachen und kreischen, fauchen und brüllen.

Gesetzliche Vorgaben laden zum Lärmen ein

Warum? Weil’s so manchen Bikern offenbar Spaß bereitet, anderen auf die Nerven zu gehen – und sich selbst mit Oropax gegen den Krach ihrer Maschine (und die Windgeräusche des Helms) schützen. Motorräder belästigen ihre Umwelt aber auch, weil es schlicht erlaubt ist. Absurd? Ja. Die gesetzlichen Vorgaben, wie viel Lärm ein Motorrad machen darf, sind lächerlich. Sie entsprechen nicht der Praxis und laden zum Lärmen ein. Mit amtlichem Brief und Siegel.

Die aktuelle Initiative des Bundesrates richtet sich zuvörderst gegen Motorradlärm. Biker fühlen sich deshalb zu Unrecht an den Pranger gestellt. Sie verweisen auf Fahrer von „sportlichen“ Autos, die auf öffentlichen Straßen gern Motodrom-Feeling verbreiten. Auf Knopfdruck. Dies übrigens nicht nur an sonnigen Wochenenden wie Motorräder, sondern dank Dach über dem Kopf und Heizung das ganze Jahr über.

Motorradfahrer müssen sich an die eigene Nase fassen

Der Einwand ist berechtigt. Doch ein Argument, nichts gegen den Krawall aus den eigenen Reihen zu unternehmen, ist er nicht. Als Motorradfahrer mehr Rücksicht auf die Umwelt zu nehmen, ist das Eine – und das Mindeste.

Eine Überlegung wert ist auch, sich als Motorradfahrer nicht nur heimlich über die anderen Krawallmacher auf zwei Rädern zu ärgern, sondern ihnen ganz offen die Meinung zu sagen. Das Andere ist, dass die gesetzlichen Schlupflöcher dicht gemacht werden. Die Hersteller müssen gezwungen werden, leise Motorräder auf den Markt zu bringen. Im Interesse des eigenen wunderschönen Hobbys – und der Mitmenschen.