Meinung

Kommentar zum Weltfahrradtag: Die Chance für eine klimafreundliche Verkehrswende jetzt nutzen

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Symbolfoto. © Gaby Schneider

An einem Tag wie diesem sind Sonntagsreden selbst an Mittwochen möglich. Der dritte Weltfahrradtag am 3. Juni ist so eine Gelegenheit, sich als Freund umweltfreundlicher Mobilität zu zeigen, das hohe Lied auf das Fahrrad zu singen und am Donnerstag in der Verkehrspolitik weiterzumachen wie eh und je.

Die Corona-Pandemie hat dem Verkehrsmittel Fahrrad jedoch eine Chance eröffnet, wie sie vor wenigen Monaten unmöglich schien und die genutzt werden muss. Das Rad ist der Krisengewinnler schlechthin.

Corona hat unser aller Leben umgekrempelt - und entschleunigt. Die Hektik ist aus unserem Leben gewichen. Egal ob Arbeit oder Freizeit: Statt von A nach B und von B nach C zu hetzen und von einem Termin zum nächsten zu jagen, gab es plötzlich kein B und kein C mehr. Dringende Termine waren über Nacht nicht mehr wichtig und aus dem Kalender getilgt.

Keine überfüllten Busse und Bahnen mehr, keine Staus und kein zähfließender Verkehr. Pendler mieden wegen der Virengefahr die öffentlichen Verkehrsmittel und stiegen aufs Rad. Statt wie gewohnt mit dem Auto zur Arbeit zu fahren, stand Home-Office auf dem Programm und das Auto blieb in der Garage. Und welche Überraschung: Auf vielen der täglich zurückgelegten Strecken entpuppte sich das Radeln als gar nicht mal so viel langsamer als das Auto oder Busse und Bahnen. Stattdessen frische Luft und ein wenig entspannende Bewegung vor und nach der Arbeit. Und mit elektrischem Rückenwind auf dem Pedelec sowieso.

Viele Großstädte haben ihre leer gefegten Autostraßen bereits in aller Eile für den Radverkehr umgewidmet. Neudeutsch Pop-up-Radwege genannt. Und hoffentlich bleibt’s bei denen, selbst wenn die Autofahrer eines Tages merken sollten, dass ihnen Straßenraum weggenommen wird.

"Der radikale Rückgang der Mobilität wird nicht von Dauer sein"

Eins ist gewiss: Der radikale Rückgang bei der Mobilität wird nicht von Dauer sein. Schon jetzt werden Busse und Bahnen voller, bilden sich wieder erste Staus auf den üblichen Pendlerstrecken. Der Verkehr nimmt zu. Vielleicht nicht mehr in dem Maß wie vor der Pandemie.

Wenn eine klimafreundliche Verkehrswende nicht bloß eine Phrase in den Sonntagsreden zum Weltfahrradtag bleiben soll, dann müssen jetzt die Weichen gestellt werden. Das heißt vor allem, Fußgängern und Radlern mehr Platz zu gewähren - auch auf Kosten des Individualverkehrs. Ein gutes Angebot an Radwegen wird die Nachfrage über kurz oder lang nach sich ziehen.

Weit schwieriger und komplexer ist es jedoch, an die Ursachen der ausufernden Mobilität in der Region Stuttgart zu gehen. Unsere täglichen Wege haben sich in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr verlängert. Unsere Arbeit und unser Wohnen liegen oft Stunden auseinander. Ein Grund für dieses Pendlerelend sind zum Beispiel die hohen Mieten und Immobilienpreise in und um die Landeshauptstadt herum.

Das Fahrrad ist also nur ein kleiner Baustein in einer klimafreundlichen Politik insgesamt. Jedoch einer, der nicht nur am Weltfahrradtag stärker ins Rollen kommen sollte.

An einem Tag wie diesem sind Sonntagsreden selbst an Mittwochen möglich. Der dritte Weltfahrradtag am 3. Juni ist so eine Gelegenheit, sich als Freund umweltfreundlicher Mobilität zu zeigen, das hohe Lied auf das Fahrrad zu singen und am Donnerstag in der Verkehrspolitik weiterzumachen wie eh und je.

Die Corona-Pandemie hat dem Verkehrsmittel Fahrrad jedoch eine Chance eröffnet, wie sie vor wenigen Monaten unmöglich schien und die genutzt werden muss. Das Rad ist der Krisengewinnler

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