Meinung

Kommentar zur Antifa-Demo in Schorndorf: Wirt taugt nicht als Ersatzfeind

Antifa-Demo vor den Remstal-Stuben
Die Antifa hat erneut vor den Remstal-Stuben demonstriert und ihre Proteste diesmal gezielt gegen den Gastwirt gerichtet. © Palmizi

Sich kritisch und am besten gewaltfrei mit der AfD auseinanderzusetzen und gegen ihre Veranstaltungen zu demonstrieren und zu protestieren, ist ein löbliches Unterfangen und ein demokratisches Grundrecht. Und daran, dass das auch einmal vor einer Gaststätte passieren kann, ist grundsätzlich nichts auszusetzen. Sich aber in einem Gastwirt einen Ersatzfeind für die längst woanders hin ausgewichenen AfDler zu suchen und ihn so lange zu drangsalieren, bis er sich öffentlich von der AfD distanziert, hat mit der Ausübung demokratischer Grundrechte nichts mehr zu tun.


Es gibt auch das Grundrecht der Meinungsfreiheit, und die kann sich nicht nur in lauten Antinazi-Parolen, sondern auch in Schweigen ausdrücken. Und nur weil ein Wirt einem AfD-Stammtisch Asyl gewährt hat, ist er noch lange kein Nazi – und seine Pizza keine Nazi-Pizza. Da wird’s einfach billig und pubertär. Schließlich sind die Remstal-Stuben nicht mit der ehemaligen „Linde“ in Weiler zu vergleichen, die über Jahre hinweg ein ausgewiesener Neonazi-Treff war.

Deshalb, liebe Antifaler: Sucht und stellt euren Feind dort, wo er sich tatsächlich aufhält – und konzentriert euch auf ihn, anstatt ohne konkreten Anlass Druck auf Wirte und Gäste auszuüben. Was kommt als Nächstes: dass die Antifa einen Einkaufsmarkt blockiert, weil sie gehört hat, dass dort regelmäßig auch ein paar AfD-Mitglieder einkaufen?