Meinung

Kommentar zur Lockerung der Coronaverordnung - Verwirrend, aber richtig: Jetzt dürfen sich doch wieder nur „weniger“ Leute treffen

men-2425121_1920
Wie viele Leute dürfen sich denn jetzt treffen? © Pixabay

Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln. Die erlaubte Personenzahl bei Treffen in privaten Räumen hat sich im Laufe nur weniger Tage erneut verändert. Im öffentlichen Raum in Baden-Württemberg dürfen weiterhin maximal „Personen aus zwei verschiedenen Haushalten zusammenkommen, ohne den Mindestabstand von 1,5 Meter einhalten zu müssen.“ In privaten Räumen, inklusive Garten, dürfen sich nunmehr (Stand Freitag, 15. Mai) kumulativ treffen:

  • Angehörige des eigenen Haushalts und
  • die erweiterte Familie (Großeltern, Eltern, Kinder, Enkel mit Lebenspartnerinnen und Lebenspartnern, Geschwister mit Nachkommen und Lebenspartnerinnen und Lebenspartnern) und
  • Angehörige eines weiteren Haushalts.

Der Passus „zusätzlich vier Personen“ wurde im Fragen-und-Antworten-Katalog (FAQ) auf der Homepage der Landesregierung stillschweigend gestrichen und ungültig!

Ein Sprecher des Staatsministeriums des Ministerpräsidenten bestätigte dieser Zeitung am Freitag: „Es gab Tausende Anfragen von Bürgerinnen und Bürgern zu den Lockerungen und wie diese im Einzelnen auszulegen seien. Über Details diskutierten auch die Juristen rege.“ Bei dem Passus „zusätzlich vier Personen“ setzten sich jene Juristen durch, die eine Streichung des Passus für geboten und richtig halten. Auch der Text der Coronaverordnung werde dementsprechend bis Samstag angepasst, so der Sprecher.

Sie fühlen sich als Leserin, als Leser dieser Zeitung nun veräppelt?

Verständlich, ich mich als Journalist auch. Schließlich habe ich die „zusätzlich vier Personen“-Regel in mehreren Artikeln mit verkündet. Es ist nicht einfach, der Versuchung zu widerstehen, jetzt auf die Landesregierung oder die Politiker oder jene, die den FAQ mit Text füttern, verbal einzudreschen. Die Coronaverordnungen werden mit heißer Nadel und unter Zeitdruck gestrickt, und in einem Gesetzes- beziehungsweise Verordnungstext kann nicht alles bis in letzte Detail ausformuliert und „vor-ausgelegt“ werden. Das würde den inhaltlichen Rahmen und Umfang sprengen. Und: Niemand, selbst ein vielköpfiges Gremium nicht, kann schlichtweg an alle kleinsten Verästelungen, Besonderheiten und Auslegungsmöglichkeiten denken.

Gleichwohl hätte die Landesregierung gerade bei dem Thema, wie viele Leute sich treffen dürfen, umsichtiger und eindeutiger formulieren müssen. Denn das betrifft wirklich alle und nicht nur zum Beispiel branchenspezifische Sonderfälle.

Im Grunde ist es aber gut, dass der Passus „zusätzlich vier Personen“ doch nicht gilt. Hand aufs Herz, haben Sie nicht auch beim Lesen Anfang der Woche gestutzt und sich gefragt, „waaaaas, so viele Leute dürfen sich in privaten Räumen treffen!?“ – obwohl die Entwicklung der Sars-CoV-2-Infektionszahlen weiter ungewiss ist?

Spielraum für gefühlt zu große Treffen in privaten Räumen

Auch noch die nunmehr hoffentlich nachhaltig gültige Auslegung der Personenzahl-Regelung in privaten Räumen lässt Spielraum für gefühlt zu große Treffen: Zwei Haushalte und von dem einen auch noch die erweiterte Familie, da könnten schnell ein paar Dutzend Menschen zusammenkommen. Das widerspricht den weiterhin gültigen Aussagen der Landesregierung: „In Baden-Württemberg gilt wie in den meisten Bundesländern bis zum 5. Juni weiterhin die Kontaktbeschränkung. Kleine und große Feiern werden daher bis zum 5. Juni nicht möglich sein.“ Andererseits findet sich im FAQ auch der Satz: „Im privaten Umfeld ist es möglich, mit Eltern, Geschwistern, deren Partnern und Partnerinnen, Großeltern sowie Tanten und Onkel zu feiern.“

Womöglich müssen wir alle solche Widersprüchlichkeiten aushalten und anstatt uns darüber aufzuregen, lieber selber fragen: Müssen wir in diesen Ausnahmezeiten immer gleich alles, was erlaubt ist oder was der Gesetzgeber vergessen hat bis ins kleinste Detail zu regeln, ausnutzen und ausreizen?

Bei Treffen mit anderen, insbesondere der erweiterten Familie, sollte ein jeder lieber entscheiden, diese nicht zu groß anzulegen, schon aus Respekt, Zuneigung und Fürsorge. Wer will schon verantwortlich dafür sein, dass jemand im Familien- oder Freundeskreis, womöglich noch jemand, der zur Risikogruppe gehört, sich bei einem solchen Treffen, einer Familienfeier gar, mit Sars-CoV-2 ansteckt!?

Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln. Die erlaubte Personenzahl bei Treffen in privaten Räumen hat sich im Laufe nur weniger Tage erneut verändert. Im öffentlichen Raum in Baden-Württemberg dürfen weiterhin maximal „Personen aus zwei verschiedenen Haushalten zusammenkommen, ohne den Mindestabstand von 1,5 Meter einhalten zu müssen.“ In privaten Räumen, inklusive Garten, dürfen sich nunmehr (Stand Freitag, 15. Mai) kumulativ treffen:

Angehörige des eigenen Haushalts und die
Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper