VfB Stuttgart

Konkurrenzkampf in der Abwehr: Wer hat aktuell die Nase vorne?

Fußball VfB Stuttgart Trainingslager
Waldemar Anton, hier im Zweikampf mit Daniel Didavi, hat sich beim VfB zügig akklimatisiert. „Er ist recht schnell bei uns angekommen, er hat schnell Führung übernommen“, sagt Trainer Matarazzo. © Pressefoto Baumann

Seinen Platz auf der Tribüne ist Marc Oliver Kempf womöglich schon am Samstag wieder los. Beim 3:2 im Testspiel gegen Zweitligist Hamburger SV vergangenen Mittwoch fehlte der Aufstiegs-Kapitän des VfB Stuttgart noch komplett auf dem Aufstellungsbogen, unterstützte seine Teamkollegen lediglich als Zuschauer. Zum Abschluss der Vorbereitung des Bundesliga-Rückkehrers in Tirol gegen Mitaufsteiger Arminia Bielefeld könnte der Verteidiger nach seiner schweren Schulterverletzung nun aber sein Comeback geben.

Kempf vor Rückkehr ins Teamtraining

„Im Training ist er fast bei 100 Prozent. Der Plan ist schon, dass er eine Halbzeit spielt, um näher ranzukommen“, verriet Sportdirektor Sven Mislintat nach der Vormittagseinheit am Freitag. Bis zum brisanten Bundesliga-Auftakt gegen seinen früheren Club SC Freiburg will Kempf wieder topfit sein und sich bei Trainer Pellegrino Matarazzo aufdrängen. Drei Wochen hat er dafür noch Zeit, im Trainingslager in Kitzbühel kämpft sich Kempf derzeit zurück. „Das geht deutlich schneller als zunächst befürchtet. Die ursprüngliche Prognose war mal Anfang Oktober“, sagte Mislintat.

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Kämpft sich Schritt für Schritt zurück: Abwehrspieler Marc-Oliver Kempf. © Pressefoto Baumann


Doch solange wird auch Kempf nun nicht mehr warten wollen, schließlich hat sich das Gerangel um die Startelf-Plätze in der Abwehr verschärft. Es wird nur spielen, wer Leistung bringt. Und wer fit ist. Schließlich kommt der Defensive für den angestrebten Klassenerhalt eine entscheidende Bedeutung zu. 70 Gegentore wie in der Saison 2018/2019 wollen sich die Schwaben nicht schon wieder leisten. Nur zwei Teams kassierten ligaweit damals mehr. Die Spielzeit endete für die Stuttgarter mit dem Abstieg. 

Mislintat: „Die Dichte im Konkurrenzkampf ist noch mal ein bisschen krasser geworden“

Also holten sie von Hannover 96 nach der feststehenden Rückkehr in die erste Liga nun den früheren U21-Nationalspieler Waldemar Anton, vom FC Arsenal kam auf Leihbasis der Grieche Konstantinos Mavropanos.

Nummerisch hat sich beim VfB für die Abwehr dadurch zwar nichts verändert. Denn der frühere Nationalspieler Holger Badstuber, nicht mehr mit dem Tempo gesegnet und ein möglicher Unruheauslöser, wurde in die zweite Mannschaft abgeschoben, und Nathaniel Phillips kehrte zum FC Liverpool zurück. Aber: „Die Dichte im Konkurrenzkampf ist noch mal ein bisschen krasser geworden“, stellte Mislintat klar.

Anton dürfte gute Aussichten auf einen Stammplatz haben. Das deutete Mislintat bereits an und Matarazzo sagte: „Er ist recht schnell bei uns angekommen, er hat schnell Führung übernommen.“ Neben Kempf und Mavropanos pochen noch andere auf Stammplätze. Marcin Kaminski etwa, oder auch der eigentliche Mittelfeldspieler Atakan Karazor, der sich in der Endphase der letzten Saison in der Dreierkette festgesetzt hatte. Rechtsverteidiger Pascal Stenzel war in der vergangenen Spielzeit sogar stellvertretender Kapitän der Mannschaft.

Auch die Kapitänsfrage ist noch offen

Diese Auswahl braucht der VfB aber auch, um Ausfälle abzufedern. Die Verletzungen häuften sich schon im Trainingslager. Clinton Mola, eine Option für die linke Seite, reiste aufgrund seiner Hüftprobleme gar nicht erst mit. Mavropanos absolviert angeschlagen sein Programm separat vom Team. Der Rechtsfuß bringe „immer ein bisschen Probleme mit“, räumte Mislintat ein. „Das wussten wir. Dafür hat er eine Qualität mit seinem Speed in der Liga, die du so nicht findest und so nicht einkaufen kannst als VfB Stuttgart.“

Auch Kempf hat immer wieder mit Blessuren zu kämpfen. Die Schultereckgelenkgssprengung, die er Ende Juni erlitt, war für ihn bereits die zweite schwere Verletzung nach dem Kieferbruch in der vergangenen Saison. Nach der Corona-Pause hatte ihn Matarazzo zwischenzeitlich auch nur auf die Bank gesetzt. Ob er wieder unangefochten spielt, ist nicht die einzige spannende Frage. Abzuwarten bleibt auch, ob Kempf auch in der neuen Saison die Kapitänsbinde tragen wird. Die Entscheidung steht noch aus.