7. Spieltag

Kruse tut Union gut: Mit Rekordsieg plötzlich oben dabei

1. FC Union Berlin - Arminia Bielefeld
Unions Sheraldo Becker (2.v.l) feiert mit den Teamkameraden sein Tor zum 3:0. Foto: Maja Hitij/Getty Images Europe/Pool/dpa © Maja Hitij

Berlin (dpa) - Rekordsieg und Champions-League-Platz: Jetzt wird's langsam unheimlich um Max Kruse und den 1. FC Union.

Der Underdog spielt besonders dank Elfmeter-Spezialist und Tore-Vorbereiter Kruse in der Fußball-Bundesliga plötzlich in einer Tabellenregion mit, in der sich eigentlich die nationale Elite tummelt.

«Wir waren kompakt, haben die Angriffe konsequent zu Ende gespielt. Es war fast ein perfektes Spiel von uns», urteilte Kapitän Christopher Trimmel über den 5:0 (3:0)-Sieg gegen Arminia Bielefeld. Höher hat Union in der Beletage seit dem Aufstieg im Sommer 2019 noch nie gewonnen.

Die Berliner sind nun schon seit sechs Spielen unbezwungen. Ex-Nationalspieler Kruse glänzte wie schon beim Sieg zuvor in Hoffenheim mit einem Treffer vom Punkt (52. Minute) und zwei direkten Tor-Vorbereitungen. «Er tut uns gut momentan», sagte Robert Andrich. Mit zwölf Punkten stehen die Eisernen zumindest bis zum Sonntag auf Tabellenplatz vier. Die Konkurrenz staunt. «Es ist eine sehr gute Entwicklung. Das Schwierige ist, so weiterzumachen», sagte Trimmel.

Gegen Aufsteiger Arminia, der im Stadion An der Alten Försterei klar unterlegen war, die fünfte Liga-Niederlage nacheinander kassierte und mit vier Punkten nur knapp vor der Abstiegszone steht, verblüffte Union schon in der Startphase. Der Japaner Kaita Endo nach 129 Sekunden und dem damit zweitschnellsten Tor in der Bundesliga-Historie der Berliner sowie Andrich (13. Minute) schlugen gleich zu. Sheraldo Becker (45.+2) legte noch vor der Pause nach. Den 5:0-Endstand stellte Cedric Teuchert (89.) her - damit war der höchste Bundesliga-Sieg der Berliner perfekt.

Union-Coach Urs Fischer wollte die Bielefelder mit den schnellen Außen Becker und Endo in Bedrängnis bringen - das klappte. Nach Kruses Zuspiel sprintete der Niederländer Becker der Arminia-Abwehr davon, seine flache Eingabe drückte Endo freistehend ins Netz. Wenig später musste der Japaner, den Fischer neu in die Startelf gestellt hatte, wegen einer Oberschenkel-Blessur vom Platz. Vor dem 2:0 legte Kruse von links den Ball Andrich genau vor. Dann schickte der 32-Jährige den agilen Becker auf den Weg zum 3:0. Es war schon die fünfte Torvorbereitung des Neu-Unioners in dieser Spielzeit.

Die Mischung aus knallharten Zweikämpfen und spielerischen Lösungen brachte Zweitliga-Meister Bielefeld immer wieder in größte Bedrängnis. Auch Routinier Christian Gentner hätte in seinem 413. Bundesligaspiel - der gesamte Bielefelder Kader hat weniger - treffen können. Auch ohne die verletzten Marcus Ingvartsen, Grischa Prömel und Anthony Ujah bestimmten die Gastgeber stets klar die Partie.

Schließlich trug sich auch Kruse noch zum dritten Mal in dieser Saison als Torschütze ein und wurde von den Zaungästen vor dem Stadion - in der Arena waren Zuschauer wegen der Corona-Pandemie nicht zugelassen - gefeiert. Amos Pieper stoppte den eingewechselten Akaki Gogia zuvor strafbar. Mit dem 16. verwandelten Elfmeter stellte der abgezockte Kruse den Rekord mit der 100-Prozent-Quote des Schalkers und Bochumers Hans-Joachim Abel in der Bundesliga ein.

«Auf der einen Seite spürte er die Unterstützung, die auch ein Spieler von seiner Qualität braucht», sagte Trainer Fischer zu Kruses schneller Eingewöhnung bei Union. «Auf der anderen Seite ist er sich nicht zu schade, auch lange und weite Wege in Kauf zu nehmen. So kann es funktionieren», ergänzte der Schweizer.

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