Filmfestival

Deutsche Koproduktion in Venedig erinnert an Bosnienkrieg

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77. Internationale Filmfestspiele in Venedig
Pedro Almodóvar (r), Regisseur aus Spanien, und Tilda Swinton, Schauspielerin aus Großbritannien, mit Masken beim Filmfest in Venedig. Foto: Domenico Stinellis/AP/dpa © Domenico Stinellis
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«Quo Vadis, Aida?»
Eine Szene aus der deutschen Koproduktion «Quo Vadis, Aida?» von Jasmila Žbanić. Foto: La Biennale di Venezia/dpa © La Biennale di Venezia/dpa

Venedig (dpa) - Mit ihrem Wettbewerbsbeitrag «Quo Vadis, Aida?» erinnert die in Berlin lebende Regisseurin Jasmila Žbanić beim Filmfest Venedig an das Massaker in Srebrenica.

«Srebrenica ist einen 40-minütigen Flug von Wien oder weniger als zwei Stunden von Berlin entfernt, und es ist beängstigend, dass ein solcher Völkermord direkt vor europäischen Augen stattgefunden hat - nachdem wir alle millionenfach wiederholt haben «Nie wieder»», erklärte die 45-Jährige im Interview der Deutschen Presse-Agentur vor der Premiere ihres Dramas am Donnerstagabend in Venedig.

In «Quo Vadis, Aida?» erzählt die Regisseurin von Aida, die während des Bosnienkrieges als Übersetzerin für die Vereinten Nationen arbeitet. Der Film fokussiert sich auf die Tage im Juli 1995, als fast 8000 Bosnier - vor allem Männer - von Ratko Mladićs Armee ermordet wurden. Die Massaker wurden später als Genozid eingestuft. «Quo Vadis, Aida?» ist eine deutsche Koproduktion und gehört zu den 18 Beiträgen, die bei der diesjährigen Festivalausgabe um die Hauptpreise konkurrieren.

«In unserem Film zeigen wir einen Krieg aus weiblicher Perspektive, weil wir genug Filme über den Krieg aus männlicher Perspektive haben», betonte Žbanić. Schon mit ihrem Film «Esmas Geheimnis» thematisierte sie den sexuellen Missbrauch während des Bosnienkrieges und gewann bei der Berlinale 2006 dafür den Goldenen Bären. «Der Goldene Bär war sehr wichtig für meine Arbeit und für weibliche Opfer in Bosnien. Es ist uns gelungen, das bosnische Gesetz so zu ändern, dass vergewaltigte Frauen als Kriegsopfer anerkannt wurden.»

Außer Konkurrenz stand in Venedig am Donnerstag auch das neue Werk von Pedro Almodóvar auf dem Programm. Der spanische Oscarpreisträger («Alles über meine Mutter») stellte in der Lagunenstadt «The Human Voice» vor, einen 30 Minuten langen Kurzfilm mit Tilda Swinton. «The Human Voice» wurde laut Almodóvar erst im Juli gedreht. Das Werk basiert auf einem Theaterstück von Jean Cocteau und erzählt von einer Frau (Swinton), die mit dem Ende ihrer Beziehung kämpft.

Der Film sei «eine moralische Lehrstunde über das Verlangen», erklärte der 70-jährige Almodóvar in einem vorab veröffentlichten Statement des Festivals. Die schottische Schauspielerin Swinton war beim Filmfest am Mittwochabend mit dem Goldenen Löwen für ihr Lebenswerk geehrt worden.

© dpa-infocom, dpa:200903-99-417567/2