Mit 81 Jahren

Durchbruch mit «Heimat» - Kameramann Gernot Roll ist tot

Gernot Roll
Gernot Roll ist tot. Foto: Ursula Düren/dpa © Ursula Düren

München (dpa) - Auf der einen Seite die «Buddenbrooks», auf der anderen der Trash-Film «Ballermann 6» - der Regisseur und Kameramann Gernot Roll legte sich nicht auf ein Genre fest.

Seit Beginn seiner Karriere in den 1960er Jahren drehte er eine enorme Bandbreite an Filmen. «Seine große Kunst ist die Vielfalt der Themen, die er jeweils in exzellenter Manier in grandiose Bilder umzusetzen weiß», lobte 2014 der damalige bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), als er Roll beim Bayerischen Filmpreis den Ehrenpreis verlieh. Nun ist der Filmemacher und Bildgestalter tot. Er sei am Donnerstag im Kreise seiner Familie gestorben, teilten die Angehörigen des 81-Jährigen über eine PR-Agentur der Deutschen Presse-Agentur in München mit.

Roll, der am 9. April 1939 in Dresden zur Welt kam, war schon früh vom Film begeistert. Mit 14 Jahren begann er eine Ausbildung zum Kamermann und verdingte sich danach bei den DEFA-Studios in Berlin-Babelsberg. Sein erster Film als Kameraassistent: Der Märchenfilm «Das singende, klingende Bäumchen». «Den kennt in Ostdeutschland immer noch jedes Kind», sagte Roll vergangenes Jahr.

1960 ging er nach Westdeutschland. Er wollte vorankommen und sah in Babelsberg dafür keine Möglichkeit. Seine erste Station: Die Bavaria Film in München. Er drehte Serien wie «Graf Yoster gibt sich die Ehre» oder Folgen der ARD-Krimireihe «Tatort».

Der Durchbruch gelang Roll mit der gefeierten 16 Stunden langen TV-Serie «Heimat - Eine deutsche Chronik» von Edgar Reitz aus dem Jahr 1984. «Das war die schönste Zeit meines Berufslebens», verriet Roll vor einigen Jahren der «Süddeutschen Zeitung». Auch Reitz erlebte die Zusammenarbeit als etwas Besonderes. «Die Bilder, die wir suchten, sollten ihre Wurzeln in der gemeinsamen Erinnerung haben. Das hat uns eng zusammengeführt.»

Viele Streifen folgten, etwa Caroline Links oscarnominierter Film «Jenseits der Stille», das Dokudrama «Brecht» von 2019 oder Helmut Dietls Gesellschaftssatire «Rossini oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief». Roll führte auch öfter selbst Regie, etwa bei dem Kinderfilmklassiker «Der Räuber Hotzenplotz» von 2006.

Und dann gab es noch die andere Seite, so wie «Ballermann 6», eine seichte Komödie über Menschen, die am Strand Alkohol aus Eimern saufen. 5,5 Millionen Zuschauer wollten den Streifen sehen, der 1997 in die Kinos kam und der auf eine Idee des Filmproduzenten Bernd Eichinger zurückging, der Roll als Regisseur anwarb. «Als er
mich fragte, ob ich das zusätzlich zur Kamera machen wollte, habe ich
zugesagt. Und dazu stehe ich bis heute», erklärte Roll. Auch der Film «Werner eiskalt» gehört zu seinem Schaffen oder die Komödie «Männersache», die er mit dem Comedian Mario Barth inszenierte.

Roll ging mit diesem Spannungsfeld seines Werks gelassen um. «Auch eine Komödie wie Ballermann, die nur auf aneinander gereihten Gags beruht, ist filmhandwerklich äußerst schwierig umzusetzen. Da muss man sehr genau darauf hinarbeiten, das muss sitzen», erklärte er mal. Berührungsängste habe er keine.

In der Tat ist sein Schaffen beachtlich, davon zeugen auch die vielen Preise, die Roll erhalten hat: Mehrere Grimme-Preise, etwa für den TV-Dreiteiler «Die Manns - Ein Jahrhundertroman» von Heinrich Breloer, den Deutschen Kamerapreis, den Deutschen Filmpreis und viele mehr.

Für die Münchner Filmwelt ist sein Tod ein Verlust. Roll liebte den Film, auch seine Frau Rita Serra-Roll ist in der Branche, sein Sohn ist der Schauspieler Michael Roll. Eine Freundschaft verband ihn mit dem im Februar verstorbenen Joseph Vilsmaier, der ebenso wie er Kameramann und Regisseur war. Stammgäste waren die beiden unter anderem beim traditionellen Eisstockschießen des FilmFernsehFonds Bayern. Ansonsten mochte er es eher bodenständig - und er liebte seine Arbeit, wie er noch mit 80 Jahren erklärte. «Nichts zu machen, ist für mich eine ungewohnte Situation. Das habe ich in meinem ganzen Leben nicht gelernt.»

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