Opernsängerin

Großer Jubel, stiller Protest - Anna Netrebko in Regensburg

Proteste gegen Anna Netrebko
Der russische Opernstar Anna Netrebko hat nicht nur Fans: Demonstranten werfen ihr Nähe zu Putin vor. © Ute Wessels

Regensburg (dpa/lby) - Ein hochsommerlich warmer Abend, festliche Stimmung im Schlosshof, Besucher in eleganter Garderobe, auf der Bühne der wohl größte Opernstar der Gegenwart und vor den Toren stiller Protest - der Auftritt von Sopranistin Anna Netrebko in Regensburg ist ebenso umjubelt wie umstritten.

Seit Beginn des Krieges in der Ukraine steht die russische Sängerin in der Kritik. Auftritte in Baden-Baden, Berlin und New York entfallen, andere werden verschoben. Am Freitag, es ist das erste von vier geplanten Konzerten in Deutschland, scheint die Sängerin den großen Applaus sehr zu genießen.

«Warum hier?»

Erst Mitte Juli war das für September in Stuttgart vor dem dortigen Neuen Schloss vorgesehene Konzert Netrebkos gestrichen worden. Das Finanzministerium in Baden-Württemberg, zu dem auch die Verwaltung der staatlichen Schlösser gehört, hatte mitgeteilt, dass es einen Auftritt der Sängerin nicht für vorstellbar halte, während der Krieg in der Ukraine andauere.

In Regensburg dagegen hielt man den Auftritt für vorstellbar - nach Angaben des Veranstalters Reinhard Söll war das Konzert fast ausverkauft. Sicherheitsbedenken habe er nicht gehabt, sagte er. Vorsichtshalber habe er aber zusätzliches Sicherheitspersonal engagiert. Unter den Zuschauern im Schlosshof war auch die Hausherrin Gloria Fürstin von Thurn und Taxis.

Die Demonstranten hatten Schilder dabei, auf denen unter anderem «Anna, wie wär's mit einem Benefizkonzert in der Ukraine?», «Keine Unterstützung dubioser russischer Kulturvertreter» und «Nicht in NY, nicht in Stuttgart, warum hier?» zu lesen war. Ein Plakat zeigte ein älteres Foto der Sängerin gemeinsam mit Putin.

Ein Star in der Kritik

Im vergangenen Herbst hatte Netrebko im Kremlpalast in Moskau mit einer großen Gala ihren 50. Geburtstag gefeiert. Putin selbst war zwar nicht anwesend, hatte aber Glückwünsche übermittelt.

Kurz nach der russischen Invasion in die Ukraine schrieb sie auf Instagram: «Ich bin eine Russin und liebe mein Land, aber ich habe viele Freunde in der Ukraine, und der Schmerz und das Leid brechen mir das Herz. Ich möchte, dass dieser Krieg aufhört und die Menschen in Frieden leben können.» Gemeinsam mit ihrem Mann, dem Tenor Yusif Eyvazov, verwahrte sie sich aber dagegen, «Künstler oder irgendeine öffentliche Person zu zwingen, ihre politischen Ansichten öffentlich zu machen und ihr Vaterland zu beschimpfen». Netrebko sagte, «keine politische Person» zu sein. Ihr Ziel als Künstlerin sei es, «über politische Unterschiede hinweg zu vereinen».

Nachdem die Kritik nicht abriss, ließ sie mitteilen: «Meine Position ist klar. Ich bin weder Mitglied einer politischen Partei noch bin ich mit irgendeinem Führer Russlands verbunden.» Sie erkenne und bedauere, dass ihre Handlungen oder Aussagen in der Vergangenheit zum Teil falsch interpretiert werden konnten. «Tatsächlich habe ich Präsident Putin in meinem ganzen Leben nur eine Handvoll Mal getroffen, vor allem im Rahmen von Verleihungen von Auszeichnungen für meine Kunst oder bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele.» Zudem habe sie ansonsten nie finanzielle Unterstützung von der russischen Regierung erhalten.

Musik im Vordergrund

Für das Publikum in Regensburg stand die Musik im Vordergrund. Netrebko wurde von ihrem Ehemann und von den Hofer Symphonikern begleitet. Auf dem Programm standen unter anderem Werke von Giuseppe Verdi, Georges Bizet, Jacques Offenbach und Peter Tschaikowsky. Bei der von Eyvazov vorgetragenen Puccini-Arie «Nessun Dorma» hielt es die Zuschauer nicht mehr auf den Sitzen. Tosender Applaus - und die Netrebko freute sich daneben stehend sichtlich für ihren Mann.

Überhaupt schien der Sängerin ihr Aufenthalt in Regensburg gefallen zu haben. Auf Instagram veröffentlichte sie zahlreiche Fotos von Spaziergängen in der Altstadt, an der Donau und einem Besuch des nahe gelegenen Ruhmestempels Walhalla.