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Labore stark ausgelastet: Welche Rolle spielen die regelmäßigen Corona-Tests der Bundesliga-Clubs?

Im Labor
Nach Verbandsangaben sind die Testkapazitäten der Labore erstmals zu 100 Prozent ausgereizt. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa © Daniel Bockwoldt

Die Warnrufe werden lauter: Immer öfter kommen Corona-Labore mit dem Auswerten von Tests nicht hinterher. So meldeten laut Robert Koch-Institut (RKI) in der vergangenen Kalenderwoche (bis zum 1.11.) 69 Labore einen Rückstau von insgesamt 98.931 abzuarbeitenden Proben. Zwei Wochen zuvor waren es noch 52 Labore mit 20.799 abzuarbeitenden Proben, wie aus dem RKI-Lagebericht von Mittwochabend hervorgeht.

Der Verband der Akkreditierten Labore in der Medizin teilte Anfang der Woche mit, dass die Testkapazität bundesweit erstmalig zu 100 Prozent ausgereizt sei. Inzwischen sei „die rote Ampel überfahren“ worden.

Bei einer weiteren Überflutung mit Proben oder einem möglichen Geräte- oder Personalausfall drohe ein Zusammenbruch der Versorgung. Nötig sei, die Kapazitäten von nunmehr 1,6 Millionen Tests pro Woche auf dringliche Fälle zu konzentrieren. Immer noch würden aber zu viele PCR-Tests ohne Symptome gemacht.

Testungen sind zentraler Bestandteil des DFL-Hygienekonzepts

Welche Rolle spielen in diesem Zusammenhang die regelmäßigen Testungen der Bundesliga-Clubs? Um den Spielbetrieb in den höchsten Spielklassen (1., 2. und 3. Liga) in Deutschland auch während der Pandemie weiter am laufen zu halten, werden die Spieler und Betreuer der Proficlubs seit dem Start der neuen Spielzeit zweimal pro Woche getestet.

Die Testungen sind ein zentraler Bestandteil des Hygienekonzepts der Deutschen Fußball Liga (DFL). Deren Chef, Christian Seifert, sagte allerdings auch im April: „Wenn wir in solch eine Situation kommen, dass Testkapazitäten knapp werden, dann würde der Profifußball selbstverständlich zurückstecken müssen. Und wir werden das auch tun.“ 

So viele Corona-Tests benötigen die 1. und 2. Liga pro Woche

Wie viele Tests entfallen wöchentlich überhaupt auf die Profivereine? In ihrem überarbeiteten Hygiene-Konzept ging die DFL bei „hohem oder mittlerem Pandemie-Level von 3.600 Tests pro Woche in der Bundesliga und 2. Bundesliga“ aus. In einer Umfrage des Deutschlandfunks hatten vor dem Saisonstart einige Bundesligisten angegeben, pro Testreihe um die 50 Personen (Spieler, Trainer, Betreuer usw.) zu testen.

Wie die DFL am Donnerstagabend mitteilte, geht sie auf Basis der Erfahrungen in der Vorsaison weiter von 3000 bis 3600 Tests pro Woche für die 1. und die 2. Liga aus. Dies entspreche einem Anteil von etwa 0,2 Prozent der realen wöchentlichen Kapazität der bundesweiten Testungen. Laut DFL verteilen sich die Tests auf deutschlandweit zehn Labore.

„Man muss schon sagen, dass wir im Promillebereich liegen für die Testungen, die für die Bundesligaspieler in den Laboren erfolgen“, sagte Jan Kramer, Vorstand beim Verein Akkreditierte Labore in der Medizin, der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag. Kramer: „Im Moment kann ich aus den mir bekannten Laboren, die solche Testungen durchführen, berichten, dass es im Promillebereich liegt und hierdurch keine Gefährdung der medizinischen Versorgung entsteht.“

So reagiert die DFL

Weiter teilte die DFL mit: „Für den Fall von lokalen oder regionalen Engpässen bei den Testmöglichkeiten für systemrelevante Bereiche in bestimmten Laboren ist zur Entlastung dieser Labore durch die geschlossene Kooperationsvereinbarung beispielsweise denkbar, eine Testung der jeweiligen Clubs in temporär weniger ausgelasteten Laboren zu organisieren und durchzuführen.“

Anpassung der Teststrukturen für die 1. und 2. Liga

Unabhängig davon hat die „Task Force Sportmedizin/Sonderspielbetrieb“ des Ligaverbandes aus logistischen Gründen eine Anpassung der Teststrukturen für die 1. und 2. Liga dahingehend beschlossen, dass eine Testung der Auswärtsmannschaften bei hohem Pandemie-Level – also ab 35 Neu-Infektionen pro Woche pro 100.000 Einwohner im jeweiligen Landkreis der Clubs und den angrenzenden Landkreisen – bis auf Weiteres frühestens 52 (zuvor: 36) Stunden vor dem Anstoß eines Spiels erfolgen muss, was laut DFL unter anderem Reiseabläufe sowie die Abstimmung mit Laboren und deren Arbeit erleichtert.