Gesund und rekordverdächtig

10 Dinge, die Sie über Kürbisse wissen sollten

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Bunte Vielfalt: Viele der über hundert Kürbissorten sind essbar.
ARCHIV - Foto: Jens Becker/dpa-tmn © Jens Becker
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Kalorienarm und gesund: Kürbis enthält viele Nährstoffe.
ILLUSTRATION - Foto: Florian Schuh/dpa-tmn © Florian Schuh

Bonn (dpa/tmw) - In der Küche sind sie Alleskönner, für kreative Schnitzer bieten sie gutes Material und auch ihre Inhaltsstoffe sind gesund: Kürbisse sind vielseitig verwendbar.

Grund genug, die farbenfrohen Schwergewichte genauer unter die Lupe zu nehmen. Diese zehn Fakten machen Sie zumindest schon mal theoretisch zu Kürbiskennern.

1. Warum ist der Kürbis die größte Beere der Welt?

Der Kürbis (Cucurbita) gehört zur Familie der Kürbisgewächse (Cucurbitaceae) - ebenso wie

  • Melonen
  • Zucchini
  • Gurken

Die wichtigsten Kürbisarten hierzulande sind laut dem Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL):

  • der Garten- oder Sommerkürbis (Cucurbita pepo)
  • der Riesenkürbis (Cucurbita maxima)
  • der Moschuskürbis (Cucurbita moschata)

Botanisch gesehen ist die Frucht der Kürbispflanze eine Beere. «Eine Panzerbeere», erklärt Hans-Georg Levin, Fachreferat beim BZL. Denn anders als zum Beispiel bei der Johannisbeere ist die Außenschicht beim Kürbis hart.

Übrigens: Erdbeeren oder Himbeeren bezeichnen wir umgangssprachlich oft als Beeren - doch aus Sicht eines Botanikers gehören sie nicht dazu. Erdbeeren sind nämlich Sammelnussfrüchte und Himbeeren Sammelsteinfrüchte. Verglichen mit allen echten und sogenannten Beeren ist der Kürbis somit die größte Beere der Welt.

2. Wie lange gibt es Kürbisse schon?

Kürbisse gehören zu den ältesten Pflanzen der Erde. Der Garten- oder Sommerkürbis etwa lässt sich laut BZL um 8000 bis 10000 Jahre zurückdatieren.

Aufgetaucht sind diese Arten etwa in Mexiko. «Das geht auf Ausgrabungen zurück, bei denen man Samen gefunden hat», erklärt Levin. Der Wildvorfahre der Riesenkürbisse wiederum wuchs vermutlich bereits vor 4000 Jahren in Argentinien. Mit den Seefahrern gelangte der Kürbis in alle Winkel der Welt - und kam so auch nach Europa.

3. Wie viele Kürbissorten gibt es?

«Die Zahl der Kürbissorten ist unbekannt», sagt der BZL-Experte. «Geschätzt sind es mehrere Hundert.» Die meisten sind essbar und tragen so klingende Namen wie

  • 'Pink Jumbo Banana'
  • 'Harvest Princess'
  • 'White Heaven'
  • 'Heart of Gold'

Kürbisse können:

  • kugel-rund oder oval sein
  • glatt, gerieft oder warzig
  • einfarbig, gestreift oder gefleckt
  • die Farbpalette reicht von weiß, beige bis dunkelgrün und lila

«Der bekannteste Kürbis in Deutschland ist der Hokkaido», sagt Obst- und Gemüsehofinhaber Stefan Gamb. Weltweit ist es der Butternut-Kürbis.

Im Vergleich zum eher kugeligen leuchtend orangen Hokkaido ist der Butternut wesentlich blasser länglich bis birnenförmig. Von der Fruchtfleischbeschaffenheit sind sich beide recht ähnlich - Sie können mit beiden zum Beispiel sämige Cremesuppen kochen.

Beim Hokkaido können Sie die Schale mitessen, beim Butternut nicht. Weil die Schale einen dicken Wachsüberzug hat, ist der Butternut mit bis zu zwölf Monaten dafür deutlich länger haltbar als ein Hokkaido mit zwei bis drei Monaten.

4. Unter welchen Bedingungen wachsen Kürbisse besonders gut?

Weltweit wachsen Kürbisse vor allem in warmen Gebieten. Nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) lag im Jahr 2019 China mit gut einem Drittel der weltweiten Ernte ganz vorne.

Ein weiteres Drittel verteilt sich in dieser Reihenfolge auf:

  • die Ukraine
  • die Russische Föderation
  • Spanien
  • Mexiko
  • Bangladesch
  • die USA
  • Türkei
  • Italien und
  • Indonesien

In Deutschland wurden laut Statistischem Bundesamt im gleichen Jahr 86000 Tonnen Kürbisse geerntet. Dies entspricht knapp 0,38 Prozent der Welternte.

Auch in Deutschland wächst der Kürbis am besten in warmen Gebieten. Als Stefan Gamb Ende der Neunzigerjahre die ersten Kürbisgewächse im Markgräflerland, also im äußersten Südwesten Deutschlands, pflanzte, wurden die Früchte vor allem in Baden-Württemberg, Südbayern und der Pfalz angebaut.

Mittlerweile gibt es auch in Norddeutschland, etwa in Schleswig-Holstein, Kürbis-Bauern. «Aber da kommt man an die Grenze, da fehlen die Sonnenstunden und die Wärme.»

5. Welche Inhaltsstoffe stecken im Kürbis?

Ein Kürbis hat reichlich Vitamine und Mineralstoffe. «Gerade die gelbfleischigen Kürbisse enthalten viel Beta-Carotin», sagt Levin. So sieht die Nährwert-Bilanz eines gegarten Kürbis (Durchschnittswerte, keine bestimmte Sorte) im Vergleich zur Karotte aus.

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Kalorien

Damit knausert der Kürbis dagegen. Er gehört wie viele andere Fruchtgemüse zu den kalorienarmen Lebensmitteln. Laut dem Deutschen Ernährungsberatungs- und Informationsnetz (DEBInet) haben jeweils 100 Gramm:

  • gegarter Durchschnitts-Kürbis lediglich 31 Kalorien

Zum Vergleich (ebenfalls 100 Gramm):

  • Salzkartoffeln bringen 89 Kalorien auf die Waage
  • Bolognese-Hackfleischsauce hat 116 Kalorien.

Tipp: Sie können den Kürbis gut in eine Diät integrieren.

6. Gibt es auch giftige Kürbisse?

Alle Kürbisgewächse enthalten von Natur aus Bitterstoffe, sogenannte Cucurbitacine. «Aus dem, was wir als Gemüse essen, wurden sie über mehrere Generationen herausgezüchtet», sagt Levin. Zierkürbisse haben dagegen diese Bitterstoffe noch und sind somit nicht essbar.

Tipp: Achten Sie beim Einkauf auf eine entsprechende Kennzeichnung! Eine akute Vergiftungsgefahr kann insbesondere für Personen bestehen, die in ihrer Wahrnehmung für Bittergeschmack beeinträchtigt sind. Denn nicht zuletzt verrät der bittere Geschmack die Ungenießbarkeit.

Doch: «Die Menge macht das Gift», erklärt Levin. «Sie werden das in Mengen gar nicht essen können, weil es bitter schmeckt.» Wer Warnungen oder seinen Geschmackssinn missachtet, kann mindestens heftige Magen-Darm-Probleme bekommen.

«Den Giftzentralen werden meist Übelkeit, Erbrechen, Magenkrämpfe und Durchfall, selten eine lebensbedrohliche hämorrhagische Gastroenteritis gemeldet», erklärt Levin.

In sehr seltenen Fällen wurden Vergiftungen mit tödlichem Verlauf beschrieben. Eine akute Vergiftungsgefahr kann insbesondere für Personen bestehen, die in ihrer Wahrnehmung für Bittergeschmack beeinträchtigt sind.

7. Wann ist die Haupterntezeit bei Kürbissen?

Durch Importe zum Beispiel aus Südamerika oder Afrika gibt es Kürbisse fast das ganze Jahr bei uns im Handel. Wer auf regionale, saisonale Produkte wert legt, kann sich an der Erntezeit in Deutschland orientieren: «Es geht im August los und die Hauptzeit dauert bis Anfang, Mitte November», umreißt Stefan Gamb die klassische Kürbiszeit.

Die Kürbisse bei uns können Sie je nach Erntezeitpunkt unterscheiden:

  • Sommerkürbisse - können ab Sommer geerntet werden. Dazu gehören zum Beispiel die Zucchini oder die Sorte 'Patisson', die noch unreif mit zarter und verzehrbarer Schale geerntet werden. Der 'Rondini' und der 'Spaghettikürbis' wiederum werden zwar im Sommer, aber reif geerntet, ihre Schale ist nicht essbar.
  • Winterkürbisse - sie werden vollständig ausgereift geerntet. Die Ernte beginnt bereits Mitte August, erstreckt sich aber bis in den Oktober und November. Die harte Schale ist in der Regel nicht essbar - Ausnahme ist der 'Hokkaido'. Dafür können Sie diese Kürbisse lange lagern.

8. Worauf sollten Sie beim Einkauf achten?

«Der Kürbis sollte nicht angeschlagen sein und keine Macke haben», erklärt Ute Ligges. Sie leitet mit ihrer Familie im nordrheinwestfälischen Kamen einen Kürbishof.

«Das ist wie beim Apfel: Wenn der eine Beule hat, fängt er an zu faulen.» Auch beim Transport sollten Sie ihn also wie ein rohes Ei behandeln: «Sobald er hinfällt, ist natürlich die Haltbarkeit begrenzt.»

Wenn eine Stelle schon etwas verletzt ist, müsse sie zumindest verholzt sein. Der Stiel sollte noch vorhanden sein, damit ein Kürbis noch lagerbar ist. «Der Stiel sollte nicht weich sein, sondern schon ein bisschen angehärtet sein», erklärt Ligges.

«Ist ein Hokkaido durchgehend rotorange und fest, dann ist er gut», sagt Stefan Gamb. Idel für die Lagerung sei es, wenn der Kürbis noch ungewaschen ist. «Wenn man ihn im Geschäft kauft, ist er in der Regel schon gewaschen», erklärt Gamb. Schön und glänzend werde eher gekauft.

Aber: «Beim Waschvorgang reiben Bürsten über den Kürbis. Dadurch wird die natürliche Schutzschicht aufgeraut und er ist nicht mehr so lange haltbar.»

9. Was hat der Kürbis mit Halloween zu tun?

Ein ausgehöhlter Fratzenkürbis ist das Halloween-Symbol schlechthin. Das geht zurück auf die Legende von Jack O’Lantern. Auch Autorin Ligges erzählt die Geschichte in ihrem Kürbisbuch.

Demnach hatte sich der trunksüchtige Hufschmied Jack auf einen Pakt mit dem Teufel eingelassen. Als dieser ihn am Abend vor Allerheiligen holen wollte, bat Jack als letzten Gefallen um einen Apfel. Der Teufel ließ sich darauf ein und stieg auf einen Baum, um die Frucht zu holen.

Da schnitzte Jack ein Kreuz in die Baumrinde und der Teufel war auf dem Baum gefangen. In einem Handel versprach der Teufel Jack, ihn bis in alle Ewigkeit in Ruhe zu lassen.

Als Jack später der Einlass im Himmel verweigert wurde und er wegen des Handels auch nicht in die Hölle durfte, schickte ihn der Teufel weg und gab ihm aus Mitleid, weil es kalt und dunkel war, eine glühende Kohle mit auf den Weg. Jack steckte die Kohle in eine ausgehöhlte Rübe, die er als Wegzehrung mitgenommen hatte.

Seitdem geistert, so erzählt man, die verdammte Seele von Jack O’Lantern am Vorabend vor Allerheiligen wie ein Irrlicht durch die Dunkelheit. Die ausgehöhlten erleuchteten Kürbisse sollen nachts Umherstreifenden den Weg weisen.

10. Welche Rekorde haben Kürbisse schon aufgestellt?

Manche Kürbisse sind regelrechte Giganten. Nicht umsonst trägt die größte Kürbissorte den Namen «Atlantic Giant». Entsprechend gibt es im Herbst allerorten Kürbiswettbewerbe. Dabei geht es vor allem ums Gewicht, erklärt die Schweizer Jucker Farm, Experte in Sachen Kürbisausstellungen.

Den aktuellen Weltrekord hält der Belgier Mathias Willemijns. Sein Riesenkürbis brachte 2016 bei den Kürbis-Europameisterschaften im baden-württembergischen Ludwigsburg 1190,5 Kilogramm auf die Waage und übertraf alle Vorjahressieger.

Inzwischen haben sich weiter Kategorien laut Jucker Farm entwickelt. Um die Schönheit geht es beim Howard Dill Award. Da gibt es eine Sonderwertung für dunkelgrüne bis blaue sogenannte Squash Kürbisse.

Bonn (dpa/tmw) - In der Küche sind sie Alleskönner, für kreative Schnitzer bieten sie gutes Material und auch ihre Inhaltsstoffe sind gesund: Kürbisse sind vielseitig verwendbar.

Grund genug, die farbenfrohen Schwergewichte genauer unter die Lupe zu nehmen. Diese zehn Fakten machen Sie zumindest schon mal theoretisch zu Kürbiskennern.

1. Warum ist der Kürbis die größte Beere der Welt?

Der Kürbis (Cucurbita) gehört zur Familie der Kürbisgewächse (Cucurbitaceae) - ebenso

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