Richtig reagieren

10 Punkte, durch die Sie Migräne im Job loswerden

Erfolgreich durchpowern: Kopfschmerzen schnell los werden.
ILLUSTRATION - Foto: Christin Klose/dpa-tmn © Christin Klose

Frankfurt/Main (dpa/tmw) - Durch Kopfschmerzen sind wir meist unkonzentriert und weniger produktiv. Migräne ist weltweit bei Berufstätigen unter 50 Jahren laut dem Deutschen Ärzteblatt die führende Ursache für Arbeitsausfälle und Krankschreibungen.

Obwohl viele Menschen betroffen sind, ist die Angst vor Ausgrenzung oder Stigmatisierung am Arbeitsplatz immer noch groß. Zu oft gelten Kopfschmerzen als «Ausrede».

Doch ist es sinnvoll mit Schmerzmitteln gegen Kopfschmerzen anzukämpfen, um leistungsfähig zu bleiben? Was tun, wenn Sie die Attacke am Arbeitsplatz trifft? Und wann sollten Sie mit ihren Vorgesetzten sprechen? Die wichtigsten Antworten dazu:

Was sind typische Auslöser von Kopfschmerzen am Arbeitsplatz?

Wer Vollzeit einen Bürojob ausübt, verbringt theoretisch jeden Monat 160 Stunden vor dem Bildschirm. «Den ganzen Tag vorgebeugt am Computer sitzen, die rechte Hand an der Maus, die Augen fest fixiert – da kriegt jeder Kopfschmerzen», erklärt Andreas Michalsen.

Der Chefarzt der Abteilung für innere Medizin und Naturheilkunde am Immanuel Krankenhaus Berlin kennt typische Auslöser für Kopfschmerzen am Arbeitsplatz:

  • zu wenig Pausen,
  • zu wenig Bewegung an der frischen Luft,
  • gestörter Schlafrhythmus durch Schichtarbeit,
  • unregelmäßige Mahlzeiten,
  • hohe Arbeitsbelastung und wenig Chancen sie zu regulieren,
  • hoher Geräuschpegel,
  • zu hohe oder zu niedrige Bildschirmauflösung,
  • falsche Bildschirm-Kalibrierung - Kontrast, Helligkeit, Farbe,
  • ungleichmäßige Verteilung von direktem und indirektem Licht.

Übrigens: Verspannungen im Nackenbereich können auch durch nicht korrekt eingestellte Büromöbel entstehen - etwa ein zu niedriger Stuhl, oder ein zu hoch oder zu niedrig justierter Bildschirm.

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Was zeichnet einen ergonomischen Arbeitsplatz aus?

Ein ergonomischer Arbeitsplatz ist die optimale wechselseitige Anpassung zwischen dem Menschen und seinen Arbeitsbedingungen. Natürlich ist dies individuell unterschiedlich und abhängig von Faktoren wie der Körpergröße und der körperlichen Konstitution.

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung nennt einige Faustregeln:

  • der Abstand zwischen Augen und Bildschirm sollte mindestens 50 Zentimeter betragen,
  • auf dem Bildschirm sollte sich keine Lichtquelle, etwa ein Fenster oder eine Schreibtischlampe, spiegeln,
  • der Winkel zwischen dem Unter- und Oberarm sollte auf dem Tisch abgestützt mindestens 90 Grad betragen,
  • der Arm sollte auf einer verstellbaren Auflage liegen,
  • der Winkel zwischen Ober- und Unterschenkel sollte 90 Grad sein,
  • die Arbeitsfläche sollte mindestens 80 Zenitmeter tief sein,
  • Tisch und Bürostuhl sollten höhenverstellbar sein,
  • der Bürostuhl sollte auf fünf gleichen Rollen stehen und eine verstellbare Rücken- oder Lendenstütze haben.

Übrigens: ein sicherer, ergonomischer Arbeitsplatz, der die Gesundheit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gewährleisten soll, ist gesetzlich in der Arbeitsstättenverordnung geregelt.

Die Gesundheitskasse AOK beschreibt in einem Video, wie Sie sich ihren Arbeitspatz mit Laptop ergonomisch einrichten können.

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Wie wirken sich Kopfschmerzen auf die Leistungsfähigkeit aus?

Allen Kopfschmerzen ist gemeinsam, dass sie die Leistungsfähigkeit vermindern und das Stresslevel noch erhöhen.

Bei Kopfschmerzen:

  • sinkt die Konzentration,
  • es treten vermehrt Fehler auf,
  • gewohnte Handgriffe verlangsamen sich.

Übrigens: Spannungskopfschmerzen können Sie durch frische Luft oder frei verkäufliche Medikamente lindern. Bei einer Migräne ist das häufig schwieriger - meist sind die Auswirkungen auf ihre Leistungsfähigkeit dabei größer.

Wie wirkt sich eine Migräne im Job also aus?

Eine Migräne mit Aura kann etwa die Kommunikation mit Kollegen und Kunden erschweren oder sogar unmöglich machen, da bei Betroffenen dadurch das Hören und Sprechen beeinträchtigt sein kann.

Als Migräne mit Aura bezeichnet man eine Migräneattacke, die von neurologischen Symptomen begleitet wird. Das können Sehstörungen sein, aber auch taube oder kribbelnde Körperteile. Die Symptome sind sehr individuell. Die Aura dauert meistens eine halbe Stunde an.

Achtung: Wer eine Migräne mit Aura hat, kann keine Maschinen mehr bedienen oder Fahrzeuge lenken und sollte es auch nicht versuchen. Betroffene sind sonst ein Risiko für sich und andere.

Wie können Sie möglichst lange konzentriert arbeiten?

Wie lange Sie konzentriert arbeiten können, ist individuell unterschiedlich. Dabei spielen aber auch Faktoren wie die Art der Arbeit, die Umstände, also zum Beispiel der Lärmpegel, und die Tagesform eine Rolle.

Dennoch gibt es klare Regeln: Wer sechs bis acht Stunden arbeitet, muss spätestens nach sechs Stunden eine Pause von mindestens 30 Minuten einlegen. Das regelt Paragraf 4 des Arbeitszeitgesetzes. Bei einer Arbeitszeit von neun Stunden, stehen Ihnen 45 Minuten Pause zu.

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Gewerkschaften, Ärztinnen und Ärzte, aber auch Versicherungen empfehlen öfters kurze «Verschnaufpausen» einzubauen.

Dazu gehört beispielsweise:

  • sich kurz räkeln und strecken,
  • ein kurzes Gespräch mit Kolleginnen und Kollegen auf dem Flur,
  • für fünf Minuten an etwas Schönes denken.

Das alles kann entspannen - und nur dann können Sie jeden Tag acht Stunden vor dem Bildschirm ihre Arbeit verrichten.

Was können Sie bei Kopfschmerzen während der Arbeit tun?

Eine Tablette gegen Kopfschmerzen sollten Sie nur in Ausnahmefällen einnehmen. Charly Gaul vom Kopfschmerzzentrum in Frankfurt am Main rät: Schmerzmittel sollten Sie an weniger als zehn Tagen im Monat und nicht häufiger als drei Tage in Folge einnehmen.

Nur so können Sie einen medikamentenverursachten Kopfschmerz verhindern, der durch den Übergebrauch ausgelöst werden kann, erklärt Neurologe und Schmerztherapeut Gaul.

Wer nicht sofort zur Tablette greifen möchte, für den eignen sich bei Spannungskopfschmerzen folgende sechs Tipps:

  1. Frische Luft - am besten lüften und Pausen nach draußen verlegen.
  2. Dehungsübungen - so können Sie Verspannungen vermeiden und lösen.
  3. Wärme - hilft insbesondere bei einer verspannten Nackenpartie.
  4. Kühlung - pochen die Schläfen, kann ein kühles Gelkissen helfen.
  5. Weitblick - die Augen entspannen, indem Sie in die Ferne blicken.
  6. Massagen - Pfefferminzöl an Schläfen, Stirn und Nacken auftragen.

Was tun, wenn Stress die Ursache für Kopfschmerzen ist?

Was wir als Stress empfinden, kann individuell sehr unterschiedlich sein und hat nicht nur mit der Arbeitsdauer und -belastung zu tun.

«Jemand, der beruflich in einer Situation ist, wo hohe Anforderungen herrschen, er oder sie aber nichts zu entscheiden hat, kann viel Stress haben», erklärt Michalsen. «Während ein CEO, der oder die mehr arbeitet, aber die Möglichkeit hat, alles selbst zu gestalten und zu entscheiden, weniger Stress empfindet», so der Mediziner.

Letztendlich ist es individuell und auch von privaten Umständen abhängig, welche Menge an Stress schon zu viel für die eigenen Ressourcen sein kann.

Die Möglichkeit mit Sport sanft gegen Kopfschmerzen vorzugehen, wird laut Michalsen manchmal nicht voll ausgeschöpft.

Bewegung reduziert Stress und Verspannungen, fördert die Durchblutung und hat einen wissenschaftlich belegten positiven Effekt auf Mirgäne. Neben Sport können auch Entspannungsmethoden helfen.

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Muss der Arbeitgeber Gesundheitsproblemen vorbeugen?

Der Arbeitgeber ist dazu verpflichtet Maßnahmen durchzuführen, die der Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes am Arbeitsplatz dienen, so regelt es das Arbeitsschutzgesetz.

Dazu gehört die standardisierte Gefährdungsbeurteilung. Demnach muss ein Arbeitgeber neben der Gestaltung und Einrichtung des Arbeitsplatzes, beispielsweise auch psychische Belastungen sowie zum Beispiel den Lärmpegel im Büro beurteilen lassen.

«Das ist gesetzlich vorgeschrieben, aber wir haben die Situation, dass nur 50 Prozent der Unternehmen eine Gefährdungsbeurteilung durchführen», sagt Katrin Willnecker, Referentin für Arbeits- und Gesundheitsschutz bei ver.di.

Vielen Arbeitgebern sei die Bedeutung dieses Vorgehens nicht bewusst. «Die Gefährdungsbeurteilung reduziert und vermeidet Gefährdungen und Unfälle der Beschäftigten und damit Zusatzkosten, die zum Beispiel durch Arbeitsausfälle entstehen. Sie erhöht somit auch die Wirtschaftlichkeit des Betriebes», erklärt Willnecker.

Schlechte Augen: Muss der Arbeitgeber Sie dann unterstützen?

Wer trotz korrekt eingerichtetem Arbeisplatz und Bildschirm ständig Kopfschmerzen bekommt, sollte laut dem Kuratorium Gutes Sehen seine Sehfähigkeiten überprüfen lassen.

Unter Umständen kann eine Arbeitsplatzbrille die Lösung sein. Diese Brillen sind besondere Gleitsichtbrillen mit einem großen Sehbereich für kürzere Distanzen. Sie werden individuell angefertigt und ermöglichen entspanntes Sehen und eine unverkrampfte Körperhaltung.

Der Arbeitgeber ist nach entsprechender Indikation durch den Betriebsarzt oder eingen Augenarzt dazu verpflichtet, sich an den Kosten für die Brille zu beteiligen.

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Können Sie bei Kopfschmerzen zuhause bleiben?

Sehr starke Kopfschmerzen oder eine Migräneattacke können zur vorübergehenden Arbeitsunfähigkeit führen.

Wenn zum Beispiel jemand eine Migräne mit Aura hat und schwere Maschinen bedienen müsste. Dann ist die Person durch die neurologische Störungen arbeitsunfähig. Auch bei Sehstörungen, die mit einer Aura einhergehen können, dürfte die Person keine schweren Maschinen mehr bedienen oder Fahrzeuge fahren.

Wichtig: die Arbeitsunfähigkeit und voraussichtliche Dauer unverzüglich dem Arbeitgeber melden.

Eine Bescheinigung über die Arbeitsunfähigkeit müssen Sie per Gesetz spätestens ab dem dritten Tag der Krankheit vorlegen. Der Arbeitgeber oder die Arbeitgeberin kann sie aber schon vorher einfordern – dabei dürfen Vorgesetzte aber nicht schikanös oder willkürlich handeln.

Ob Sie mit Kopfschmerzen arbeiten können, ist generell eine ganz individuelle Entscheidung. Dabei sollten Sie sorgsam abwägen - Gesundheit geht vor.

Bei chronischen Kopfschmerzen – mindestens 15 Tage pro Monat – sollten Sie zur Abklärung einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen, wenn möglich sogar einen Betriebsarzt oder eine Betriebsärztin. Es gibt über 220 Kopfschmerzerkrankungen mit sehr individuellen Ursachen.

Bei einer längeren Arbeitsunfähigkeit erhalten Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen genau wie bei anderen Krankheiten auch sechs Wochen lang ihren Lohn fortgezahlt. Danach bekommen sie Krankentagegeld.

Frankfurt/Main (dpa/tmw) - Durch Kopfschmerzen sind wir meist unkonzentriert und weniger produktiv. Migräne ist weltweit bei Berufstätigen unter 50 Jahren laut dem Deutschen Ärzteblatt die führende Ursache für Arbeitsausfälle und Krankschreibungen.

Obwohl viele Menschen betroffen sind, ist die Angst vor Ausgrenzung oder Stigmatisierung am Arbeitsplatz immer noch groß. Zu oft gelten Kopfschmerzen als «Ausrede».

Doch ist es sinnvoll mit Schmerzmitteln gegen Kopfschmerzen

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