Badeunfälle vermeiden

Ertrinken: 7 Dinge, die Sie im Notfall beachten müssen

Rettung in Sicht: An einsamen Stränden nicht allein baden gehen.
Rettung in Sicht: An einsamen Stränden nicht allein baden gehen. © Florian Schuh

Hamburg (dpa/tmw) – Je schöner der Sommer, desto häufiger kommt es zu Badeunfällen. So nüchtern beschreibt es Achim Wiese von der Deutschen-Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG).

Ein Grund dafür: Hohe Temperaturen ziehen die Menschen an alle Wasserstellen – auch an Stellen in der freien Natur, die oft unbewacht sind.

In Binnengewässern kommen etwa 88 Prozent der Ertrinkungsopfer ums Leben. Im Jahr 2020 waren es laut DLRG mindestens 335 Personen.

Was können Sie also tun, um Gefahren zu erkennen und ihre Familie davor zu schützen? Sieben Tipps, wie Sie sich in Notsituationen im und am Wasser verhalten können. Und wie Sie diese vermeiden:

1. Wie sollten Sie im Notfall zuerst reagieren?

Ein Mensch, der zu ertrinken droht, schreit und winkt nicht, um auf sich aufmerksam zu machen – das ist ein Mythos.

«Das Ertrinken passiert still und leise», so Achim Wiese.

Denn: ein ertrinkender Mensch versucht sich mit aller Kraft über Wasser zu halten und zu atmen. Winken und Rufen sei dabei oft nicht mehr möglich.

Schritt 1: Wer erkennt, dass ein Schwimmer oder eine Schwimmerin in Not ist, muss als Erstes den Notruf 112 wählen. «Das ist immer der erste Schritt und die wichtigste Hilfestellung», erklärt Wiese.

Übrigens: Jeder ist rechtlich dazu verpflichtet, zu helfen – sofern er sich damit nicht selbst in Gefahr bringen würde. So steht es im Strafgesetzbuch (Paragraf 323c).

Unterlassene Hilfeleistung kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder mit einer Geldstrafe geahndet werden. Die Höhe der Geldstrafe ist abhängig davon, wie schwer die hilfesuchende Person verletzt wurde.

2. Wie und wann können Sie Ertrinkenden helfen?

Wer sich nach dem Notruf dazu entscheidet, aktiv zu helfen, der sollte sich zuerst ehrlich einschätzen.

«Ich muss mir die Frage stellen, und ernsthaft darüber nachdenken, ob ich diesen Menschen aus seiner Situation befreien und ihm helfen kann», sagt Wiese. «Wenn ich nur ansatzweise zweifle, dann lasse ich das. Sonst besteht die Gefahr, dass es zwei Notfälle gibt.»

Tipp: Wer selbst nicht ins Wasser gehen kann, hat die Möglichkeit, der Person einen schwimmenden Gegenstand zum Festhalten zuzuwerfen. Das gibt der Person ein erstes Sicherheitsgefühl.

Achtung: Bei Notfällen an und in Flüssen sollte niemand ins Wasser gehen – auch geübte Schwimmerinnen und Schwimmer nicht. Denn in Flüssen können Strömungen besonders stark sein.

Wenn eine Person in einem Fluss abtreibt, rät die DLRG am Ufer mit der Person mitzugehen und sie nicht aus den Augen zu lassen. So können Sie eintreffende Rettungskräfte direkt zu der Person führen.

3. Womit sollten Sie bei einer Rettungsaktion rechnen?

Wer in Panik gerät, entwickelt starke Kräfte. Das kann für Helfer gefährlich werden, etwa wenn sich der oder die Ertrinkende festklammert und so den Helfer oder die Helferin unter Wasser zieht.

Achim Wiese rät daher: «Die Person von hinten anschwimmen, und dabei mit ihr reden. Sagen Sie etwas wie: 'Hallo, ich helfe Dir jetzt, bleib ruhig'.»

Wenn die Person noch bei Bewusstsein ist, können Sie sich mit dem Heranschwimmen Zeit lassen und warten, bis sie sich beruhigt hat. Greifen Sie die Person von hinten und ziehen Sie sie auf dem Rücken treibend an Land.

Wichtig: Merken Schwimmer, dass sie in Not geraten, weil zum Beispiel ihre Kräfte nachlassen oder sie spüren, dass sie einen Krampf bekommen, sollten sie früh auf sich aufmerksam machen, so Wiese.

Geraten Sie selbst in Not, dann gilt:

  • Auch wenn es schwer ist, versuchen Sie Ruhe zu bewahren!
  • Drehen Sie sich auf den Rücken und lassen Sie sich auf dem Wasser treiben. Das spart Kraft.
  • Warten Sie so auf Hilfe. Machen Sie es wie die kleinen Kinder, die im ersten Schwimmkurs lernen, sich auf dem Wasser treiben zu lassen und nicht in Panik zu geraten, wenn Wasser von der Seite spritzt.

4. Wie lassen sich Gefahren beim Schwimmen vermeiden?

Im besten Fall kommt es gar nicht erst zu einer gefährlichen Situation. Dafür ist es wichtig an Gewässern:

  • Baderegeln zu befolgen
  • Gefahren unbekannter Gewässer nicht zu unterschätzen
  • Warnungen der DLRG ernst zu nehmen
  • sich selbst und seine Kräfte richtig einzuschätzen

«Überlegen Sie sich: Kann ich das heute?», rät Achim Wiese. Es sei wichtig, Vorerkrankungen nicht zu ignorieren.

Auch mit leerem Magen und vor allem alkoholisiert sollte niemand schwimmen gehen.

Die Baderegeln der DLRG können Sie hier nachlesen - einige lauten:

  • Nichtschwimmer sollten nur bis zum Bauch ins Wasser gehen.
  • Baden bei Gewitter ist lebensgefährlich. Verlassen Sie sofort das Wasser und suchen ein festes Gebäude auf.
  • Aufblasbare Schwimmhilfen bieten keine Sicherheit im Wasser.
  • Nie um Hilfe rufen, wenn keine Gefahr droht.
  • Nicht dort baden, wo Schiffe und Boote fahren.
  • Nur ins Wasser springen, wenn das Gewässer bekannt ist und wenn keine Zweifel bestehen, dass das Wasser frei und tief genug ist.

«Wir raten dringend davon ab, in unbewachten Binnengewässern, also in Seen oder Flüssen, zu schwimmen», sagt Achim Wiese im Namen der DLRG. Zu groß sei die Gefahr.

Wer trotzdem dort schwimmen möchte, der sollte sich eine Stelle suchen, an der andere Menschen sind, damit Sie sich früh genug bemerkbar machen können, wenn Sie Hilfe brauchen.

5. Welche Gefahren sollten Sie in offenen Gewässern beachten?

Bevor Sie in offenen Gewässern schwimmen, sollten Sie bedenken:

  • Es können plötzlich steile Abhänge und Untiefen auftauchen, die vorher nicht sichtbar waren. Das kann für schlechte Schwimmer oder Nichtschwimmer, die Bodenkontakt brauchen, gefährlich werden.
  • Starke Strömungen können Schwimmer wegziehen. Die Ränder von Flüssen wirken meist viel ruhiger - oft eine trügerische Sicherheit.
  • Flüsse sind oft Verkehrsstraßen! Dort fahrende Schiffe können einen starken Sog oder Wellenschlag verursachen.
  • Unterschiedliche und plötzlich wechselnde Temperaturschichten können Krämpfe in den Beinen oder Kreislaufprobleme auslösen.
  • Überraschend auftauchende Pflanzen und Tiere können Schwimmer in Angst versetzen. An Felsen und Bäumen im Wasser und am Uferrand können Schwimmer sich verletzen.

Tipp: Schlechte Schwimmer sollten andere vorab vom Ufer aus beobachten. So erfahren sie, an welcher Stelle das Gewässer tiefer wird, rät Wiese. Nichtschwimmer sollten nur bis zum Bauch ins Wasser.

6. Welche Hilfsmöglichkeiten erhöhen die Sicherheit?

Für das Schwimmen – insbesondere in offenen Gewässern – gibt es Hilfen, die die Sicherheit erhöhen können. Einige Beispiele:

Bojen: In offenen Gewässern haben sich zum Beispiel aufblasbare Bojen in Neonfarben bewährt. Die werden in einer kleinen Tasche und an einem Gurt befestigt am Körper getragen. In einem Notfall bläst sich die Boje von allein auf und kann eine erste Hilfe sein.

Es gibt auch Bojen, die Sie schon aufgeblasen mit ins Wasser nehmen können. Sie sind an einem Gurt befestigt und treiben hinter dem Schwimmer her - meist sind sie neonfarben und vom Ufer gut sichtbar.

Pfeifen: Für Outdoor-Aktivitäten gibt es Trillerpfeifen aus Plastik. Die können Sie um dem Hals tragen und im Notfall damit die Aufmerksamkeit auf sich lenken.

Tipp: Wenn Sie in Begleitung ins Wasser gehen, sollten Sie den anderen Schwimmern von der Pfeife erzählen und ein Signal verabreden.

Gut zu wissen: Wer in einem offenen Gewässer Sport treiben und lange Distanzen schwimmen will, der sollte sich im Klaren darüber sein, dass Distanzen vom Ufer aus immer kürzer aussehen, als sie es schlussendlich sind. «In einem See kann man auch parallel zum Ufer schwimmen, wenn man Strecke schwimmen möchte», rät Wiese.

7. Wie können Eltern ihre Kinder vor Verkühlung schützen?

Temperaturen spielen beim Schwimmen eine wichtige Rolle. Vor dem Baden sollte sich jeder abduschen – auch aus hygienischen Gründen.

Da ein See oft deutlich kälter als die Wassertemperatur im Schwimmbad ist, sollten Sie Ihren Körper beim Duschen erst abkühlen, empfiehlt Franziska Schalm vom Deutschen Schwimmlehrerverband. Das sei wichtig, damit Sie beim Sprung ins Wasser keine Kreislaufprobleme bekommen.

Rechtzeitig raus aus dem Wasser:

  • Wenn das Baden großen Spaß bringt, vergessen Kinder schon einmal die Zeit. Doch bei blauen Lippen und Kältezittern sollten Kinder sofort aus dem Wasser.

    Kinder haben einen stärkeren Stoffwechsel und dadurch eine stärkere «innere Heizung», erklärt Singer. Deshalb nehmen sie Kälte oft weniger wahr als Erwachsene. Auch ihre geringe Körpergröße spielt dabei eine Rolle. Bei Kälte sind sie ebenso gefährdet wie Erwachsene.
  • Wenn Sie die Kleinen erfolgreich aus dem Wasser bekommen haben, sollten die Kinder die nassen Schwimmsachen unbedingt ausziehen, sagt Franziska Schalm vom Deutschen Schwimmlehrerverband. So kann das Kind wieder Wärme tanken und verkühlt sich nicht.

Sekundäres Ertinken: Welche Gefahr lauert nach dem Ertrinkungsunfall?

Wurde eine ertrinkende Person - insbesondere ein Kind - aus dem Wasser gerettet, sollten Helfer sie genau beobachten. Denn einige Stunden nach dem Ertrinken können noch Probleme auftreten.

Ärzte sprechen vom sekundären Ertrinken. Das ist die nachträgliche Beeinträchtigung der Lungenfunktion nach einem zunächst scheinbar schadlos überstandenen Ertrinkungsereignis, erklärt der Professor Dominique Singer vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

Diese Verschlechterung der Lungenfunktion kann zum Versagen der Lunge und schließlich sogar zum Tode führen, so der Kinderarzt.

Um zu verstehen, was beim sekundären Ertrinken genau passiert, muss der Unterschied zwischen trockenen und feuchten Ertrinken erklärt werden:

  • Feuchtes Ertrinken: Wasser gerät in die Lunge und macht das Atmen unmöglich.
  • Trockenes Ertrinken: Es dringt kein Wasser in die Lunge. Der Körper schützt die Lunge, indem sich der Kehlkopf verkrampft und reflexartig verschließt. Das Ertrinken verläuft in diesem Fall als «Ersticken» unter Wasser.

Wenn Wasser in die Lunge gerät, kann ein starker Husten es wieder heraustreiben. Beim sekundären Ertrinken bleibt ein Rest des Wassers in der Lunge. Das kann wenige Stunden danach dort zu einer Entzündung und zum Lungenversagen führen. Wird das Problem rechtzeitig erkannt, können Ärzte gut helfen.

Sekundäres Ertrinken erkennen und handeln:

  • Bemerkbar macht sich das Sekundäre Ertrinken durch anhaltenden Hustenreiz.
  • Weitere Anzeichen sind blaue Lippen und Fingernägel.

Wer solche Anzeichen zeigt, muss ins Krankenhaus und untersucht werden.

Kinder, die aus dem Wasser gerettet wurden, sollten immer in ein Krankenhaus gebracht und untersucht werden, rät Kinderarzt Singer. Das gilt auch, wenn sie erst einmal keine Anzeichen zeigen.

Im Krankenhaus können Mediziner schnell helfen, falls sich der Zustand des Kindes verschlechtert. Doch lassen Sie sich als Eltern nicht verunsichern. Wenn sich Ihr Kind verschluckt, müssen Sie nicht um sein Leben fürchten, sagt Singer.

Wenn ein sekundäres Ertrinken eintritt, muss es im Vorfeld einen Ertrinkungsvorfall gegeben haben, so der Mediziner. Das heißt, das Kind ist unter die Wasseroberfläche geraten.

Hamburg (dpa/tmw) – Je schöner der Sommer, desto häufiger kommt es zu Badeunfällen. So nüchtern beschreibt es Achim Wiese von der Deutschen-Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG).

Ein Grund dafür: Hohe Temperaturen ziehen die Menschen an alle Wasserstellen – auch an Stellen in der freien Natur, die oft unbewacht sind.

In Binnengewässern kommen etwa 88 Prozent der Ertrinkungsopfer ums Leben. Im Jahr 2020 waren es laut DLRG mindestens 335 Personen.

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