Waschanlage und Selbermachen

Glänzend sauber: So waschen Sie das Auto wie ein Profi

Autos mit sensiblem Lack sollen nicht in die Waschanlage.
Autos mit sensiblem Lack sollen nicht in die Waschanlage. © Klaus-Dietmar Gabbert

Minden/Hagen (dpa/tmw) - Regelmäßige Autowäsche ist der Grundstein für ein top gepflegtes Auto - und für dessen Werterhalt. Viel Zeit dafür müssen Sie dank moderner Waschanlagen nicht mehr investieren. Für ein perfektes Ergebnis sollten Sie aber wissen, was Sie tun.

Experten zeigen, wie Sie die Anlagen optimal nutzen und teure Fehler vermeiden. Wer voll die Kontrolle behalten will, greift selbst zu Schwamm und Shampoo. Was dabei zu beachten ist und wie Cabrios und Sportwagen sauber werden, erklären Pflegeprofis.

Wie oft sollte ich das Auto waschen?

Das ist pauschal nicht zu beantworten. Es hängt stark von der individuellen Fahrleistung des Autos und den Umständen ab:

  • Wo fährt das Auto und welchem Schmutz ist es ausgesetzt?
  • Steht der Wagen in der Garage oder das ganze Jahr draußen?
  • Wie wichtig ist Ihnen persönlich die Sauberkeit?

Wichtig: Sicherheitsrelevante Teile wie Leuchten und Scheiben müssen stets funktionstüchtig und sauber sein. Auch das Kennzeichen muss lesbar bleiben, so der ADAC - wohl der kleinste gemeinsame Nenner.

Beispielrechnung: Ein Stadtauto mit einer jährlichen Laufleistung von etwa 12 000 Kilometern würde Profi Christian Petzoldt einmal pro Woche waschen - und sofort nach kritischem Schmutz. Klingt viel? Vielleicht. Doch eine regelmäßige Wäsche ist die Grundlage für gepflegten Lack, erklärt der seit Jahrzehnten weltweit gefragte Lack- und Pflegeexperte, Referent und Fachbuchautor zu dem Thema.

Ohne regelmäßige Wäsche können sich Ablagerungen festsetzen. Später lassen sie sich oft nur mit scharfen Mitteln oder schlimmstenfalls gar nicht mehr entfernen. Umwelteinflüsse wie Insekten oder Salz im Winter setzen dem Lack mit der Zeit zu und können ihn schädigen.

Wann muss es ganz besonders schnell gehen?

Bei Vogelkot auf dem Lack ist schnellstmöglich zu handeln, sagt Petzoldt. Auf einer Fläche ohne gute Lackkonservierung könnten schon nach zwei Stunden Schattenbildungen auf dem Lack zurückbleiben.

Vergeht noch mehr Zeit, könne der Lack bis in die Tiefe geschädigt werden. Sind die Kotflecken noch sehr frisch und weich, reicht es, sie mit etwas fließendem Wasser abzuspülen, etwa an der Tankstelle.

Wie oft waschen die Deutschen ihr Auto?

Rund 465 Millionen Autowäschen pro Jahr finden in den Waschanlagen und SB-Boxen statt, schätzt der BTG Bundesverband Tankstellen und Gewerbliche Autowäsche. Über 90 Prozent aller Waschanlagenbetreiber sind dort Mitglied. Der Verband geht davon aus, dass jedes Auto im Schnitt rund sieben Mal im Jahr gewaschen wird.

Laut Zahlen des Statistischen Bundesamtes gibt rund jeder vierte Haushalt in Deutschland an, Geld für die Außen- und Innenwäsche des Autos auszugeben - im Schnitt rund 17,40 Euro monatlich. So viel kostet ungefähr ein mittleres Waschprogramm in der Anlage.

Welche Rolle spielen die Jahreszeiten?

Der BTG rät, vor allem vor dem saisonalen Räderwechsel speziell die Reifen und Felgen zu waschen. So werden diese sauber eingelagert. Ansonsten kann angetrockneter Schmutz Schäden verursachen.

Auto waschen im Winter: Das Salz muss runter

Frank Reichert von der Prüfgesellschaft GTÜ rät, je nach Fahrleistung auch im Winter regelmäßig durch die Waschanlage zu fahren, um das Streusalz herunter zu bekommen. Speziell bei vorgeschädigtem Lack mit Kratzern oder Abplatzungen ist das wichtig.

Einwandfreien Lackoberflächen macht der Winter laut ADAC weniger aus. Dank Hohlraumversiegelungen, verbessertem Unterbodenschutz und verzinkter Bleche moderner Autos sei auch ein Rostproblem am Unterboden eher ein Problem der Vergangenheit.

Experten wie Christian Petzoldt würden das Auto zumindest genauso oft wie im Sommer waschen. Der Auto Club Europa (ACE) rät häufiger dazu, wenn auf gewohnten Strecken oft gestreut wird.

Faustregel für Vielfahrer: wöchentlich. Allen, die weniger fahren, genügt es, ein- oder zweimal im Monat durch die Waschstraße zu fahren.

Wie wasche ich im Winter richtig?

Am geplanten Waschtag darauf achten, dass nicht gleich die nächste Nacht hohe Luftfeuchtigkeit und wieder Minusgrade hat, rät Petzoldt. Denn auch bei Anlagen mit Trocknung könnte sich Feuchtigkeit etwa an den Dichtungen oder an den Einstiegen sammeln und nicht schnell genug abtrocknen.

Die Gefahr vereister Türschlösser oder angefrorener Gummidichtungen sei bei gemäßigten Temperaturen geringer, so der ADAC. Türschlösser lassen sich gegen Zufrieren vor der Wäsche mit Schlossöl behandeln oder mit Klebstreifen abdecken. Damit Gummidichtungen nicht festfrieren, rät der Autoclub dazu, sie mit speziellen Pflegemitteln einzureiben, solange sie noch trocken sind.

Bei extremer Kälte von unter minus 10 Grad rät der ADAC von Autowäschen ab. Zum einen wegen des Wärmeschocks, wenn eiskalte Lack-, Gummi- und Kunststoffteile des Fahrzeugs auf das circa 10 bis 30 Grad warme Waschwasser treffen - das kann speziell vorgeschädigte oder nachlackierte Oberflächen leiden lassen. Zum anderen können Türschlösser vereisen und Gummidichtungen anfrieren.

Reste von Schnee und Eis sollten vor der Einfahrt in die Waschanlage etwa mit einem Dampfstrahler entfernt werden. Durch groben Schmutz kann es sonst Kratzer auf dem Lack geben.

Frühjahr und Sommer: Spätestens zum Abschluss der Winter- und Salzsaison das Auto ganz gründlich waschen, lautet der Tipp von Frank Reichert. Wie auch im Winter hält der ADAC dann günstige Waschprogramme für ausreichend. Zum Schutz vor Sonne und klebrigen Blütenpollen könne ein Programm mit Wachs genommen werden. Diese Versiegelung schütze den Lack gut einen Monat.

Herbst: Vor der kalten Jahreszeit sollten Reste vom typischen Sommerschmutz - Teerflecken, Insektendreck und Baumharz - gründlich entfernt und der Lack mit Wachs versiegelt werden.

Auto selber waschen oder Waschanlage?

Besonders große, breite oder hohe Autos dürfen teils nicht in die Waschanlage, ebenso solche mit besonders breiten Reifen und Felgen.

Eine Handwäsche in einer SB-Box kann auch bei Autos mit stark zerklüfteten Karosserien sinnvoll sein - etwa bei Klassikern, Tuningautos mit Anbauten oder Sportwagen mit großen Spoilern.

Waschanlagen können solche riskanten Aufbauten zwar aussteuern. «Aber dann wird das Auto da halt auch nicht gewaschen», sagt Thomas Drott, Rechtsanwalt und Geschäftsführer des BTG.

Christian Petzoldt rät auch bei einem ganz sensiblen Lack von der Waschanlage ab. Etwa dann, wenn bereits von leichtem Wischen mit weichen Tüchern markante Spuren entstehen. Je dunkler ein Lack, desto eher sieht man leichte Kratzer. Doch bei einer modernen, gut gepflegten Anlage dürfte auch ein schwarz lackiertes Auto ohne Probleme durchfahren können, sagt der Experte.

Welche Arten von Waschanlagen gibt es?

Es gibt drei Systeme:

1. Waschstraßen

2. Portalanlagen

3. SB-Boxen

Wie funktioniert eine Waschstraße?

Waschstraßen sind mit meist 18 bis 65 Metern die größten Anlagen. Ein Förderband mit Schleppkette zieht die Autos hintereinander durch die verschiedenen Waschgänge. Man bleibt am Steuer sitzen.

  • Das Prinzip: Vorne rein und hinten raus. Die anderen Autos folgen vor und hinter dem eigenen. Die Wartezeit ist geringer. «Selbst, wenn da 50 Autos stehen, bin ich meist in einer halben Stunde dran», sagt Drott. Programmlaufzeit: zwischen 5 und 10 Minuten pro Auto.
  • Abmessungen beachten: Darf das Auto von seiner Höhe und Breite her in die Anlage? Oft gibt es wegen der Führungsschienen auch bei Reifenbreiten Beschränkungen. Das lässt sich den Aushängen und Einfahrthinweisen entnehmen - im Zweifel nachfragen.
  • Alles zu und eingefahren? Alle Fenster, Klappen und Öffnungen schließen und die Spiegel anklappen. Dabei nicht Komfortfunktionen vergessen, die etwa Heckfenster oder Klappen auf leichten Druck oder per Fußbewegung öffnen lassen. Ob und wie eine eventuell vorhandene Antenne eingezogen werden kann und muss, ist der Bedienungsanleitung zu entnehmen. Dachboxen und andere Aufbauten gehören abgeschraubt. Manche Anlangen können diese auf Nachfrage zwar aussteuern, doch dann werden diese Bereiche auch nicht sauber.
  • Ein aktueller Trend: Einige Betreiber ziehen die Autos mit laufendem Motor durch die Waschstraße. Bei anderen Waschstraßen soll der Motor dagegen aus bleiben. Und wiederum andere Betreiber fordern nur die Fahrer bestimmter Modelle auf den Motor anzulassen. Hinweise beachten, Zweifel mit dem Personal abklären. Bei Diskrepanzen notfalls eine andere Waschanlage suchen, rät der ADAC.
  • Assistenzsysteme ausschalten: «Das Fahrzeug muss während der gesamten Wäsche frei rollen können, ohne dass Sensoren ein Bremsen oder Lenken bewerkstelligen oder der Scheibenwischer angeht», sagt Drott. In der Anleitung des Autos nachsehen, was erforderlich ist, um alle störenden Assistenzsysteme auszuschalten. Auch die Lenkradsperre darf sich nicht aktiveren. Ansonsten könnte das Fahrzeug aus der Kette herausgetragen werden.
  • Das Prozedere: Oft spritzen Mitarbeiter das Auto noch mit Lanzen ab, um Dreck einzuweichen. Dazu kann auch ein Schaumbogen dienen, der Shampoo aufs Auto sprüht. Dann wird aufs Förderband eingewiesen. Gang raus, eine Automatik auf N stellen. Das Lenkrad nicht mehr selbst drehen, solange der Wagen gezogen wird.
  • Lenken ist wie Bremsen in der Waschstraße absolut tabu: Das Auto kann sonst vom Schleppband springen und mit Teilen der Anlage kollidieren, sich verklemmen oder andere Autos beschädigen.
  • Ballett der Walzen: Dachwalzen, Seitenwäscher und Schwellerwäscher bearbeiten das Auto und fahren die Form des Autos ab. Je nach Anlage und Programm schreiten auch Rad- und Felgenwäscher zur Tat. Eine Unterbodenwäsche ist auch oft möglich. Wachse für Glanz und Schutz werden aufgetragen, auch Poliereinheiten können folgen. Dann spült die Anlage das Auto klar und trocknet via Gebläse.
  • Am Schluss noch einmal aufpassen: Meist gibt eine Ampel das Signal zum Ausfahren, wenn das Auto aus der Förderkette entlassen wird. Erst dann den abgeschalteten Motor starten und losfahren. Mancherorts arbeiten Mitarbeiter an einigen Stellen noch per Hand nach. Einige Betreiber bieten zusätzlich eine Innenraumreinigung quasi am Fließband an. Die Preise dafür starten bei etwa 40 Euro.
  • Tipp bei unvorhergesehenen Situationen: «In Notfällen immer hupen», sagt Drott. Die Mitarbeiter seien in der Regel so geschult, dass sie über einen Not-Aus-Schalter das Band stoppen. Bremsen helfe nicht. Entweder laufe man dennoch auf den Vordermann auf und kollidiere mit der Anlage - oder mit dem Hintermann, der gerade aufgezogen wird. Dass ein anderes Auto zum Hindernis wird, kommt aber kaum noch vor.

Was ist eine Portalwaschanlage?

Portalanlagen sind viel kleiner als Waschanlagen. Hier steht das Auto still. Man fährt in eine Art große Einzelgarage, die auch zwei Tore haben kann. Nur die Waschaggregate bewegen sich mehrfach vor und zurück über das Fahrzeug. Portalanlagen finden sich zu über 90 Prozent an Tankstellen und stehen nur selten allein. Man bleibt nicht im Auto sitzen, weil man die Anlage von außen startet.

  • Das Prinzip: Es herrscht Einzelabfertigung. Die anderen müssen so lange warten, bis das Programm durch ist. Ein Waschgang dauert bis zu 18 Minuten bei einem Premiumprogramm. So kommt man in der Stunde auf vier bis sechs Autos. «Wenn da am Samstag bei schönem Waschwetter acht oder zehn Autos warten, heißt das schnell ein bis zwei Stunden warten», sagt Drott. Im Winter kann es länger dauern, weil die Tore geschlossen bleiben und immer erst hoch und runter fahren müssen.
  • Das Prozedere: Man parkt das Auto zwischen den beiden inneren Schienen möglichst mittig gerade ein. «Das ist tatsächlich die schwierigste Aufgabe, vor allem bei den großen Autos», sagt Drott. Wie weit man hineinfahren muss, zeigt meist eine Ampel an. Alle Öffnungen schließen, Motor ausstellen. Noch einmal vergewissern, dass der Wagen korrekt steht und sich im Zweifel einweisen lassen. Dann die Anlage nach Anleitung starten. Ein großer Rahmen fährt mit Seiten- und Dachwalzen, Radwaschanlagen und Trockengebläse in mehreren Zügen über das Auto. Wenn der Vorgang zu Ende ist, zeigt die Anlage das an, oftmals mit einem Grünlicht zum Ausfahren.
  • Wichtiger Unterschied zur Waschstraße: Unbedingt Gang einlegen (bei Automatik auf P schalten) und immer die Handbremse anziehen.

Mit dem Auto in die Waschanlage: Programme und Preise

Bei Portalanlagen kosten die Wäschen laut Drott etwa zwischen 8 und 18 Euro und bei Waschstraßen zwischen 9 und 26 Euro. An SB-Boxen geben die Menschen nach BTG-Erhebungen im Schnitt 6 Euro aus - je nach Größe des Fahrzeugs und der gewünschten Reinigung.

Bei den Portalanlagen gibt es drei Hauptstufen:

  • Im Basisprogramm für etwa 8 bis 10 Euro wird das Auto in der Regel nur abgewaschen, im billigsten Fall manchmal auch gar nicht getrocknet. Das Auto ist sauber, hat aber keine Konservierung.
  • Die mittlere Wäsche für etwa 14 bis 18 Euro kombiniert die Basis mit einer einfachen Konservierung. «Man hat dann einen gewissen Schutz, das Auto glänzt ein bisschen», sagt Drott.
  • Bei den Topkategorien für etwa 16 bis 26 Euro wird ein besonderer Schwerpunkt auf Konservierung und Glanz gelegt.

Die Anbieter bieten oft viele Zwischenstufen an und kombinieren sie mit Services wie Unterbodenwäsche oder besonderen Räderreinigungen.

Tipps: Wer es eilig hat mit der Wäsche, könnte mit einer Waschstraße trotz größerem Andrang etwa am Samstag schneller fertig werden als bei der Portalanlage. Diese wiederum könnte in der Woche ein guter Tipp sein. Gerade dann, wenn sie vielleicht näher liegt.

Fazit: Ob Portalanlage oder Waschstraße: Ein normales Grundprogramm reinigt das Auto laut ADAC bereits ausreichend - vorausgesetzt, eine maschinelle oder manuelle Vorwäsche ist Teil des Programms. Premiumwäschen können unter Umständen ein besseres Reinigungsergebnis und einen länger anhaltenden Schutz bieten.

Brauche ich eine Unterbodenwäsche?

Die Sinnhaftigkeit der Unterbodenwäsche ist umstritten. Manche raten speziell im Winter dazu, der ADAC sieht sie kritisch. Bei älteren Autos könne Feuchtigkeit in Hohlräume eindringen. Und bei modernen Wagen, die am Unterboden meist mit Kunststoff verkleidet sind, sei die Unterbodenwäsche zum Schutz vor Korrosion überflüssig.

Fahrten bei Regen oder Starkregen reinigen den Unterboden laut ADAC hervorragend, ohne dass Strahlwasser eingesetzt wird. Das Aussprühen der Radläufe mit einem Hochdruckstrahler aus sicherer Entfernung hält der Autoclub aber für sinnvoll, um Schmutz und Steinchen abzulösen.

Wichtig sei ein Check durch die Werkstatt, die vor und nach dem Winter Schäden am Unterbodenschutz erkennen und ausbessern kann.

Was bringen Versiegelungen?

Waschwachse und leichte Versiegelungen zum Aufsprühen können optisch durchaus überzeugen. Man sollte sich aber nicht von Abperleffekten hauchdünner Waschwachse blenden lassen. «Allein, weil etwas super abperlt, ist noch lange kein super Lackschutz da», sagt Christian Petzoldt. Eine gute Versiegelung muss den Lack vor mechanischen und chemischen Einflüssen schützen - etwa durch Autowäschen, Fahrten auf der Autobahn im Regen, Insekten und Vogelkot.

Je nach Fahrleistung wachst manam besten fünf bis sieben Mal im Jahr, rät Petzoldt. Gut konservierter Lack zeigt bei Regen eine ganz feine Tröpfchenbildung auf der Lackoberfläche.

Bei sichtbaren Spuren wie einzelnen Kratzern oder Hologrammen im Lack wird es Zeit für eine Politur. Vereinfacht gesagt werden dabei durch ganz feinen Lackabtrag Unebenheiten geglättet. Poliert wird auch, wenn der Glanz deutlich nachlässt und der Lack matt wirkt.

Mit dem Cabrio in die Waschanlage: Geht das?

Cabriodächer brauchen besondere Pflege - aber nicht zu viel und vor allem die richtige. «Rund 70 Prozent der Verdecke, die weltweit ausgetauscht werden müssen, sind laut führender Verdeckhersteller durch falsche Reinigung zerstört worden», sagt Petzoldt.

Das fängt schon in der Waschanlage an. Ob das eigene Modell hindurch darf, kann in der Betriebsanleitung stehen. Doch die meisten guten Waschstraßen bieten mittlerweile auch spezielle Programme für Cabrios an. Dort wird der Anpress- und Wasserdruck im Verdeckbereich heruntergefahren. Das ist wichtig. Sonst kann die Kautschuklage unter der Textiloberfläche Schaden nehmen und künstlich altern.

Nicht nur zu hoher Druck ist schädlich, auch Chemikalien können tiefer in das Material eindringen, es aushärten und brüchig werden lassen. Auf Dauer schrumpfen Dächer dann regelrecht und können beim Zumachen spannen und Risse bilden.

Was ist bei Schäden durch die Waschanlage zu tun?

Wer nach der Wäsche Schäden entdeckt, weist das Personal der Anlage am besten darauf hin und macht ein Handyfoto, rät Rechtsanwalt Gregor Samimi vom Deutschen Anwaltverein (DAV). Das Foto sollte auch die Mitarbeiter der Anlage zeigen, die sich den Schaden ansehen. Adressen von Zeugen können außerdem hilfreich sein.

Die Beweislage ist allerdings oft schwierig. Im Idealfall bestätigt der Betreiber den Schaden. «Es kommt aber in der Regel nicht vor, dass sie irgendeine Schuld einräumen. Und sie verweisen häufig auf ihre Versicherung», sagt Samimi. Die fordert in der Regel Fotos und zumindest einen Kostenvoranschlag, wenn sie den Schaden anerkennt.

Bezweifelt die Versicherung, dass der Schaden durch die Anlage entstanden ist, bleibt oft nur der Klageweg. Ein Sachverständiger sei dann nötig. Das ist auch der Fall, wenn der Betreiber gleich ausschließt, dass seine Anlage den Schaden verursacht hat.

Denn der Kunde ist hier in der Beweispflicht, schreibt der ADAC. Ist ein Fehlverhalten durch ihn auszuschließen, etwa mit Hilfe eines Sachverständigen, muss der Betreiber zahlen. Selbst dann, wenn das Auto durch Fehler in der Anlage beschädigt wurde, die nicht mehr aufzuklären sind.

Es gibt aber auch Urteile, nach denen der Betreiber ausnahmsweise nicht haften muss, wenn er im Streitfall konkret nachweisen kann, dass die Anlage fachgerecht gewartet und regelmäßig kontrolliert wurde. Das erklärt der ADAC mit Verweis auf ein Urteil des Landgerichts Wuppertal (13.03.2013, Az.: 5 O 172/11).

Grundsätzlich muss der Betreiber dafür sorgen, dass Kunden die Anlage gefahrlos nutzen können. Ist das nicht der Fall, haftet er in der Regel - etwa nach einem falschen Einweisen auf die Schleppkette.

Tipp: Wer im Streitfall Schwierigkeiten mit dem Betreiber bekommt, kann sich an das Zentrum für Schlichtung wenden. Das versucht laut ADAC, kostenfrei eine Einigung zu erzielen.

Am besten kontrolliert man sein Auto schon vor der Einfahrt in die Waschanlage auf Schäden und dokumentiert die Unversehrtheit mit Fotos. In aller Regel haften Kunden dann, wenn sie sich nicht an die Regeln halten und zum Beispiel trotz Verbot bremsen.

Häufig heißt es in den AGB-Klauseln, man übernehme für beschädigte Außenteile wie Zierleisten, Spiegel und Antennen keine Haftung, solange den Betreiber kein grobes Verschulden trifft. Laut ADAC wurde diese Haftungsbeschränkung vom Bundesgerichtshof aber als unzulässig erklärt (30.11.2004, Az.: X ZR 133/03).

Auto waschen in der SB-Box: Was ist zu beachten?

Bei SB-Boxen wäscht man das Auto mit vor Ort vorhandenen Werkzeugen wie Schaumdüsen- und Hochdrucklanzen komplett selbst mit der Hand. Wie lange Wasser und Pflegemittel laufen, ist an einen Automaten mit Zeitschaltuhr gekoppelt. Dort wirft man Münzen oder Jetons ein.

Wie bei Waschanlagen gibt es im Boden verbaute Systeme mit Ölabscheidern, die das Wasser reinigen und aufbereiten. Meist gibt es auch eine Waschbürste, die aussieht wie ein schäumender Besen.

Viele Experten sehen deren Einsatz allerdings kritisch. In der Bürste könnten unter anderem Steinchen und Bremsabrieb lauern, was man sich dann über den Lack zieht, sagt Petzoldt.

Wer die Waschbürste nutzen will, sollte sie sich genau anschauen und gründlich ausspülen, etwa mit dem Dampfstrahler, empfiehlt Frank Reichert von der GTÜ. Und man sollte die Bürste dann nur mit ganz wenig Druck über die Oberfläche führen.

Petzoldt rät dazu, nur mit Hochdruckreiniger und Schaumlanze kontaktlos zu arbeiten. Ganz ohne mechanische Hilfe durch eigene Schwämme oder Ähnliches dürfte ein stark verschmutztes Auto aber nicht wirklich sauber werden. Bloß darf man nicht überall eigene Putzmittel mitbringen. Nach Ansicht des Experten sind die Boxen ideal, um Verschmutzungen schnell abzuspritzen, bevor sich der Dreck stark festsetzen kann. Oder man nutzt sie zur Vorwäsche.

Wie kann eine Vorwäsche das Ergebnis verbessern?

Je effizienter die Vorwäsche, desto perfekter das Ergebnis - das gilt besonders für stark verschmutzte Autos, sagt GTÜ-Mann Reichert. In diesem Fall also ab in die Waschbox. Hier konzentrieren sich Könner auf problematische Partien, an die die Bürsten der Waschanlage nicht gut rankommen. Denn: «Die Waschanlagen sind auch keine Zauberkisten.»

Vor allem die Felgen sind meist stärker dem Schmutz ausgesetzt. Zwar gibt es Waschprogramme für Felgen, doch optimal lässt sich vorgeweichter Dreck nur selbst entfernen. «Je schmutziger ein Auto ist, umso mehr Wasser sollte man bei der Vorwäsche benutzen», sagt Petzoldt.

Wie gehe ich bei der Auto-Vorwäsche vor?

Mit dem Hochdruckreiniger sollte man auf einen Abstand von 30 bis 40 Zentimetern achten. Wer sich auf wenige Zentimeter nähert, riskiert Schäden. Bei vorhandenen Rissen könnte sich zum Beispiel Lack ablösen. Außerdem werde der Schutz von Gummidichtungen ausgespült, wodurch sie schneller altern und im Winter festfrieren, so Petzoldt.

Insektenreste lassen sich mit nassem Zeitungspapier oder weichen Tüchern mit etwas Spülmittel einweichen - und danach leichter und vor allem gefahrloser für Lack und Kunststoffteile entfernen.

Folgende Bereiche sind für die Vorwäsche besonders wichtig:

  • die Frontschürze
  • der Spritzwasserbereich, also vom Schweller bis zu den Radläufen
  • der Heckbereich beim Kombi
  • Tote Winkel, an die die Waschwalzen nicht gut rankommen (hinter den Spiegeln, unter Spoilerkanten oder bei den Griffmulden)

Diese Profi-Tipps verbessern das Ergebnis der Handwäsche:

  • Ein Fall für zwei: Bei der Handwäsche schwört Christian Petzoldt auf seine Zwei-Eimer-Technik. Lauwarmes Shampoo-Wasser in den einen Eimer füllen. Der andere enthält klares Wasser, um darin den Schwamm oder Mikrofaser-Waschhandschuh zu reinigen. Das verhindert, dass Schmutz und Sand immer wieder auf dem Lack verrieben werden.
  • Nicht zu viel nehmen: Shampoo oder Felgenreiniger sollte man nicht überdosieren. Das trägt die Konservierung ab, kann Flecken erzeugen und schädigt Kunststoff- und Gummiteile. Bei konventionellen Insektenlösern zum Beispiel ist eine vorhandene Wachsschicht in der Regel nach der einmaligen Anwendung weg.
  • Stück für Stück: Wenn es sehr warm ist, sollte man in Abschnitten waschen. Das verhindert, dass das Gemisch aus Reiniger und Schmutz antrocknet und einbrennt. Immer von oben nach unten und vom Dach und den Hauben hin zu den Seitenteilen vorarbeiten.
  • Vorsicht im unteren Spritzwasserbereich: Hier gibt es ein besonders hohes Schmutzaufkommen, unter anderem durch Bremsabrieb. Daher ganz besonders sorgfältig immer wieder das Waschwerkzeug säubern, um Kratzer durch gelöste Schmutzteilchen zu verhindern.
  • Kneten gegen Ablagerungen: Noch spürbare Ablagerungen entfernt man mit einer speziellen Lackreinigungsknete aus dem Fachhandel. Sonst sorgen die gelösten Schmutzpartikel beim Polieren für markante Spuren im Lack. Die Knete reinigt ohne Lackabtrag. Man führt sie über den mit etwas Shampoo-Wasser leicht angenässten Lack und nimmt die Partikel auf. «Danach sollte sich die Oberfläche glatt wie eine Glasscheibe anfühlen», sagt Petzoldt. Bei Bedarf können nun eine Politur und die Versiegelung mit Wachs folgen.

Wie kann ich mein Cabriodach reinigen?

Immer weiche Werkzeuge und milde Reiniger nutzen und auf harte Bürsten und aggressive Reinigungschemie verzichten. «Weniger ist mehr», sagt Petzoldt - wie so oft bei der Autopflege.

Beim Verdeck kann auch etwas pH-neutrale Körperseife oder Haarshampoo ohne Conditioner zum Einsatz kommen. Wie beim Haarewaschen gilt: Immer mit viel Wasser ganz gründlich abspülen, sodass wirklich keine Reiniger und Schaumreste auf dem Dach zurückbleiben.

«Bleiben Seifen- oder Shampooreste auf dem Dach, werden die bei jeder hohen Luftfeuchtigkeit, bei jedem Regentag wieder eine Lauge, die weiter an der Oberfläche frisst», sagt der Experte.

Mit einer weichen Bürste und leichtem Druck arbeitet man entlang der meist sichtbaren Laufstruktur des Stoffes. So laufen die Borsten auch sauber in der Vertiefung und holen dort den Schmutz raus.

Nicht unkontrolliert mit zu harten Bürsten diagonal oder kreisend über den Stoff gehen. «Das bedeutet eine höhere mechanische Belastung für den Faden, und die Oberfläche verschleißt künstlich», sagt Petzoldt.

Wenn das Wasser nicht mehr richtig abperlt, kann das Stoffdach nach dem Reinigen und Trocknen mit Spezialmitteln imprägniert werden.

Wo darf ich mein Auto waschen?

Die Autowäsche vor der Haustür ist nicht bundeseinheitlich geregelt. Laut Umweltbundesamt gilt die Grundregel: Autofahrer dürfen ihren Wagen in der Regel gar nicht mehr auf unbefestigten Flächen waschen.

Einige Kommunen verbieten das außerdem auch auf befestigtem Grund, also auf geteerten oder asphaltierten Flächen. Das soll verhindern, dass giftige Stoffe in die Kanalisation gelangen. Und das kann selbst bei klarem Wasser passieren, wenn damit zum Beispiel Treibstoff, Ruß-, Teer- und Ölrückstände vom Auto abgespült werden. Laut UBA kann schon ein Tropfen Öl bis zu 8000 Liter Grundwasser verseuchen.

Unabhängig davon, wie die Rechtslage vor Ort nun genau aussieht: «Aus Umweltsicht ist prinzipiell zu empfehlen, die Fahrzeugwäsche nur in dafür vorgesehenen Waschanlagen vorzunehmen», sagt Felix Poetschke, Sprecher des Umweltbundesamtes.

Minden/Hagen (dpa/tmw) - Regelmäßige Autowäsche ist der Grundstein für ein top gepflegtes Auto - und für dessen Werterhalt. Viel Zeit dafür müssen Sie dank moderner Waschanlagen nicht mehr investieren. Für ein perfektes Ergebnis sollten Sie aber wissen, was Sie tun.

Experten zeigen, wie Sie die Anlagen optimal nutzen und teure Fehler vermeiden. Wer voll die Kontrolle behalten will, greift selbst zu Schwamm und Shampoo. Was dabei zu beachten ist und wie Cabrios und Sportwagen sauber

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