Alfdorf

Öffentliche Bücherregale in Alfdorf: Maischerz sorgt für Eigendynamik

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Im ehemaligen Buswartehäuschen in Hellershof gibt es nicht nur Bücher zum Tauschen. © Gaby Schneider

Tauschregale sind seit ein paar Jahren immer mehr im Trend – im Zeichen der Nachhaltigkeit und auch deswegen, weil die meisten Leute Bücher nur ungern in der Papiertonne entsorgen. Nach dem Regal in Hellershof und in Vordersteinenberg wird man auf der Suche nach kostenlosem Lesestoff jetzt auch im Zentrum von Alfdorf fündig.

In Welzheim kann man seit zwei Jahren in einem öffentlichen Regal auf die Suche nach Krimis, Liebesromanen, Kinder- und Sachbüchern gehen, die sonst ungelesen irgendwo zu Hause verstaubt wären. Jetzt hat Alfdorf nachgezogen und gegenüber vom Marktplatz ein eigenes aufgestellt. Auf die Idee war Stadtrat Klaus Hinderer schon vor einiger Zeit gekommen, wurde von der Alfdorferin Brigitte Hermann darin bestärkt und fand in Paul Walter (ebenfalls Alfdorf) den Baumeister, der das Regal zusammenzimmerte.

Bürgermeister Ronald Krötz steuerte eine Bibel und „Die Welle“ von Morton Rhue bei, einen Bestsellerroman über das Faschismus-Experiment eines Lehrers, das aus dem Ruder läuft. Jetzt ist das Engagement der Bürger gefragt, die das Regal gern bestücken dürfen.

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In Vordersteinenberg steht ein öffentliches Bücherregal neben dem Kindergarten „Rosentraum“. © Gaby Schneider

Marion Köhler: „Da sind viele schöne Sachen drin!“

In Vordersteinenberg steht das Bücherregal neben dem Kindergarten „Rosentraum“. Erzieherin Marion Köhler hat zwar keinen Überblick, wie stark das Regal während ihrer Arbeitszeit frequentiert wird, holt sich aber durchaus auch selbst das eine oder andere Buch heraus. „Da sind viele schöne Sachen drin“, meint sie.

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Gegenüber dem Alfdorfer Marktplatz steht das neueste öffentliche Bücherregal. © Gaby Schneider

Und in Hellershof hat das öffentliche Bücherregal (das dort in der ehemaligen Bushaltestelle steht) eine ganz eigene Geschichte. Angefangen hat das Ganze, meint Organisatorin Dorothea Bolay, 2015 mit einem Maischerz.

Da stellten sie und ihr Mann das Regal quasi „aus Jux und Tollerei“ auf – aber in den Jahren danach entwickelte das zuerst ganz und gar nicht ernst gemeinte Projekt ein überraschendes Eigenleben. Nicht nur wurde es von den Leuten gern angenommen, mittlerweile werden in diesem Regal keineswegs nur Bücher getauscht – man findet dort auch Spiele, Haushaltsgegenstände und Kleidung. Alles gut erhalten und intakt natürlich – denn genau wie Bürgermeister Ronald Krötz weist Dorothea Bolay nachdrücklich darauf hin, dass man die öffentlichen Regale tunlichst nicht als Möglichkeit zur kostenlosen Müllentsorgung missverstehen sollte. Um den Inhalt des Regals zu schützen, hat man vor einiger Zeit extra eine Plexiglasscheibe angebracht, und die Bücher werden nach etwa einem halben Jahr ausgetauscht, wenn sie bis dahin noch niemand mitgenommen hat.

Bleibt zu wünschen, dass das Bücherregal am Marktplatz genauso erfolgreich wird - und obendrein von Vandalismus verschont bleibt. Aus dem Welzheimer Bücherregal beispielsweise ist zwar zum Schrecken der Organisatoren in der Adventszeit 2019 die Weihnachtsdekoration geklaut worden, aber ansonsten ist es noch heil und ganz.