Alfdorf

Der Welzheimer Wald ist in Gefahr

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So wie hier im Bild sah es diesen Sommer an vielen Stellen im Welzheimer Wald aus: Tannen mit rot gefärbten Nadeln, die eine Vorstufe zum Absterben darstellen. © ZVW/Gaby Schneider

Alfdorf.
Massive Borkenkäferschäden an Fichte und Buche, rote Verfärbungen an der Tanne: Die extreme Witterung hat dem Welzheimer Wald zuletzt arg zugesetzt. „Die Situation ist sehr dramatisch“, so Tobias Horwath vom Kreisforstamt.

Während der Borkenkäfer bereits seit vielen Jahren Sorgen bereite, hätten ihn die Schäden an der Tanne ziemlich überrascht. Der Baum galt bislang eigentlich als der mit am besten für die Region angepasste. Doch rote Verfärbungen seien diesen Sommer überall im Welzheimer Wald sichtbar gewesen. Und das nicht im Herbst, sondern bereits im Sommer. Ein klares Signal, dass es den Bäumen nicht gutgehe. Mehr noch: „Das ist eine Vorstufe vom Absterben.“

Zwei trocken-heiße Sommer haben den Bäumen zugesetzt

Der Klimawandel und das damit einhergehende trocken-heiße Wetter setzen den Bäumen zu. Denn Dürre und tropische Temperaturen sind die einheimischen Hölzer schlicht nicht gewohnt.

„Wir fahren auf Sicht“, sagte daher auch der Alfdorfer Revierförster Gert Pfeiffer bei der Vorstellung des Betriebsplans für das kommende Jahr im Gemeinderat. Im laufenden Jahr hat er im Kommunalwald fast ausschließlich Schadholz geerntet. Und das noch nicht einmal in Höhe des zu erwartenden Jahreseinschlags. Der Wald konnte, anders gesagt, nicht planmäßig genutzt werden. Hinzu kommt, dass der Holzpreis regelrecht eingebrochen ist. „Wir mussten froh sein, dass wir das Holz überhaupt aus dem Wald bekommen haben.“ Schuld daran waren Stürme, Pilze, Borkenkäfer und das sich ändernde Klima. Für das kommende Jahr rechnet Pfeiffer weiter mit massiven Schäden – und schlechten Erlösen.

Künftig keine Nadelbäume mehr im heimischen Wald?

Der Klimawandel stellt die Forstwirtschaft ganz generell vor große Herausforderungen, betonte Pfeiffer. Nicht nur, dass die Tanne bei einer weiteren Erwärmung gefährdet wäre. Es könnte, je nach Erwärmung, gut sein, dass mittelfristig gar keine Nadelbäume mehr in der Region überleben.

Auch das Wiederaufforsten sei eine Herausforderung. Nur etwa die Hälfte der Jungbäume überlebe meist. Der Boden sei vielerorts einfach zu trocken. Eigentlich müssten sie händisch gegossen werden – ein Aufwand, der im 161 Hektar großen Alfdorfer Kommunalwald aber nicht zu leisten sei.

Eine Erfahrung die auch Gemeinderat und Alfdorfs größter privater Waldbesitzer Götz von Holtz gemacht hat. An einer exponierten Südfläche habe er tausend Bäume aufforsten lassen. Doch keiner davon überlebte. Nur durch händisches Gießen sei es gelungen, die Überlebensquote in diesem Jahr auf rund 70 Prozent zu erhöhen.

Gemeinde will erst einmal sparsam planen

Rund tausend Bäume pflanzt auch die Gemeinde jedes Jahr – zuletzt Weißtannen in einem Gebiet mit Knollenmergel. Auf dem tonigen Boden hat diese Sorte besonders gute Überlebenschancen. Allerdings räumt auch Pfeiffer ein: „Wir wissen nicht, ob das richtig ist.“ Nach heutigem forstwissenschaftlichen Stand, so Horwath vom Forstamt, sei die Baumart gut geeignet, auch weil sie über eine große genetische Variation verfügt. Es könne aber auch gut sein, dass sich die heutige Pflanzung in 50 Jahren als Fehler erweise.

Für das kommende Jahr will die Gemeinde daher erst einmal sparsam planen. Sie rechnet mit Verkaufserlösen von gerade mal 50 000 Euro. Zusammen mit den Einnahmen aus Jagdpacht und dem Mehrlastungsausgleich (Geld, das die Kommune bekommt, weil der Wald auch zur Naherholung dient) ergibt das rund 57 000 Euro Einnahmen. Dem stehen Ausgaben von rund 60 000 Euro gegenüber. Der Forst wird also voraussichtlich ein Minus erwirtschaften.

Das liegt aber auch an einer Reform, die zum 1. Januar 2020 den Forst neu regelt – und die durchaus als historisch bezeichnet werden darf. Der Staatswald wird dann nicht mehr von Gert Pfeiffer betreut (siehe: Künftig neun Forstreviere im Kreis). Dafür vergrößert sich sein Revier, das in Alfdorf und Urbach künftig 286 Hektar Kommunalwald umfassen wird. In diesem Zuge steigt die Forstverwaltungsgebühr deutlich: von rund 11 000 auf knapp 20 000 Euro.

Segan: Noch mehr Bäume pflanzen nicht so einfach

Im Gemeinderat, der diesen Betriebsplan einstimmig verabschiedete, stellten abschließend mehrere Räte die Frage, ob die Gemeinde nicht noch mehr Bäume pflanzen könne. Dies sei außerhalb bestehender Waldflächen aber gar nicht so einfach, sagte Bürgermeister Michael Segan. Müsse man dazu doch zunächst Flächen finden und dann auch formell die Aufforstung beantragen. Die Gemeinde habe das im Moment nicht geplant. Ohnehin sei Alfdorf mit seinen vielen kleinen Teilorten bereits jetzt etwa zur Hälfte bewaldet.


Alfdorf.
Massive Borkenkäferschäden an Fichte und Buche, rote Verfärbungen an der Tanne: Die extreme Witterung hat dem Welzheimer Wald zuletzt arg zugesetzt. „Die Situation ist sehr dramatisch“, so Tobias Horwath vom Kreisforstamt.

Während der Borkenkäfer bereits seit vielen Jahren Sorgen bereite, hätten ihn die Schäden an der Tanne ziemlich überrascht. Der Baum galt bislang eigentlich als der mit am besten für die Region angepasste. Doch

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