Alfdorf

Die Familie Köpf aus Alfdorf-Rienharz lebt in Barcelona: Welche Unterschiede gibt es, auch in der Corona-Pandemie?

Familie Köpf
Die Familie Köpf aus Alfdorf-Rienharz lebt nun seit rund einem halben Jahr in Barcelona. Worin liegen die größten Unterschiede? © Privat

Die Corona-Krise und vor allem der Lockdown sind das beherrschende Thema in Deutschland. Aber manchmal ist es gut, über den Tellerrand hinauszublicken. Der ehemalige Alfdorfer Gemeinderat Sebastian Köpf flog mit seiner Familie mitten in der Pandemie im vergangenen Jahr nach Barcelona, um dort nun zu arbeiten und zu leben. Dass es Unterschiede zwischen der Dorfgemeinde Alfdorf und der Weltstadt Barcelona gibt, ist klar, aber wie sehen die im Detail, auch während der Pandemie aus? Haben in Barcelona auch die Schulen und Kindergärten so lange einen Lockdown gehabt wie hier in Deutschland?

„Barcelona mit Alfdorf oder unserem alten Heimatort Alfdorf-Rienharz zu vergleiche, ist natürlich nicht möglich. Das sind einfach zwei Welten. Auf der einen Seite ein idyllisches Dorf, wo man sich kennt und hilft, auf der anderen Seite eine Stadt mit mehr als 1,5 Millionen Einwohnern“, erzählt Sebastian Köpf.

Hier in Barcelona habe seine Familie jedoch wie in Rienharz auch schnell Anschluss gefunden und Glück gehabt bei der Wohnungssuche. „So wohnen wir inzwischen in einer großen Wohnanlage, die zwar mehr Einwohner hat als Rienharz, aber dennoch eine Gemeinschaft hat, wo man sich trifft, unterhält, sich gegenseitig hilft und unterstützt – zum Beispiel Kinder von der Schule abholen, fehlende Eier für den Kuchen ausleihen oder Informationen über Behördengänge austauschen. Gemeinsam mit den anderen Familien in der Wohnanlage teilen wir uns einen Sportplatz mit Fußballtoren, Basketballkörben und Fitnessgeräten, wo vor allem am Wochenende immer viel los ist und auch Fußballturniere ausgetragen werden“, erzählt Sebastian Köpf. Ansonsten wohne er in direkter Nachbarschaft zum Trainingsgelände vom FC Barcelona, wo man zum Trainingsende dann die neuesten Sportwagen bewundern kann, wenn Messi & Co. nach Hause brausen.

Die drei Kinder haben die Umstellung sehr schnell gemeistert

Für die Kinder war die Umstellung von der familiären Grundschule im Lindengarten Pfahlbronn an die Deutsche Schule Barcelona mit rund 1700 Schülern am Anfang natürlich erst mal eine Veränderung, gerade weil auch aufgrund von Corona keine Orientierungs- oder Begrüßungsveranstaltung möglich war und Pausenorte, Laufwege auf den Fluren und Abhol- und Bringzeiten sehr klar definiert wurden. „Jedoch hat sich hier mal wieder gezeigt, wie schnell sich Kinder an neue Situationen anpassen können, denn schon nach wenigen Tagen hatten Jonathan im Kindergarten der Deutschen Schule, Hannah und Sarah in der Grundschule der Deutschen Schule ihre Routine gefunden und sich auf die Herausforderungen eingestellt.

„Inzwischen sind sie froh, dass sie täglich Schule haben und ihre neuen Klassenkameraden sehen und treffen können und normalen Präsenzunterricht haben. Hannah und Sarah haben das erste Halbjahreszeugnis erhalten und wir stellen fest, dass die Zeit einfach wie im Fluge vergeht“, so Köpf.

Der größte Unterschied ist natürlich die spanische Sprache

Worin liegen die größten Unterschiede zwischen Deutschland und Spanien? „Ganz klar die Sprache, aber hier haben wir uns nach sechs Monaten inzwischen gut zurechtgefunden und haben neben Kontakten zu spanischen Familien, mit welchen wir uns dann auch auf Spanisch, und hilfsweise Englisch, verständigen können, auch Kontakte zu anderen deutschen, brasilianischen und weiteren Familien gefunden, mit welchen wir die Wochenenden verbringen“, erzählt der Familienvater.

Ansonsten sei das Wetter natürlich komplett anders, von dem Winter-Wonderland aus dem Süden Deutschlands habe man hier nichts gesehen, an kalten Tagen hatte man im Normalfall immer noch um die zehn Grad plus und „wir waren daher eher wandern oder am Strand, da auch weitere Ausflüge wie zum Beispiel in die Pyrenäen aufgrund von Corona nicht erlaubt sind“, sagt Sebastian Köpf.

Die mediterrane Küche und die Kultur sind natürlich ebenfalls grundverschieden. Vom „gefüllten Schnitzel“ bei Jockel im Rössle habe man sich inzwischen auf Paella mit Meeresfrüchten umstellen müssen und auch ansonsten gibt es hier nicht die bekannten schwäbischen Soßen oder Maultaschen, „weshalb wir uns über gelegentliche Care-Pakete sehr freuen“, so Köpf.

Auch der Tagesablauf hat die Familie erst mal überrascht. So essen die Spanier ab 14 Uhr zu Mittag und Abendessen gibt es dann um 20.30 bis 21 Uhr. Entsprechend öffnen auch die Restaurants, so dass es am Anfang echt schwierig war, abends mal essen zu gehen, „da unsere schwäbischen Mägen gegen 18:30 Uhr eigentlich schon ein Abendessen verlangten“, meint der ehemalige Alfdorfer Gemeinderat.

Die Spanier seien aber sehr offen, kontaktfreudig und hilfsbereit, ganz besonders wenn es um Familien geht und im Moment ist natürlich alles coronakonform, mit Abstand und Maske.

„Dennoch war das für uns eine große Hilfe bei all den Themen, die man gerade am Anfang klären muss, mit Anmeldungen, Sportvereinen, Schulen, Musikschule, Amtsangelegenheiten und Co. Auch die zahlreichen Spielplätze sind sehr sauber und die Gastfreundschaft schätzen wir sehr, was uns natürlich gerade jetzt am Anfang hilft“, so Köpf.

„Der Umgang mit Corona funktioniert hier nahezu perfekt“

Das bestimmende Thema aktuell ist jedoch Corona, auch in Spanien. Aber wie gehen die Menschen in Barcelona mit Corona um? Gibt es auch Lockdowns?

„Der Umgang mit Corona funktioniert aus unserer Sicht hier nahezu perfekt. Im Herbst wurde in Spanien ein Notstandsgesetz verabschiedet, welches der Staatsregierung die Möglichkeit gibt, für ganz Spanien mehr oder weniger durchzuregieren; was dennoch zu regionalen Unterschieden bei den Maßnahmen führt, aber sehr klar und transparent ist“, sieht Köpf den größten Unterschied zu Deutschland. „Für uns gibt es zwei zentrale Maßnahmen, die uns einschränken: Die eine ist die Ausgangssperre zwischen 22 und 6 Uhr, die andere ist die eingeschränkte Bewegungsfreiheit, die sich je nach Lage in den letzten Monaten zwischen Municipio (Stadtgebiet) und Comarca (Landkreis) bewegt“, berichtet Sebastian Köpf.

An die Maske, die man zu jeder Zeit in der Öffentlichkeit tragen muss (außer beim Sport) habe man sich gewöhnt, das sei in der Zwischenzeit schon normal geworden. „Bars und Restaurants haben seit November am Abend geschlossen, bis 16:30 Uhr können sie aber ganz normal öffnen, was natürlich zum Mittagessen super genutzt wird und wir genießen das am Wochenende auch mal gerne“, berichtet Köpf. In Deutschland haben Bars und Restaurants seit Monaten geschlossen.

Gerade als deutsche Familie in Spanien mit Kindern ist es wichtig, dass „hier Schulen, Sportvereine und alle anderen Aktivitäten für die Kinder regulär stattfinden“, sagt Sebastian Köpf und meint weiter: „So haben unsere Kinder einen normalen Alltag, gehen normal zur Schule. Jonathan trainiert zweimal die Woche im Fußballverein, die Mädchen gehen zur Leichtathletik, in die Musikschule und sogar in den Schwimmkurs - und das funktioniert trotz Corona super.“ Zum einen hätten die Kinder dort Freunde und Spielkameraden gefunden, haben Kontakte geknüpft und können ihren Hobbys nachgehen, was bei der Integration extrem helfe.

Corona: Alle 14 Tage gibt es ein Update für die nächsten zwei Wochen

Alle 14 Tage gibt es ein Update der Regierung, in welchem die Maßnahmen für die nächsten zwei Wochen verkündet werden. „Nach dem harten Lockdown im Frühjahr 2020 sind aber Maßnahmen zu Schulschließungen ausgeschlossen, da sich diese hier nicht als Infektionstreiber erwiesen haben und für die Familien als zu hohe Belastung erachtet werden“, sagt Köpf, der sich in Spanien wohflühlt, denn in Deutschland spricht man ja schon wieder von möglichen Schulschließungen bei einer Inzidenz ab 200.

„Nichtsdestotrotz merkt man natürlich den fehlenden Tourismus hier in Spanien, was wirtschaftlich in vielen Bereichen für riesige Probleme sorgt und das Land und die zahlreichen Menschen aus der Branche vor immense Herausforderungen stellen wird. Und wie überall, trifft es auch hier gerade die Familien und Menschen, welche eh schon nicht so viel haben“, erzählt Köpf. „Was uns besonders fehlt: Sehr gerne würden wir mal wieder für zumindest ein paar Tage nach Rienharz reisen, und unsere Nachbarn und Freunde und Familie sehen, aufgrund der Einreiseregeln zwischen Spanien und Deutschland ist das aufgrund des Aufwands für Tests und Quarantäne jedoch nicht möglich. Hier schauen wir jetzt mal in Richtung Sommer und planen dann einen Besuch in der Heimat, um Freunde und Familie zu treffen und eine ordentliche Portion Maultaschen zu essen, am besten mit einem frischen Bier.“

Die Corona-Krise und vor allem der Lockdown sind das beherrschende Thema in Deutschland. Aber manchmal ist es gut, über den Tellerrand hinauszublicken. Der ehemalige Alfdorfer Gemeinderat Sebastian Köpf flog mit seiner Familie mitten in der Pandemie im vergangenen Jahr nach Barcelona, um dort nun zu arbeiten und zu leben. Dass es Unterschiede zwischen der Dorfgemeinde Alfdorf und der Weltstadt Barcelona gibt, ist klar, aber wie sehen die im Detail, auch während der Pandemie aus? Haben in

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