Alfdorf

Energiewende für Alfdorf: Neues Projekt soll Möglichkeiten vor Ort zeigen

Bürgerdialog 2
Das Bürgerenergie-Team und Bürgermeister Ronald Krötz suchen Mitstreiter für die Energiewende in Alfdorf. © Markus Metzger

Immer mehr Stühle werden hereingetragen und man rückt im Nebenzimmer der Alfdorfer Ratsstube enger zusammen. Voll ist es, denn an die 50 Leute sind dem Aufruf der Macher des neu gegründeten Projekts „Bürgerenergie“ gefolgt. Für das von Daniel Eichler, Armin Elser, Udo Schairer und René Zimmer ins Leben gerufene Energiewende-Projekt wurde die Kernfrage gestellt, was mit etablierter Technik, mit verträglichem Einfluss auf Natur und Bürger – vor Ort – überhaupt möglich sei.

Bürgermeister Ronald Krötz bringt es wie folgt auf den Punkt: „Das sind keine Leute, die von außen kommen, sondern Menschen, die völlig ideologiefrei gemeinsam miteinander diskutieren wollen.“ Er ergänzt, „dass man hier vor Ort Verbündete suche, für das wichtige Thema Klimaschutz.“ Selbst sehen sich die Initiatoren als Schnittstelle zur Gemeinde und können so Flächenanalysen und Gutachten anstoßen. „Zudem kann man als Verbund eher professionelle Partner für die Projektumsetzung beauftragen und Kontakte knüpfen“, sagt Projektinitiator René Zimmer.

Viele Begriffe fallen an diesem Abend: von Biomasse, Wasserkraft über Windkraft bis hin zu Photovoltaik. Armin Elser, einer der Projektköpfe, unterstreicht die Richtung mit den Worten: „Windkraft und Photovoltaik wäre das Sinnvollste.“ Letzteres wird am meisten in Augenschein genommen, da hier die Genehmigungsphasen mit zwei bis vier Jahren, im Gegensatz zu Windkraft mit sechs bis acht Jahren, doch weitaus besser zu handhaben seien. Gemeinderat Norbert Wiedmann mahnt hier gleich zu Beginn eindringlich: „Windkraft sei nur in Windvorranggebieten möglich.“

Vorbild aus Bayern: Alfdorf will aber einen eigenen Weg gehen

Projektgründungsmitglied Daniel Eichler sieht generell die ersten Schritte in der Potenzialabschätzung: „Wer kann überhaupt welche Flächen hergeben, und was ist überhaupt machbar?“ Das vierköpfige Team berichtet über einen Besuch auf der Frickenhofener Höhe, bei dem man sich bei den Windradbetreibern schlaumachte. Auch wird mehrfach die Gemeinde Wildpoldsried im Allgäu zitiert, in der in einer Kombination aus Windkraft, Photovoltaik und Biogas, seit über zehn Jahren mehr Strom produziert als verbraucht wird.

Das bayerische Paradebeispiel startete vor gut 20 Jahren in einer Zeit, in der regenerative Energien nicht unbedingt salonfähig waren. „Aber es startete und läuft immer noch sehr erfolgreich“, so Daniel Eichler. Hier hatte man allein im Jahr 2021 bis zu 30 Prozent Rendite eingefahren, und die Rendite ist natürlich ein gewichtiger Faktor bei allen Überlegungen an diesem ersten Infoabend.

Das „überhaupt mal auf den Weg machen“ ist dem jungen Initiator eine echte Herzensangelegenheit. Armin Elser bekräftigt, „dass noch nichts fest zementiert ist“ und man völlig offen für Ideen sei. Daniel Eichler fügt dem hinzu, dass man zudem auf ehrenamtliche Mitstreiter hoffe. Um eine Vorauswahl der eingehenden Ideen inklusive einer Bestandsanalyse machen zu können, ist der 31. Dezember als Annahmeschluss anvisiert. Ein kommender Infoabend mit Vertretern der besagten bayerischen Vorreiter-Gemeinde Wildpoldsried ist ebenfalls in Planung, da diese ihr Fachwissen laut Bürgerenergie-Team „gern und freiwillig“ weitergeben wollen. „Was die Bayern können, können wir auch“, ermutigt Eichler die Anwesenden.

Wie geht es dann weiter?

Eine Lösung: Auf großen Dächern und überdachten Parkplätzen

Am 31. März 2023 soll dann eine Projektauswahl auf Basis von Wirtschaftlichkeit und Umsetzungsfähigkeit getroffen werden. Als Netzwerk und Impulsgeber solle man, so Krötz, die Bürger parallel motivieren „selbst was auf ihr Dach zu machen.“ Eine Lösung sieht Krötz somit zunächst in größeren Dächern und überdachten Parkplätzen. Gemeinderat Wolfgang Hipp weist hier parallel auf die bald volle Erddeponie in Höldis hin, da hier „nichts verschandelt werden würde und eine Riesenfläche sowieso vorhanden ist.“

Außerdem rät Hipp dazu, „öffentliche Gebäude zu nutzen, da man hier nur mit der Gemeinde verhandelt muss und diese ein verlässlicher Partner ist, außerdem die Planungssicherheit gewährleistet ist“. Die Diskussion nimmt an Fahrt auf und auch immer mehr Stimmen aus dem Publikum melden sich zu Wort. Dieter Buchwitz rät „erst mal mit Solar zu starten, da die Akzeptanz dafür im Gegensatz zu Windkraft einfach größer ist.“

Neue Technologien sollen berücksichtigt werden

Wissenswert ist hier, dass 80 Prozent der Alfdorfer Flächen generell im Landschaftsschutzgebiet sind, auch mit Hinblick auf seltene Vögel. Wolfgang Semet aus Alfdorf weiß, „dass neue Technologien ohne Drehflügel an Windrädern auf dem Vormarsch sind.“ Walter Semler aus Brech sieht die Windkraft in Hinblick auf die Baukosten kritisch, „denn die Baukosten sind inklusive Entsorgung höher als die Rendite.“ Laut Bürgerenergie sind Einzelinvestitionen von 5000 bis maximal 100.000 Euro (Beispiel Wildpoldsried) angepeilt, um nicht nur wenige, sondern wirklich viele Bürger teilhaben lassen zu können. Monika Burkhardt rät generell erst mal dazu, „Bedenken abzubauen.“

Auf die Frage hin, wo sich Interessierte, mögliche Mitstreiter und Investoren melden sollen, weist das Bürgerenergie-Team auf die Homepage und E-Mail-Adresse hin. Bürgermeister Krötz scherzt abschließend „dass man ursprünglich Winterbach als sonnigste Gemeinde im Rems-Murr-Kreis titulierte und herausfand, dass dies eigentlich Alfdorf ist.“ Eine Energiewende mit Solarpower vor Ort sei laut Krötz machbar. Das Bürgerenergie-Team hat sich nun offiziell auf den Weg gemacht. Wer Lust bekommen hat, Umweltschutz zu fördern und die Zukunft profitabel mitzugestalten, ist nun eingeladen, sich zu melden.

Immer mehr Stühle werden hereingetragen und man rückt im Nebenzimmer der Alfdorfer Ratsstube enger zusammen. Voll ist es, denn an die 50 Leute sind dem Aufruf der Macher des neu gegründeten Projekts „Bürgerenergie“ gefolgt. Für das von Daniel Eichler, Armin Elser, Udo Schairer und René Zimmer ins Leben gerufene Energiewende-Projekt wurde die Kernfrage gestellt, was mit etablierter Technik, mit verträglichem Einfluss auf Natur und Bürger – vor Ort – überhaupt möglich sei.

Bürgermeister

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