Alfdorf

Für viele Menschen eine Herzenssache

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Für Ella aus Alfdorf wurde ein passender Knochenmarkspender gefunden. Seine Daten stammen aber nicht aus der Spendenaktion im November. © Palmizi / ZVW

Alfdorf. Das Leben der an Blutkrebs erkrankten Ella aus Alfdorf-Adelstetten liegt vielen am Herzen. 488 Menschen sind dem Aufruf des Landfrauenvereins Alfdorf gefolgt und haben sich als potenzielle Stammzellspender bei der DKMS registrieren lassen.

Svenja Schlechter aus Alfdorf kennt Ella vom Sehen. „Es gehört sich einfach, heute hierherzukommen und zu helfen“, meint sie und bekommt von Karin Schäfer aus Pfahlbronn drei Wattestäbchen überreicht. Jedes Stäbchen bewegt die 19-jährige Studentin eine halbe Minute im Mundraum hin und her, reibt dabei die Mundschleimhaut in der Wange.

„Es ist wichtig, dass die Landfrauen es auf die Beine gestellt haben"

„Das Zellmaterial ist nicht wie viele denken in der Spucke, sondern an der Wange“, erklärt Karin Schäfer, eine Freundin von Ella. Zur Kontrolle, dass die Spender die Wattestäbchen nicht zu früh aus dem Mund nehmen, läuft eine Sanduhr mit.

An einem anderen Tisch reichen Mitarbeiterinnen einer Apotheke in Schwäbisch Gmünd den Spendern die Stäbchen. „Es ist wichtig und gut, dass die Landfrauen es auf die Beine gestellt haben, auch um junge Menschen zu aktivieren“, sagt Apothekerin Heike.

Ihr Team habe keine Sekunde gezögert, als Helfer dabei zu sein. Zu ihren Aufgaben gehört es, die Spender nach Vorerkrankungen zu fragen, Adressdaten und Geburtsdatum aufzunehmen und aufzuklären über das Verfahren.

Ines hat ihren Lebensretter bereits gefunden

Die Adelstetterin Ella hat Blutkrebs und braucht eine Stammzellspende. Jede Spendenaktion hat einen ungewissen Ausgang, denn „manche Menschen haben mehrere, manche gar keinen genetischen Zwilling“, ordnet Nathalie Mauz, ehrenamtliche Aktionsleiterin des DKMS Tübingen die „Suche nach der genetischen Nadel im Heuhaufen“ ein.

Dass die Suche aber ein glückliches Ende nehmen kann und darum jeder Spender so immens wichtig ist, zeigt der Fall der heute 28-jährigen Ines aus Alfdorf. Sie hat mit einer Stammzelltransplantation den Krebs besiegt und hilft jetzt bei der Registrierungsaktion für Ella mit, um „zu zeigen, wie wichtig es ist und dass Spenden nichts Schlimmes ist, aber so vielen Menschen helfen kann“.

Im örtlichen Vereinsleben fest verwurzelt

Sie will etwas zurückgeben von der Hilfe, die sie selbst erhalten hat. 2011 wurden in Welzheim für sie Spender gesucht. Ihr Lebensretter sei nicht dort gefunden worden, er komme vom Bodensee und sie kenne ihn inzwischen. Die Blutgruppe sei nicht identisch gewesen – das sei für die Stammzellenspende nicht nötig, bestätigt Nathalie Mauz.

Wichtig sei die Übereinstimmung der HLA. Ella, eine im örtlichen Vereinsleben fest verwurzelte und nicht wegzudenkende Frau aus Alfdorf, ist angewiesen auf Stammzellen, die „exakt an denselben Stellen in der HLA dieselbe Kombination und Ausprägung der zwölf Gewebemerkmale“ aufweisen wie ihre eigenen, so Mauz über das humane Leukozytenantigen-System (HLA-System), ein Strang innerhalb der DNA, der zentral sei für die Funktion des Immunsystems.

Vielleicht sitzt Ellas genetischer Zwilling hier irgendwo an einem der Tische in der Alten Halle, die immer gut besetzt sind. 50 Personen in der ersten halben Stunde, das sei eine sehr hohe Zahl, sagt Gudrun Carbon-Segan, Vorsitzende des Landfrauenvereins Alfdorf.

Zentrale Erfassung

Auch die 31-jährige Daniele Hauber hat sich registrieren lassen. „Man muss anderen Menschen helfen, auch weil es jeden einmal selbst betreffen kann.“ Dem 19-jährigen André aus Ruppertshofen ist es ein Anliegen, „etwas Gutes zu tun“. Jeder, der sich registrieren lässt, wird zentral erfasst.

Sollten die Stammzellen nicht zu denen von Ella passen, kann es sein, dass ein anderer Mensch irgendwo auf der Welt mit ihnen geheilt wird. Zwei bis drei Wochen dauere es, bis die Daten in Ulm bei der zentralen Datenbank eingegangen sind, so die DKMS-Ehrenamtliche Nathalie Mauz.

Bei Ella besteht Hoffnung

Sollte ein Spender für Ella gefunden werden, bekomme er intravenös ein körpereigenes Hormon verabreicht, das seinen Körper anregen soll, die im Becken befindlichen Stammzellen vom Knocheninneren ins Blut abzugeben, wo sie abgenommen werden.

Bei Ella bestehe Hoffnung, da die Krebserkrankung in einem frühen Stadium erkannt worden sei. „Es ist nicht die Akutform, allerdings benötigt sie dringend Stammzellen, weil ihre Vorform jederzeit in die akute Leukämie wechseln kann“, so Mauz.


Viele helfen mit

  • 24 ehrenamtliche Helfer der Dorfgemeinschaft Adelstetten, der Parler- und Rems-Apotheke Schwäbisch Gmünd, des Musikvereins Pfersbach und des DRK Alfdorf haben die Daten der Spender aufgenommen, die sich mit einem Abstrich ihrer Mundschleimhaut registrieren ließen.
  • 700 Euro hat die Dorfgemeinschaft Adelstetten gespendet. Das Geld reicht für 20 Spender.