Alfdorf

Krebskranker Familienvater aus Alfdorf sucht genetischen Zwilling

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Wer sich für die Typisierung bei der DKMS online registriert, bekommt einen kleinen Becher und Wattestäbchen zur Probenentnahme nach Hause geschickt. © Gaby Schneider

Dass Wolfgang Zerbin Blutkrebs hat, war wie ein „Hammerschlag auf den Hinterkopf“, sagt Domenik Zerbin, der Sohn des Erkrankten. Sein Vater sei fit gewesen, habe nie etwas gehabt, arbeitet seit 46 Jahren in seinem Beruf als Maurer, auf dem Bau, ein Schaffer, einer, den nie etwas umgehauen hat. „Es kam alles aus dem Nichts für uns“, so der Sohn. Die Familie sucht mit Unterstützung der DKMS nach einem passenden Spender und ruft jeden dazu auf, sich typisieren zu lassen. „Es dauert nicht lange, der Wattestäbchen-Abstrich tut nicht weh, jeder Einzelne kann ein Lebensretter sein“, sagt Domenik Zerbin.

Ein genetischer Zwilling könnte die Rettung für Wolfgang Zerbin sein. Er hat kurz vor seinem 60. Geburtstag erfahren, dass er an Leukämie erkrankt ist. Die Diagnose krempelte das Leben der Familie um. Wolfgang Zerbin leidet an „akuter myeloischer Leukämie“ (AML), die häufigste Form akuter Leukämien bei Erwachsenen. Wenige Tage nach Einlieferung in die Klinik in Mutlangen hat er eine Chemotherapie begonnen. Dadurch sei sein Immunsystem am Boden, die Infektionsgefahr extrem hoch.

Die Familienmitglieder dürfen ihn nur einzeln besuchen

„Ihm geht es nicht besonders gut, so dass er nicht telefonieren oder längere Zeit sprechen kann“, schreibt der Sohn auf Nachfrage. Da er auf der Krebsstation liegt, darf er außer der Familie keinen Besuch empfangen. Die Familienmitglieder dürfen nur einzeln durch die Hygieneschleuse und in sein Zimmer. Wenige Tage nach der Einlieferung wurde Wolfgang Zerbin Großvater, doch er konnte seine Enkelin noch nicht in die Arme schließen. „Einmal hat er sie gesehen, durch die Glasscheiben hindurch“, erzählt Domenik Zerbin. Und der nächste Enkel ist schon unterwegs. „Meine Frau ist hochschwanger, in wenigen Tagen ist Geburtstermin für unseren Sohn“, berichtet Domenik Zerbin.

Statt Vaterschaft und Großelternschaft freudig zu begrüßen, dreht sich für die Familie von morgens bis nachts alles um die Suche nach einem passenden Spender. Die Familienmitglieder scheiden aus, weil niemand dieselben Gewebemerkmale aufweist, um Spender für Wolfgang Zerbin zu werden.

Die Familie hat sich an die DKMS gewandt. Mit deren Unterstützung wird kräftig getrommelt: Medien, Flyer und soziale Medien schaffen öffentliche Aufmerksamkeit, damit sich möglichst viele registrieren lassen. „Je mehr es tun, desto wahrscheinlicher wird es, die Stecknadel im Heuhaufen zu finden“, so Domenik Zerbin. Eine Blutspende oder eine Knochenmarkspende sind nach allem, was die Familie in Erfahrung brachte, die Optionen, „die sein Überleben am wahrscheinlichsten machen“, so Domenik. Ein Treffer unter den weltweit erfassten Typisierungen – und Wolfgang Zerbin bekäme eine zweite Lebenschance, um geheilt seiner Zukunft als Großvater entgegenzublicken und in wenigen Jahren das momentan verwehrte Enkelglück im verdienten Ruhestand auskosten zu können.

Domenik Zerbin spricht aus eigener Erfahrung, wenn er sagt: „Es ist kein Act, es dauert nur wenige Minuten.“ Der 33-Jährige ließ sich zusammen mit seiner Frau Sarah bei einer großen Typisierungsaktion in Alfdorf vor drei Jahren registrieren. „Jeder sollte sich das bewusstmachen, dass eine Registrierung ein Menschenleben retten kann.“

So kann man bei der Typisierung über die DKMS mitmachen

Jeder gesunde Mensch zwischen 17 und 55 Jahren kann Stammzellspender werden. Eine Registrierung ist coronabedingt nur online unter www.dkms.de/de/spender-werden möglich. Wer sich einen Ruck gibt und bei der Online-Registrierung mitmacht, erhält das Registrierungs-Set, also Becher mit Wattestäbchen, nach Hause geschickt. Mit drei medizinischen Wattestäbchen kann jeder Neuspender den Wangenschleimhautabstrich eigenständig durchführen und das Set per Post an das DKMS-Labor in Dresden senden.

Wird ein Fremdspender gefunden, kümmert sich die DKMS darum, dass die Blutspende oder eine Stammzellspende den Empfänger erreicht. Bis dahin kann es unter Umständen noch dauern, jetzt müssen alle tapfer sein. Für Hoffnungslosigkeit ist aber kein Platz: „Es gibt keinen Plan B, es muss einfach funktionieren“, sagt Domenik Zerbin.

Die DKMS (ehemals Deutsche Knochenmarkspenderdatei) ist eine gemeinnützige Organisation mit Sitz in Tübingen, die sich um die Typisierung von Stammzellenspendern kümmert und seit 1991 daran arbeitet, für Patienten weltweit den passenden Spender zu finden. Bislang haben sich mehr als acht Millionen Stammzellspender dem Kampf gegen den Blutkrebs angeschlossen. Doch findet immer noch jeder zehnte Blutkrebspatient allein in Deutschland keinen passenden Spender. Denn für eine Stammzellspende müssen die Gewebemerkmale des Spenders mit denen des Patienten zu 100 Prozent übereinstimmen.

Für die Registrierung eines neuen Spenders bezahlt die DKMS 35 Euro. Nicht jeder Spender kann die Kosten seiner Registrierung selbst tragen. Die gemeinnützige Organisation ist daher auf Geldspenden angewiesen.