Alfdorf

Nicole Mtawa aus Gmünd: Seit zwanzig Jahren hilft sie Kindern in Armut und Not

Tiergestützte Therapiestätte mit Nicole Mtawa
Nicole Mtawa bei der tiergestützten Therapiestätte in Namibia. © privat

Mit einer halbjährigen Reise durch Australien begann einst Nicole Mtawas Weg in den globalen Süden. Nach einer, wie sie selbst sagt, bodenständigen Kindheit und Jugend wollte die Gmünderin mit dem Schulabschluss in der Tasche etwas mehr von der Welt sehen – „danach war nichts mehr wie zuvor“. Mtawa hatte Feuer gefangen.

Weil sie mit 18 Jahren auch eine Patenschaft für ein Kind in Tansania abgeschlossen hatte, führte sie die nächste Reise in dieses ostafrikanische Land. „Ich wollte das Kind kennenlernen, aber auch eigene Erfahrungen sammeln und sehen, wie es dort wirklich ist.“

Lebensaufgabe: Kindern mit Behinderung zu gutem Leben verhelfen

Im Rahmen ihres Studiums der Bekleidungstechnik war sie dann 2002 für ein halbes Jahr in einer tansanischen Textilfabrik tätig – und hatte vor Ort mehrere prägende Schlüsselerlebnisse mit den Einheimischen und der großen Armut, die dort herrscht. So habe sie etwa eine Mutter mit einem kranken Kind kennengelernt, die keine drei Euro für die Monatsmiete aufbringen konnte. Mtawas erster Impuls war, hier schnell und unbürokratisch zu helfen. „So hat es angefangen, dass ich Manager für Menschen geworden bin“, sagt sie. „Denn mit wenigen Mitteln konnte ich viel bewegen.“

"Ich wollte das Leben der Armen studieren"

Das Engagement für in Armut lebende Kinder mit Behinderungen wurde ihr fortan zur Lebensaufgabe. 2003 folgte ein längerer Aufenthalt in Indien, „ich wollte das Leben der Armen studieren“, sagt sie zu ihrer Motivation.

Nach dem Studienabschluss im Jahre 2005 zog es sie dann erneut nach Tansania, wo sie den Vater ihrer Tochter kennenlernte – ein ehemaliges Straßenkind ohne Familie und Zuhause, was ihr noch einmal eine neue Perspektive auf das Leben eröffnet habe. „Daraus wurde eine ziemlich abenteuerliche Liebesgeschichte“, sagt Mtawa, die über ihre Erlebnisse auch ein Buch geschrieben hat. „Sternendiebe: Mein Leben in Afrika“ heißt es, vor 13 Jahren ist es erschienen.

Wie es Kindern mit Behinderung ergeht

Mtawa blieb im globalen Süden, war in Deutschland fortan nur noch selten, und wenn, dann als Gast. Denn „meine Aufenthalte in Tansania und Indien hatten mir gezeigt, dass Kinder mit Behinderungen dort keinerlei Unterstützung erhalten“. Die Versorgung in den Krankenhäusern sei teils sehr schlecht, manche der Kinder verlieren bereits bei der Geburt ihre Mutter oder leiden aufgrund von Sauerstoffmangel an einer frühkindlichen Hirnschädigung. „Und viele von ihnen werden später aufgrund von Scham und gesellschaftlichen Schwierigkeiten ausgesetzt oder sogar ein Leben lang weggesperrt.“

2010 gründete sie einen Verein

Vor zwölf Jahren gründete sie dann in Gmünd den Verein „Human Dreams“, mit dem sie das erste Kinderheim für voll pflegebedürftige Kinder im indischen Delhi auf die Beine stellen konnte. Es folgte der Bau von zwei Kinderdörfern in Tansania: einem für Waisenkinder und einem für Mütter, die ihre Kinder mit körperlichen oder geistigen Behinderungen alleine großziehen müssen. „Da ist leider noch viel Aberglaube vorhanden“, berichtet Mtawa, weshalb die Männer ihre Familien meist verlassen, wenn ein behindertes Kind auf die Welt kommt.

Im ersten Heim leben mittlerweile dreißig Waisenkinder, die dort spezielle Förderung und Therapien erhalten. Im zweiten Kinderdorf, das zum Großteil vom Verein „Ein Herz für Kinder“ finanziert wurde, ist Platz für bis zu achtzig Kinder, die dort den Tag über professionell versorgt werden, während ihre alleinerziehenden Mütter arbeiten gehen können – einige auch direkt als Pflegehelferinnen in den Heimen.

Ihr jüngstes Projekt führte sie nun nach Namibia. Vor zwei Jahren hat ihr Verein in Windhuk eine fünf Hektar große Farm erworben. Im Moment entsteht dort ein ganzes Kinderdorf, das einen tiergestützten Therapieansatz verfolgt. So gibt es Ponys, Alpakas und Esel für die Kinder, „daran haben sie viel Freude und es regt sie an“. In dem Kinderdorf gibt es darüber hinaus auch einen Pool für Hydrotherapie sowie physiotherapeutische und sonderpädagogische Unterstützung für die Kleinen.

Die 43-Jährige hat noch einiges vor mit ihren Projekten

Mit ihrer Arbeit ist die 43-Jährige aber noch lange nicht am Ende. Ihre Projekte in Namibia und Tansania will sie kontinuierlich ausweiten – und damit auch Menschen vor Ort einen Arbeitsplatz bieten. In Tansania sind bereits 49 Einheimische beschäftigt. In Namibia werden für kommendes Jahr noch Kinderpflegerinnen, Physiotherapeuten und Sonderschullehrer gesucht, damit der Ganztagesbetrieb starten kann. Und das ganze Jahr über bietet sie Stellen für Volontäre aus der ganzen Welt an.

Nach einer dreijährigen coronabedingten Pause ist Nicole Mtawa jetzt gerade in Deutschland zu Gast, wo sie ihre Arbeit präsentiert und um Unterstützung für ihre Projekte wirbt. Unterwegs ist sie dabei mit ihrer neunjährigen Tochter und einem Mini-Cooper- und Oldie-Caravan. Zeigen wird sie in Alfdorf einen Querschnitt aus ihrer Arbeit. Ihre drei Bücher, die sie inzwischen verfasst hat, wird sie auch mitbringen. „Nach dem Vortrag geht es dann wieder zurück nach Namibia.“ Dort wartet schließlich noch jede Menge Arbeit auf Mtawa.

Mit einer halbjährigen Reise durch Australien begann einst Nicole Mtawas Weg in den globalen Süden. Nach einer, wie sie selbst sagt, bodenständigen Kindheit und Jugend wollte die Gmünderin mit dem Schulabschluss in der Tasche etwas mehr von der Welt sehen – „danach war nichts mehr wie zuvor“. Mtawa hatte Feuer gefangen.

Weil sie mit 18 Jahren auch eine Patenschaft für ein Kind in Tansania abgeschlossen hatte, führte sie die nächste Reise in dieses ostafrikanische Land. „Ich wollte das

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