Alfdorf

On-Demand-Shuttle: Alfdorf sagt Ja, was machen Welzheim und Kaisersbach?

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Das Pilotprojekt On-Demand-Shuttle soll auch im Welzheimer Wald starten. Alfdorf sagt Ja, aber es gibt deutliche Kritik. © KVV

On-Demand-Verkehre gewinnen nicht zuletzt aufgrund der fortschreitenden Digitalisierung als neues, nachfrageorientiertes Mobilitätsangebot kontinuierlich an Bedeutung. Im Verbundgebiet des VVS bietet beispielsweise die Stuttgarter Straßenbahnen AG mit SSB Flex im Abend- und Spätverkehr einen flächendeckenden On-Demand-Verkehr im gesamten Stadtgebiet der Landeshauptstadt Stuttgart an.

Auch im Welzheimer Wald soll nun ein Pilotprojekt starten, wobei nach dem positiven Beschluss des Alfdorfer Gemeinderats nun auch Welzheim und Kaisersbach erst noch zustimmen müssen. Und dennoch wurde bereits im Alfdorfer Gemeinderat klar, dass dieses Projekt nicht nur Vorteile hat. Auf den Punkt gebracht für Alfdorf: „Die jährlichen Kosten für Alfdorf von knapp 17.000 Euro sind viel, aber was nützt es uns, dieses Geld auszugeben, wenn Schwäbisch Gmünd und Lorch nicht abgedeckt werden. So können die Jugendlichen aus Gmünd oder vom Zugbahnhof in Lorch weiterhin nicht nach Alfdorf oder in den Welzheimer Wald gelangen nach 23 Uhr. Wenn wir wissen, wo es endet, dann ist das Pilotprojekt doch von vorneherein gescheitert.“

Für den ländlichen Raum ist ein zusätzlicher Shuttle-Service wichtig

Mit Sicherheit werden solche Mobilitätsangebote, insbesondere in den Neben- bzw. Schwachverkehrszeiten, als Ergänzung des bestehenden Angebots Aufgaben der Feinerschließung übernehmen. „Dabei ist es auch überlegenswert, ob mittelfristig Ruftaxiverkehre durch On-Demand-Verkehre ersetzt werden können. Langfristig ist auch ein autonomer Betrieb von On-Demand-Verkehren denkbar“, heißt es im Nahverkehrsplan des Rems-Murr-Kreises.

Vorteile liegen auf der Hand, aber es gibt auch deutliche Kritik aus Alfdorf

Soweit On-Demand-Verkehre als Bestandteil des öffentlichen Nahverkehrs Aufgaben der Daseinsvorsorge übernehmen, ist eine gute Zugänglichkeit zu diesen Diensten für möglichst alle Nutzergruppen sicherzustellen. Dies bedeutet zum Beispiel das Angebot einer telefonischen Bestellannahme oder den Einsatz von Fahrzeugen, die auch für behinderte Menschen gut zugänglich sind. Bei der Planung und Entwicklung solcher Angebote sollen auch (kommunale) Behindertenvertreter oder Verbände von Menschen mit Behinderungen einbezogen werden. Das On-Demand-Shuttle-Pilotprojekt im Welzheimer Wald startet aber nur, wenn alle Kommunen, also Welzheim, Alfdorf und Kaisersbach, mitmachen. Gemeinderat Manfred Fitz ist froh, dass es ein neues Angebot für die Höfe rund um Alfdorf gibt, aber er gibt zu bedenken: „Es ist super, wenn es auch funktioniert. Aber in der Ferienzeit fährt der Ferienflitzer nur viermal, wie lange muss man also auf den Shuttle warten? Schon jetzt sind die Fahrpläne nicht übersichtlich, aber es scheint mir nicht durchdacht zu sein.“

Keiner möchte das Pilotprojekt ablehnen, aber die Nachteile sind bekannt

Bürgermeister Ronald Krötz antwortete: „Das Ziel soll sein, dass innerhalb von 30 Minuten man von jedem Standpunkt im Welzheimer Wald zum nächsten Bus oder zur Zieladresse kommt.“ Gemeinderat Sascha Kühne sagte: „Auf dieses Konstrukt haben wir lange gewartet, aber es bleibt nicht bei 16.500 Euro. Man muss ein Budget dahintersetzen, es auch zu bewerben. Und bevor das Pilotprojekt startet, sollten wir festlegen, wie man evaluiert und wie man die Zahlen am Ende nutzt.“ In Winnenden fährt das Shuttle bis morgens um 6 Uhr, im Welzheimer Wald nur bis 24 Uhr, warum? Gemeinderat Klaus Heck sieht Chancen für die Hofstellen und Gehöfte, und auch Andrea Kolckmann meint: „Ich bin froh über das Angebot, aber die wichtigsten Strecken nach Gmünd und zurück sowie nach Lorch und zurück werden für die Jugendlichen nicht bedient. Es wäre besser, wenn Gmünd oder Lorch integriert wäre in das Pilotprojekt.“

Nach Alfdorf müssen nun auch Welzheim und Kaisersbach erst zustimmen

Welzheim und Kaisersbach werden erst nach der Sommerpause über dieses neue On-Demand-Shuttle diskutieren, aber auch hier wird es Diskussionen geben. Alfdorf hat am Ende zugestimmt, da man eine Chance nicht verpassen möchte. Und dennoch ist allen klar: „Solange der letzte Bus zum Beispiel von Gmünd in Alfdorf um 23.45 Uhr ankommt, so lange macht es auch keinen Sinn, darauf zu hoffen, dass wie in Winnenden auch nach 24 Uhr im Welzheimer Wald die Shuttles unterwegs sind“, so Sascha Kühne. Das sieht auch Gemeinderat Hans-Dieter Folter so: „Es macht keinen Sinn, solange Gmünd nicht angeschlossen ist, daher endet es um 24 Uhr. Für uns wäre es aber besser, wenn Lorch und Gmünd mit drin wären, dann würden auch die Jugendlichen in der Nacht besser heimkommen.“

Gemeinderat Horst Metzger erklärte zum Schluss: „Es ist schade, dass es an der Kreisgrenze aufhört, aber das kennen wir als Alfdorfer, und dennoch dürfen wir dieses Pilotprojekt nicht ablehnen.“ Bei nur drei Enthaltungen stimmte das Gremium dem Beschlussvorschlag der Verwaltung zu: „Der Gemeinderat beschließt die Teilnahme der Gemeinde Alfdorf für den Pilotprojekt-Zeitraum bis 2024 vorbehaltlich der Mitwirkung und Kostentragung aller betreffenden Kommunen. Die jährliche Kostenschätzung für die Gemeinde Alfdorf beläuft sich auf 16.966 Euro.“ Für Ronald Krötz ein wichtiges Signal, der trotz aller verständlichen Kritikpunkte sehr froh ist, dass Alfdorf nun dabei ist beim Pilotprojekt: „Dieses Zeichen ist wichtig, denn wir benötigen im ländlichen Raum jede Hilfe im Nahverkehr.“

On-Demand-Verkehre gewinnen nicht zuletzt aufgrund der fortschreitenden Digitalisierung als neues, nachfrageorientiertes Mobilitätsangebot kontinuierlich an Bedeutung. Im Verbundgebiet des VVS bietet beispielsweise die Stuttgarter Straßenbahnen AG mit SSB Flex im Abend- und Spätverkehr einen flächendeckenden On-Demand-Verkehr im gesamten Stadtgebiet der Landeshauptstadt Stuttgart an.

Auch im Welzheimer Wald soll nun ein Pilotprojekt starten, wobei nach dem positiven Beschluss des

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