Alfdorf

Ortsdurchfahrt Alfdorf gesperrt: Viel Verkehr auf Umgehungsstraße

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An der Ortsdurchfahrt wird nach wie vor der erste Bauabschnitt saniert. © Benjamin Büttner

Viele Fahrzeuge - und manche davon zu schnell - sind täglich in der Döllenstraße unterwegs. Ein Problem für viele Anwohner der 30er-Zone, die deshalb bereits Unterschriften sammelten und im November an die Verwaltung und den Gemeinderat übergaben. 63 Namen befanden sich darauf. Einer, der sich damals besonders empörte, ist Joseph Rack, der in der Straße wohnt und auch einen Fahrradladen betreibt.

Seit der Unterschriftenaktion hat Alfdorf einen neuen Bürgermeister bekommen, hat Corona das öffentliche Leben lahmgelegt und die lang ersehnte Sanierung der Ortsdurchfahrt begonnen.

Durch Letzteres ist die Döllen- jetzt zur Umleitungsstraße, mithin zur neuen Ortsdurchfahrt geworden. Noch mehr Autos als zuvor fahren jetzt an den Häusern der Anwohner vorbei. Auch wenn der überörtliche Verkehr umgeleitet wird.

Bau hat sich verzögert: Noch bis August Umgehungsstraße

Eine „Riesenbeeinträchtigung“ nennt Rack das, denn seit Februar gibt es nicht nur mehr Verkehr, es herrscht auch ein Halteverbot in der Straße. Für die Kunden seines Geschäfts bedeutet das: lange Laufwege. Und schon jetzt ist der erste Abschnitt der Baustelle in der Ortsdurchfahrt zwei Monate im Verzug. Denn während der Baumaßnahme kam es zu unerwarteten Mehrleistungen: Der Untergrund der Fahrbahn war weniger tragfähig als erwartet, die Bauarbeiter haben bislang unbekannte Bestandsleitungen gefunden und mussten zusätzliche Wasser- und Kabelleitungen verlegen.

„Das ist eine Katastrophe“, findet Rack, der den Anwohnerprotest Ende vergangenen Jahres maßgeblich organisierte. Nach der Unterschriftenliste habe es noch ein paar Treffen gegeben, inzwischen sei der Protest aber eingeschlafen, sagt Rack.

"Mir war es wichtig, Transparenz zu schaffen", sagt Bürgermeister Krötz

Der neue Bürgermeister Ronald Krötz habe sich mit einem Schreiben an alle Anwohner der Straße gewandt und erklärt, weshalb es zu den Verzögerungen bei der Baumaßnahme kommt. „Mir war es wichtig, Transparenz zu schaffen“, sagt Krötz, „und dass die Anwohner das nicht erst aus der Zeitung erfahren.“ Deshalb habe die Verwaltung auch auf allen Kanälen - von der Pressemitteilung über Facebook bis zum Anwohneranschreiben - die Verzögerung publiziert und erklärt.

Für die Anwohner der Döllenstraße bedeutet das: zwei weitere Monate lang zusätzlichen Verkehr – und leider auch wieder einige, die zu schnell in der 30er-Zone unterwegs sind. Krötz, selbst vor seinem Amtsantritt bei der Polizei tätig, hat deshalb bereits bei seinen ehemaligen Kollegen um Kontrollen gebeten. „Als Ortspolizeibehörde dürfen wir den fließenden Verkehr ja nicht selbst kontrollieren.“ Kontrolliert würden neben der Geschwindigkeit auch die Einhaltung der Vorfahrtsregeln sowie das Durchfahrtsverbot für den Schwerlastverkehr. Bis auf ein örtliches Unternehmen, das eine Ausnahmegenehmigung hat, sind alle anderen angehalten, die Gemeinde großräumig zu umfahren.

Für Rack finden diese Kontrollen jedoch zu selten statt. Was dem Anwohner auch fehlt, sind zusätzliche Schilder, die auf die Geschwindigkeitsbegrenzung hinweisen. Die Straße ist schließlich recht breit. Ortsfremde könnten daher mutmaßen, dass mehr als die erlaubten 30 Stundenkilometer möglich sind. Wofür er durchaus Verständnis zeigt: „Fremde konzentrieren sich auf die Umleitung. Die sehen die vorhandenen Schilder nicht unbedingt.“

Bodenmarkierung und Messtafel geplant

Mehr Schilder: Auch das könnte eine Lösung sein. Doch diese könnte nur der Landkreis anordnen – und der möchte keinen weiteren Schilderwald. Rack würde sich neben zusätzlichen Schildern auch weitere Maßnahmen zur Geschwindigkeitsbegrenzung wünschen, etwa Bodenschwellen. Darüber wurde laut Krötz zwar nachgedacht, die Idee habe man aber nicht weiter verfolgt. Auch weil der Bürgermeister nicht nur Vorteile einer solchen Maßnahme sieht. Im Winter würden sie etwa bei der Schneebeseitigung stören. Außerdem könnten Fahrzeuge Schaden dadurch nehmen.

Was indes bereits geplant ist: Eine Stuttgarter Raute, also eine Bodenmarkierung, die auf die Verkehrsführung hinweist. Allerdings erst, wenn die Umleitung einmal beendet ist. Bauarbeiten würden den Verkehr jetzt zu sehr beeinträchtigen. Außerdem hat Krötz die Anbringung einer Messtafel in der Straße geplant.

Anwohner setzt Hoffnung in den neuen Bürgermeister

Bis die Maßnahmen greifen, muss sich Joseph Rack mit dem Verkehr arrangieren. Zum Schutz seiner Enkel hat er kürzlich einen Zaun errichten lassen. Der Alfdorfer setzt noch immer seine Hoffnung in den neuen Bürgermeister. Der sei schließlich Polizist, „da kann er vielleicht eher etwas bewirken“. Wenn schon nicht kurzfristig (solange die Umgehung dort entlangführt, hält auch Rack Baumaßnahmen für unrealistisch), dann zumindest auf mittlere Sicht.

Viele Fahrzeuge - und manche davon zu schnell - sind täglich in der Döllenstraße unterwegs. Ein Problem für viele Anwohner der 30er-Zone, die deshalb bereits Unterschriften sammelten und im November an die Verwaltung und den Gemeinderat übergaben. 63 Namen befanden sich darauf. Einer, der sich damals besonders empörte, ist Joseph Rack, der in der Straße wohnt und auch einen Fahrradladen betreibt.

Seit der Unterschriftenaktion hat Alfdorf einen neuen Bürgermeister bekommen, hat Corona

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