Alfdorf

Pumpwerk bleibt im Rutschgebiet

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Symbolbild. © ZVW/Sarah Utz
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Probeschürfung am Haldenweg.

Alfdorf. Ein Pumpwerk im Rutschgebiet ist immer eine heikle Sache. Doch ein anderer Standort als der Haldenweg ist nicht möglich. Außerdem gibt es nach der Intervention von Thomas Wiedmann vom CDU-Ortsverband Alfdorf zusätzliche Sicherungsmaßnahmen für die Baugrube. Die Gemeinde hofft, schon nach den Osterferien die Bauarbeiten fortsetzen zu können.

Bei einem Pressegespräch am Dienstagnachmittag im Alfdorfer Rathaus erklärten Bürgermeister Michael Segan und die Fachleute Matthias Strobel vom Ingenieurbüro und Gregor Zeiser vom Büro für Ingenieurgeologie die Abläufe und die Gründe für das Projekt, das Teil des zentralen Kläranlagenkonzepts ist.

Für Thomas Wiedmann, Schriftführer und Pressesprecher des CDU-Ortsverbandes Alfdorf, besteht zwischen der verschobenen Sanierung der Hauptstraße im nächsten Jahr und den zusätzlichen Sicherungsmaßnahmen am Pumpwerk kein Zusammenhang. Er sieht Planungs- und Verwaltungsfehler des Alfdorfer Bürgermeisters Michael Segan. Sowohl die zeitliche Planung als auch die Finanzierungsangaben seien falsch. Bürgermeister Segan wollte, so Wiedmann, mit 214 000 Euro den Kanal in der Hauptstraße erneuern und mit 500 000 Euro des Regierungspräsidiums die Hauptstraße komplett mit Unterbau sanieren, was jedoch nicht ausreiche.

Er, Wiedmann, habe als „direkter Anlieger“ des geplanten Pumpwerks den Bürgermeister über die Fehlplanungen informiert. Ihm sei nicht erlaubt worden, die Unterlagen einzusehen, deshalb habe er sich an das Landratsamt gewandt. Seit Jahrzehnten sei allgemein bekannt, dass der Standort am Haldenweg ein „aktives Hangrutschgebiet“ sei, das auf einer rund 17 Meter dicken Knollenmergelschicht basiere und immer wieder zu Hangrutschungen führe.

Die letzte Hangrutschung sei im Winter 2010/2011 gewesen, als bei Bauarbeiten der Gemeinde Stützmauerfundamte ohne Genehmigung weggebaggert worden seien. Nur mit unzähligen Stahlträgern habe ein Abrutschen des gesamten Hanges einschließlich der Gebäude darüber verhindert werden können.

Wiedmann fordert Verschiebung des Pumpwerks

Sickerwasser sei beim neuesten Gutachten für das Pumpwerk nicht berücksichtigt worden. Das aber verringere die Standsicherheit. Das Landratsamt habe deshalb am 19. Februar 2019 neue Bodenuntersuchungen und ein neues Gutachten gefordert. Der Standort für das Pumpwerk sei falsch gewählt. Das Pumpwerk müsse rund 100 Meter ostwärts an der Kreuzung Haldenweg/Talweg gebaut werden. Dort seien keine Hangrutschungen zu erwarten.

Zu dem letzten Hinweis von Thomas Wiedmann kommt ein klares Nein des Fachingenieurs Strobel. Ein Verschieben des Standorts hätte zur Folge, dass nicht ein Pumpwerk, sondern drei oder gar vier gebaut werden müssten, weil an der jetzt geplanten Stelle alle Abwasserleitungen zentral und am tiefsten Punkt zusammenkommen. Von diesem zentralen Pumpwerk werden die Abwässer künftig hoch zur Hauptstraße in eine neu verlegte Druckleitung befördert. Von dort führt die Trasse nach Pfahlbronn zur dann ausgebauten zentralen Kläranlage am Leinecksee. Durch die zusätzlichen Sicherungsmaßnahmen an der Baustelle Pumpwerk verzögern sich, so Segan, nicht nur die Bauarbeiten am Kanalnetz, sondern auch die Straßenbauarbeiten in der Hauptstraße, deren Sanierung nun für 2020 vorgesehen ist. So wie das Abwasserkonzept der Gemeinde nur Zug um Zug umgesetzt werden könne, so gelte dies auch für die Sanierung der Hauptstraße. „Alles hängt mit allem zusammen.“

Keine erweiterte Anhörung der Anlieger

Das Pumpwerk ist oberhalb der alten stillgelegten Kläranlage Alfdorf vorgesehen, parallel dazu liege ein Regenüberlaufbecken, das bereits vor rund 34 Jahren in Betrieb ging. Dort, so die Fachleute, habe es nie Probleme mit einer Rutschung gegeben.

Segan betont, dass Thomas Wiedmann kein direkter Anlieger des Bauvorhabens Pumpwerk sei und deshalb auch nicht bei der Anliegeranhörung beteiligt gewesen sei. Deshalb habe er das geforderte Gutachten ihm auch nicht ausgehändigt. Gleichwohl sei bereits am 9. Dezember 2018 ein Fragenkatalog von Thomas Wiedmann per E-Mail beantwortet worden.

Zur Hangrutschung 2010/11 stellte der Bürgermeister fest, dass eine Baufirma damals versehentlich die Stützmauer abgebrochen habe, deshalb sei es zu einer Rutschung gekommen. Bei den jetzt vorgesehenen Arbeiten gehe es allein um die Sicherung der Baustelle und nicht des ganzen Hanges. Bei den zusätzlich vom Landratsamt angeordneten Schürfgrabungen ist eine sogenannte Gleitschicht gefunden worden. Diese hätten die Fachleute aber auch bei den Bauarbeiten entdeckt und ebenfalls zusätzlich Maßnahmen vorgeschlagen. „Eine Gleitschicht kann rutschen, muss aber nicht“, so Fachmann Zeiser.


Mit Stahlankern

Für die Stilllegung der Kläranlage Alfdorf und Erweiterung der Kläranlage Leineck ist der Bau eines Pumpwerks erforderlich, das die Abwässer dann über eine neue, in der Hauptstraße verlegte Druckleitung Richtung Leinecksee befördert.

Nach dem neuesten Gutachten mit weiteren Schürfungen, die das Landratsamt gefordert hat, ist eine zusätzliche Baugrubensicherung für das Pumpwerk Alfdorf erforderlich.

Die Kosten für die zusätzliche Verankerung mit Stahlankern betragen rund 95 000 Euro. Der Auftrag wurde an die Firma Ebert aus Abtsgmünd-Pommertsweiler vergeben, die auch die anderen Erdarbeiten ausführt.