Alfdorf

Rettet den Alfdorfer Kirchturm: Es fehlen 150.000 Euro!

Kirchturm
Das Alfdorfer Wahrzeichen, der Zwiebelturm der Stephanuskirche © Markus Metzger

Morsche Böden, zersplittertes Fachwerkgebälk und ein zerklüftetes Zwiebeldach erwarten einen beim Aufstieg zur höchsten Spitze des Alfdorfer Wahrzeichens: dem evangelischen Kirchturm.

„Man sieht, dass hier überall Licht einfällt, einzelne Schindeln fehlen und müssten komplett ausgetauscht werden“, erläutert der Kirchengemeinderatsvorsitzende Andreas Hintermeier besorgt und leuchtet beim Erklären auf den löchrigen Boden: „Hier sind die Bretter zum Teil gar nicht mehr vorhanden“. Man kommt nur über einzelne uralte Leitern an den Glocken vorbei bis zur höchsten Plattform des Alfdorfer Wahrzeichens. „Der Zwiebelturm“ der evangelischen Stephanuskirche ist hier gemeint.

Die Kirche ist seit Generationen ein nicht wegzudenkendes architektonisches Meisterstück, das 1775 von J. M. Keller im spätbarocken Kirchen-Stil erbaut wurde. Ganze Familiengeschichten, Konfirmationen, Taufen, Trauungen und der – durch dieses schöne Bauwerk – hervorgerufene Segen bröckeln.

Einen Nutzen vom Wahrzeichen tragen hier nicht nur alle Gemeindemitglieder und das seit Jahrhunderten, sondern gerade auch alle Firmen und der gesamte Tourismus vor Ort. So ist der Zwiebelturm laut Hintermeier „eine echte Bereicherung“. Besser gesagt: „Er war es bald“, denn der komplette oberste Abschnitt des Kirchturms stürzt langsam in sich zusammen – und das bereits seit mehreren Jahren.

„Vor vier Jahren kam der erste Schindel runter“, beschreibt Hintermeier die Anfänge. Erste Baumaßnahmen und Anfragen wurden einst vom damaligen Pfarrer Probst nebst Kirchengemeinderat eingeleitet. Ein vom Oberkirchenrat empfohlenes Architekturbüro in Schwäbisch Gmünd wurde damit beauftragt zu eruieren, was alles zu machen wäre. Am Ende stand eine geschätzte Summe von ungefähr 400.000 Euro. Die Schieferplatten müssen völlig neu gedeckt werden. Allein der Kostenvoranschlag des Gerüstbauers belief sich auf 250.000 Euro, was noch mal ausgeschrieben wurde, da die Kosten einfach nicht stemmbar waren.

Es fehlen noch 150.000 Euro an Spendengeldern

Bei der genannten Summe beteiligt sich die Gemeinde Alfdorf, aufgrund eines laut Hintermeier geschlossenen Vertrags vom Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts. „Da ist ein gewisser Prozentsatz vermerkt, der sich um die 80.000 Euro bewegt“, erwähnt der Erste Vorsitzende des Kirchengemeinderats.

Bürgermeister Ronald Krötz äußert sich auf Anfrage hierzu wie folgt: „Die Stephanuskirche ist ortsprägend und als christliches Gotteshaus ein sehr wichtiger Bestandteil von Alfdorf. Aus diesem Grund beteiligt sich die Gemeinde seit langer Zeit prozentual an den Kosten für Sanierungsarbeiten und wird bei den anstehenden Maßnahmen selbstverständlich ihren Teil beitragen“, verspricht Krötz und er ergänzt: „Für die Kirchgemeinde ist diese Aufgabe natürlich ein finanzieller Kraftakt und ich hoffe, dass sich genügend Spender und Unterstützer finden werden, um die notwendigen Sanierungsarbeiten möglichst bald durchführen zu können.“

Andreas Hintermeier weiß dies zu schätzen und er bekräftigt: „Das Denkmalschutzamt würde auch noch einen Teil hinzugeben.“ Er weiß jedoch auch: „Erst mal muss die Kirchengemeinde die restlichen Kosten von geschätzten 150.000 Euro selbst aufbringen und daran scheitert es bisher.“ Gerade ist der im evangelischen Gemeindebrief beiliegende alljährliche Bittaufruf „mit der Spende an alle Haushalte“ raus.

Pro Jahr kamen so ca. 6000 Euro zusammen. Nur muss man kein Mathegenie sein, um zu begreifen, dass dies nicht reichen wird, um das „Dach Gottes“ zu retten. Möchte Alfdorf nun zukünftig seinen altwürdigen Kirchturm abschreiben und ihn weiterhin von unten beim Einfallen beobachten? „Die Turmhelmsanierung“, wie Pfarrer Patrick Steinbacher es fachkundig nennt, „ist sehr wichtig – ja. Aber das gesamte Geld, das hier einfließt, fehlt der Kirchengemeinde für deren Projekte. Hier zählen auch die Kinderkirche, Kirchenmusik, und Fortbildung der Mitarbeiter."

Was schade ist. Man merkt es beiden Männern an, dass ihnen das Thema nahegeht. Gerade jetzt vor dem Winter kommen die mächtigen Herbststürme. Eine Option wäre eine teure Verhüllung des Zwiebelturms, was jedoch auch nur ein weiterer Aufschub und keine Lösung für das kaputte Gebälk nebst morschem Innenleben wäre. Die Kirchengemeinde plant im Herbst nun laut eigener Aussage kirchliche „Benefizkonzerte“. Aber die zu stemmende Gesamtsumme von 150.000 Euro wird somit auch nicht komplett zusammenkommen.

Ein Wunder muss her oder ein Kraftakt, wie ihn die Gemeinde selten erlebt hat. Egal ob einer oder viele private Spender, mehrere Firmen, die sich an den Kosten beteiligen, oder Ideen zum Erhalt des einmaligen Alfdorfer Wahrzeichens, es sollte etwas passieren, und zwar bald. Pfarrer Patrick Steinbacher blickt ernst gen Zukunft und glaubt trotzdem fest daran, dass auch morgen das Kirchturmdach noch stehen kann. Er unterstreicht dies mit dem eindringlichen Schlussappell: „Bitte rettet den Kirchturm – jetzt.“

Morsche Böden, zersplittertes Fachwerkgebälk und ein zerklüftetes Zwiebeldach erwarten einen beim Aufstieg zur höchsten Spitze des Alfdorfer Wahrzeichens: dem evangelischen Kirchturm.

„Man sieht, dass hier überall Licht einfällt, einzelne Schindeln fehlen und müssten komplett ausgetauscht werden“, erläutert der Kirchengemeinderatsvorsitzende Andreas Hintermeier besorgt und leuchtet beim Erklären auf den löchrigen Boden: „Hier sind die Bretter zum Teil gar nicht mehr vorhanden“. Man

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